Die Zukunft der medizinischen Information

Darmstadt: Digitale (Gesundheits-)Stadt

Der vom IT-Branchenverband Bitkom in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund ins Leben gerufene Wettbewerb „Digitale Stadt“ hat seit letzter Woche einen Sieger: Darmstadt! Die Hessen haben sich im Finale gegen Heidelberg, Kaiserslautern, Wolfsburg und Paderborn durchgesetzt und können sich nun Zuwendungen in Form von Projekten und Dienstleistungen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages erhoffen.
Darmstadt – nun auf dem Weg zur digitalen Vorzeigestadt – hat bei der Bewerbung Visionen für unterschiedliche Themenfelder skizziert: u.a. Energie, Verkehr, Verwaltung, Bildung, Handel, Sicherheit – und eben auch Gesundheit.

Werfen wir doch nun einen auszugsweisen Blick auf die Vision, die die Digitalstadt Darmstadt (www.digitalstadt-darmstadt.de) im Gesundheitsbereich hat:
Die Digital-Stadt Darmstadt hilft ihren Bürgerinnen und Bürgern gesund zu bleiben und zu werden.
– Per Smartphone können sie jederzeit auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen.
– Eine cloudbasierte Plattform ermöglicht einen niederschwelligen und barrierefreien Zugang zu unterschiedlichen digitalen Diensten.
– So ist der online Check-In ins Klinikum Darmstadt möglich. Den sicheren Weg bis auf die Station möglich die digitale Gebäude-Navigation.
– Das digitale Verordnungsmanagement sorgt bei Entlassung für die notwendigen Hilfsmittel und die Home Care Versorgung.
– Der digitale Medikamentenlieferservice realisiert die Versorgung über die nahe gelegene Apotheke.
– Jeder kann seine Notfalldaten, Allergien und Medikationspläne einspeisen.
– Chatrooms bieten zielgruppenspezifische Online-Sprechstunden und Hilfen an, zum Beispiel für Studierende.
– Über ein Portal lassen sich Zweitmeinungen einholen und Facharzttermine vereinbaren.
– Es bietet auch Zugang zu verknüpften und sektorenübergreifenden Fortbildung für Ärzte mittels Präsenzveranstaltungen und E-Learning-Modulen.

Das klingt schon einmal sehr vielversprechend. Wir werden unsere User weiterhin über dieses Thema informieren.

Gesundheit auf dem Digital-Gipfel

Heute und morgen (12. und 13. Juni 2017) findet in Ludwigshafen der Digital-Gipfel der Bundesregierung statt. Auch wenn man manchmal den Eindruck haben könnte, das Thema sei in der Exekutiven nicht so besonders hoch angesiedelt eine Bundesministerin, eine Ministerpräsidentin, zwei stellvertretende Ministerpräsidenten und jede Menge weitere Prominenz zeigen: Digitalisierung ist in Wahlkampfzeiten ein populäres Thema. Dabei darf natürlich das Thema Gesundheit nicht fehlen und so ist auch das Satellitensymposium „Digital Health Conference – Gesundheit in der Gigabit-Gesellschaft“ ausgesprochen hochkarätig besetzt.

 Weil wir uns nun  keine besonderen Erkenntnisse von diesem Gipfel erwarten, werfen wir lieber schon mal heute einen Blick auf das „Rahmenprogramm“. Und hier stellt z. B. Ericsson eine Studie zur Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland vor. Die Studie prognostiziert einen klaren Trend zur Dezentralisierung des Gesundheitswesens. Von den Arztpraxen und Krankenhäusern hin zum privaten Umfeld. Nach den Ergebnissen dieser Umfragen wären 66 Prozent der befragten Konsumenten bereit Wearables als vorbeugende Maßnahme zur Überprüfung von gesundheitlichen Anomalien und gegen chronischen Erkrankungen zu verwenden.

