Die Zukunft der medizinischen Information

Studie zu Ärzten und Patienten-Selbsttracking

Fitbits und andere digitale Sensoren für Gesundheitsdaten bieten sowohl gesunden als auch chronisch kranken Nutzern eine Fülle von Möglichkeiten. Und seit Jahren wird diskutiert, ob und wie diese Geräte sich sinnvoll im Rahmen der der ärztlichen Tätigkeit einsetzen lassen – um entweder die Versorgung zu verbessern oder Aufwand auf Seiten der Betreuer zu reduzieren.

Eine Studie aus Belgien und den Niederlanden – die letzte Woche im Journal of Medical Internet Research (JMIR) veröffentlicht wurde – untersuchte, wie Selbsttracking zu einem veränderten Verständnis in der professionellen Pflege führen könnte. Ziel war eine Analyse auf Basis von Interviews mit Allgemeinärzten und Kardiologen, wie Ärzte Self-Tracking-Methoden in ihrer Praxis evaluieren können. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bedürfnis, diese Art der Selbstbeobachtung durch digitale Geräte zu professionalisieren. Der interessanteste Aspekt könnte dabei die sich verändernde Rolle des Arztes sein. Denn mündige Patienten möchten die Daten Ihrer Geräte im Dialog diskutieren.

Die Autoren sehen durchaus die Gefahr, dass eine erhöhte Patientenbeteiligung dazu führen könnte, dass mehr – und womöglich zuviel – Verantwortung auf die Patienten übertragen wird. Ihre Forderung: Ärzte sollten die Entwicklung zum Selbstmonitoring des Patienten durchaus nutzen, aber sich auch selbst fortbilden, um Daten sicher zu interpretieren und ihre Patienten zu informieren. Nicht alle Patienten sind sich des Mehrwerts bewusst und „best Practice“ bei der digitalen Selbstversorgung erfordert Patientenschulung und digitale Kompetenz.

www.jmir.org/2018/1/e10/

Ein gutes Jahr 2018?

Liebe User,

zunächst wünschen wir Ihnen ganz persönlich ein gutes und erfolgreiches Jahr 2018!

Ob diese Wünsche auch die Gesundheitswirtschaft erreichen, bliebt zunächst noch offen. Aber unsere guten Vorsätze lauten: weiterhin so facettenreich zu berichten und zu analysieren wie bisher.
An spannenden Themen wird es auch in diesem Jahr nicht mangeln. Man denke nur an die Bürgerversicherung, über die aktuell ja ebenfalls sondiert wird. Mit dem Thema könnten wir leicht einen eigenen Blog füllen. Wir wagen auch eine Prognose (falls die Bürgerversicherung kommt): an der Zweiklassen-Terminvergabe wird sich nichts ändern, die ist dann eben nur exklusiver – für die privat Zusatzversicherten und die Selbstzahler. Aber die Wartezeiten werden sich generell nicht verkürzen, ganz im Gegenteil. So wird die Bürgerversicherung eine ähnliche Erfolgsstory wie die elektronische Gesundheitskarte.

Aber es gibt ja neben der Politik noch viele weitere Themen, die unser Interesse geweckt haben: der Einzug von Virtual und Augmented Reality in der Medizin, das sich wandelnde Informations- und Mediennutzungsverhalten im Gesundheitswesen, neue Trends in der Digitalisierung, künstliche Intelligenz in der Diagnostik etc. etc.
Den Markt der Medizin-und Gesundheits-Apps behalten wir für Sie ebenfalls in Auge. In zwei Wochen werden wir uns ausführlich damit befassen und einen Rückblick auf die Entwicklung des letzten Jahres werfen.

Ihr Team von medicallearning.de

Wie akkurat sind Ferndiagnosen?

Die Telemedizin ist nach wie vor ein kontrovers diskutiertes Thema. Patienten in Deutschland wünschen und fordern mehr Telemedizin für ihren Alltag, das zeigte nicht zuletzt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2016 (Link). Dort sagt die Mehrheit der Befragten: “Die Verschreibung von Medikamenten soll auch möglich sein, wenn der Arzt nur online oder telefonisch kontaktiert wird.”

Obwohl auch manche Ärzte durchaus die Vorteile der Telemedizin sehen, gibt es noch große Vorbehalte. Vor allem wird infrage gestellt, dass akkurate Ferndiagnosen überhaupt möglich sind. Zu diesem Thema erschien jüngst ein interessanter Beitrag in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology (Link). In einer kleinen Studie mit 40 dermatologisch erkrankten Kindern wurden die Eltern gebeten, mit ihrem Smartphone ein Foto der Problemstelle zu machen und es über eine spezielle App in ein elektronisches Datenregister zu überstellen. Dort werteten es Dermatologen aus.

Insgesamt stimmten 83 Prozent der Diagnosen basierend auf Telemedizin und auf persönlichem Kontakt überein. Wurden nur die Fotos mit ausreichender Bildqualität berücksichtigt, betrug die Übereinstimmung sogar 89 Prozent. Nur in drei Fällen konnte aufgrund der schlechten Bildqualität keine Ferndiagnose erfolgen. Und das Erstaunliche: Es waren keine besonderen Foto-Kenntnisse erforderlich, die Automatikeinstellung der Handykamera war völlig ausreichend.