Damit nicht genug: 36 Prozent der Patienten mit chronischen Erkrankungen würden Online-Sprechstunden nicht nur akzeptieren, sondern sie gegenüber den klassischen Sprechstunden sogar bevorzugen. Und 62 Prozent der Befragten wären bereit, persönliche Gesundheitsdaten zu teilen, wenn dies zu besseren Behandlungsmöglichkeiten durch den Arzt führen würde. Glaubt man Bundesgesundheitsminister Gröhe, könnte das alles schon bald Realität sein. „Wir sind dabei, Krankenhäuser, Arztpraxen und die 70 Millionen gesetzlich Versicherten miteinander zu verbinden“ zitiert ihn die Rhein-Neckar-Zeitung: „Damit ist ein wichtiger Meilenstein erreicht“. Wann genau das sein wird, sagte er nicht …

Studie von Ericsson

 

Die Informationskanäle der Klinik-Kardiologen

Die Marketingleiter der Pharmafirmen versuchen immer wieder die heterogene Nutzergruppe „Arzt“ aufzuspalten. Es geht nicht nur um die Vorlieben von „analog natives vs. digital natives“, sondern auch darum, das Nutzerverhalten unterschiedlicher Facharztgruppen zu vergleichen. So sollen die Lieblings-Kommunikationskanäle gefunden und eine Verhaltens-Abgrenzung von Niedergelassenen und Klinikern ermöglicht werden.

Die Wiesbadener Kommunikationsagentur m:werk hat 2016 einige Facharztgruppen zu ihrem aktuellen bzw. angenommen künftigen Informations- und Kommunikationsverhalten repräsentativ befragt und die unten stehenden Ergebnisse 2017 veröffentlicht. Zu den Facharztgruppen gehörten u.a. Allgemeinmediziner, Dermatologen, Onkologen, Orthopäden, Rheumatologen, Schmerzmediziner und eben auch rund 4.000 Kardiologen in der Klinik:

53,3 Prozent der Klinik-Kardiologen nutzen derzeit beruflich keine Apps. Insgesamt stellen die Angehörigen dieser Facharztgruppe aber fest, dass ihnen dieser Informationskanal in den vergangenen zwölf Monaten beruflich häufiger aufgefallen ist. In Zahlen: Die Wahrnehmungsfrequenz von Kardiologie-relevanten Apps ist um 20% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das Top-Ranking bei App-Usern unter den Klinik-Kardiologen belegen dabei die Pocket Guidelines App der European Society of Cardiology (ESC) mit 26,7 Prozent, gefolgt von der Arzneimitteldaten-App vom ifap – Service-Institut für Ärzte und Apotheker mit 16,7 Prozent.
Meistgenannt: Der Kardiologe. 76,7 Prozent der Befragten nannten an erster Stelle spontan und ungestützt dieses Fach-Medium als regelmäßige Kardiologie-Lektüre.
Youtube ist Social Media-Liebling der Klinik-Kardiologen. 23,3 Prozent von ihnen nutzen beruflich diesen Informationskanal. Allerdings machen 56,7 Prozent derzeit beruflich überhaupt keinen Gebrauch von Social Media-Angeboten.

Weitere Informationen unter m:werk

E-Health auf dem Ärztetag

Der Deutsche Ärztetag als „Parlament der Ärzte“ tagt einmal im Jahr. Zu den Aufgaben der rund 250 Delegierten gehört es, „die Positionen der Ärzteschaft zu aktuellen gesundheits- und sozialpolitischen Diskussionen der Gesellschaft zu artikulieren und sie der Öffentlichkeit zu vermitteln.“ Dazu gehört natürlich auch das Thema Digitalisierung.

Letzte Woche fand der Deutsche Ärztetag 2017 in Freiburg statt. Eine E-Health-Revolution hatte niemand erwartet und so durfte man eher positiv überrascht sein, dass die Delegierten das Thema intensiv diskutierten. Dabei standen drei Themen im Vordergrund:

  • Wie können Apps und Co. die Patientenversorgung verbessern?
  • Wie können „Big Data“-Ansätze das medizinische Wissen verbessern?
  • Wie werden wir der Verantwortung gegenüber der nächsten Ärztegeneration gerecht?