Nun ist Dermatologie eine Sache und viele andere Erkrankungen erfordern mehr diagnostischen Aufwand. Andererseits werden Hardware und App-Ausstattung von Smartphones immer besser und sind in der Lage, auch medizinische Daten in der benötigten Qualität zu verfassen. In der Studie wurden Dermatologen entlastet und die beteiligten Eltern waren begeistert. Die Vorteile sind so groß, dass wir in den kommenden Jahren sicher auch bei uns ähnlich Anwendungen sehen werden. Wenn auch nicht mehr in diesem Jahr …

Aber bald ist ja schon ein neues Jahr. Wir machen jetzt eine kleine Pause bis zum 8. Januar und wünschen Ihnen alles Gute für 2018!

Ihr Team von medicallearning.de

EKG: Erstes Apple-Watch-Zubehör bekommt FDA-Freigabe

AliveCor, ein von einem Ex-Google-Manager geführtes Unternehmen im Bereich digitale Gesundheit, hat mitgeteilt, dass die Food and Drug Administration ihr EKG-Bandzubehör für die Apple Watch genehmigt hat. Das Kardia Band, so der Produktname, sei das erste Apple Watch Gesundheitszubehör, das die FDA-Zulassung erhalten habe.

Das Kardia Band wird wie jedes andere austauschbare Uhrenarmband an die Apple Watch angeschlossen. Der Benutzer legt einen Finger auf das Sensorkissen, welches in dem Band eingebettet ist, wodurch ein Lesen des EKG ermöglicht wird. Elektrokardiogramme erkennen Unregelmäßigkeiten in den elektrischen Impulsen, die die Kontraktionen in den vier Kammern des Herzens auslösen. Das Kardia Band sendet seine EKG-Messwerte (über ein High-Pitch-Audiosignal) an die Apple Watch, wo es in Echtzeit angezeigt wird. Wenn das 30-Sekunden-EKG beendet ist, kann der Benutzer es auf seinem iPhone ansehen – oder die Ergebnisse einfach als PDF an seinen Arzt senden.

Die Nutzung des Kardia Band kann so einen Hinweis auf Vorhofflimmern liefern. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und eine der Hauptursachen für Schlaganfälle. Es betrifft mehr als 30 Millionen Menschen weltweit, und jeder vierte über 40-Jährige ist gefährdet. Auch jüngere Patienten, bei denen eine Herzkrankheit diagnostiziert wurde, können von dem Accessoire profitieren.

Deep Learning: Die Radiologie geht voran

Letzte Woche hatten wir einen Blick auf die Hochschulen und die Weiterbildung geworfen, wo neue Ansätze Lehre und Lernen schneller und effizienter machen sollen. Damit auch die Mitarbeiter im Gesundheitssystem den neuen Anforderungen gewachsen sind. In dieser Woche geht es darum, wie Maschinen-Lernen die Mitarbeiter unterstützen und teilweise sogar ersetzen kann.

Künstliche Intelligenz ist eine großer Trend in der Medizin und KI-Algorithmen haben viele Anwendungsgebiete – etwa die Diagnose-App Ada, die wir hier vor 5 Wochen schon vorgestellt hatten (Link). Einen ähnlichen Weg wie Ada Health geht Babylon Health (Link). Hier hat man eine App entwickelt, die Video-Beratung durch Ärzte und Chatbots mit künstlicher Intelligenz kombiniert. Die App wird seit Anfang 2017 vom britischen NHS als Alternative zur Telefonberatung getestet. Der Chatbot soll als „Filter“ in der Lage sein, den Behandlungsbedarf und die Dringlichkeit zu evaluieren und ggf. einen Arzt zu Rate ziehen.

Auch bei der Bilderkennung ist Deep Learning durch künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch. Das israelische Startup Zebra Medical Vision (Link) gehörte hier zu den Pionieren und entwickelte u.a. einen  Diagnose-Algorithmus, der die Erkennungsraten bei Brustkrebs erhöhen soll. Auf dem größten Radiologentreffen der Welt, dem RSNA in Chicago, wurde letzte Woche jetzt ein neuer Meilenstein vorgestellt: GE Healthcare will sein weltweit 500.000 Bildgebungsgeräte mit der Nvidia AI Computing Platform aufrüsten.

Bei der Partnerschaft zwischen GE, Nvidia und dem Dokumentations- und Spracherkennungsspezialisten Nuance geht es um die Weiterentwicklung des Nuance AI Marketplace für diagnostische Bildgebung (Link). Damit sollen Radiologen nach dem Wunsch der Hersteller „bei der Erstellung von Algorithmen mitwirken, die später in Kliniken helfen, klinische Befunde schneller zu erkennen und die Patientenversorgung so zu verbessern.“ Ziel ist es, die Arbeitslast der auswertenden Ärzte zu reduzieren – und damit auch die Fehlerquote bei der Analyse von CTs und MRTs.