„Was ein Dr. Watson kann, werden wir nicht leisten und lernen können. Was wir aber können, ist Empathie“ zitiert die Ärzte Zeitung eine Abgeordnete aus Berlin. Und der Vorsitzender des Ausschusses Telematik bringt es auf den Punkt: „Wenn wir uns als Navigator in der digitalen Welt sehen, werden wir in Zukunft auch neben Dr. Apple, Dr. Google und allem, was da noch kommt, unverzichtbar in der Versorgung sein.“

Dass es für Ärzte Rechtssicherheit beim Einsatz digitaler Anwendungen geben muss, ist eine berechtigte Forderung des Ärztetages. Und auch, dass Telemedizin nicht zu zusätzlichem Zeitaufwand für Ärzte führen darf. „E-Health-Anwendungen sollten künftig angemessen und außerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung bezahlt werden,“ lautet eine Formulierung. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie realistisch das ist.

Hausärzte lesen selten englischsprachige Fachartikel

Mehr als drei Viertel der Hausärzte nutzen ärztliche Fortbildungen und knapp die Hälfte Qualitätszirkel oder das Gespräch mit Kollegen, um sich über medizinische Fragestellungen auszutauschen. Deutschsprachige Fachpublikationen werden von knapp zwei Dritteln, Versorgungsleitlinien hingegen nur von einem Drittel der Hausärzte häufig genutzt. Das hat eine aktuelle Umfrage zum Informationsverhalten unter 1.000 Hausärzten für den „WIdOmonitor“ ergeben. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der Online-Befragung von WIdO und Cochrane Deutschland Defizite bei der Rezeption von internationalen, englischsprachigen Fachartikeln: Nur jeder siebte Hausarzt (15 Prozent) gab an, auch englischsprachige Publikationen zu lesen. Als Begründung wurden meist Zeitmangel und mangelnde Sprachkenntnisse angeführt.

Ärztliche Fortbildungen stehen nach der Befragung bei den Hausärzten als Möglichkeit zur fachlichen Information deutlich an erster Stelle (77 Prozent). Auch die unmittelbare persönliche Kommunikation unter Kollegen stellt eine wichtige Quelle dar: Die Mehrheit bewertet Qualitätszirkel oder den Austausch mit ärztlichen Kollegen als Informationsquelle gut oder sehr gut (73 bzw. 57 Prozent). An dritter Stelle stehen deutschsprachige Fachpublikationen, die von fast zwei Drittel der Befragten häufig bevorzugt werden (64 Prozent). Aber auch die Nationalen Versorgungsleitlinien (NVL) oder andere Leitlinien werden von der Mehrheit der Ärzte als sehr gut oder gut bewertet (65 und 62 Prozent). Allerdings gibt es hier eine Diskrepanz zur persönlichen Nutzung: Lediglich 35 Prozent haben in den letzten sechs Monaten die Leitlinien von medizinischen Fachgesellschaften tatsächlich häufig genutzt, bei den NVL fällt der Nutzungsgrad mit 28 Prozent noch geringer aus. Deutlich weniger genutzt werden moderne Medien wie Online-Plattformen (28,2 Prozent) oder Evidenz-Datenbanken (12,1 Prozent), obwohl sie hinsichtlich der Qualität positiv bewertet werden. Bei englischsprachigen, internationalen Publikationen, in denen die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse erscheinen, zeigt sich ebenfalls eine große Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Obwohl fast die Hälfte der befragten Hausärzte englischsprachige Publikationen hinsichtlich Qualität und Zuverlässigkeit grundsätzlich positiv bewertet (49 Prozent), wurden diese im Schnitt nur von knapp 15 Prozent der Befragten tatsächlich häufig genutzt. Jüngere Hausärzte nutzen internationale Journals allerdings signifikant häufiger als ihre älteren Kollegen.

Quelle: Pressemeldung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (gekürzt)
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