Die Zukunft der medizinischen Information

Pokémon Go: So funktioniert eine Gesundheits-App

Viele Zivilisationskrankheiten lassen sich mit mehr Bewegung therapieren. Und entsprechend ist so manche Gesundheits-App darauf ausgerichtet, die Benutzer zu mehr Bewegung zu motivieren. Was häufig mehr schlecht als recht gelingt. Wie es funktionieren kann zeigt Pokémon Go.

Pokémon Go ist ein Spiel für Smartphones und wurde kürzlich gelauncht. Doch jeder unter 40 kennt die niedlichen Pokémon-Monster noch aus seiner Nintendo-Zeit in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren und hat dazu einen emotionalen Bezug. Das aktuelle Pokémon Go nutzt Augmented-Reality: Die Handlung des Spiels findet in der jeweiligen Umgebung des Benutzers statt, die von der Smartphone-Kamera erfasst wird.

Der Clou dabei:  Man muss sich in der Umgebung herumbewegen, um neue Pokémon zu finden und zu fangen. Wenn Sie also Menschen jüngeren Alters mit stierem Blick aufs Smartphone durch die Straßen gehen oder laufen sehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie gerade Pokémon Go spielen. Und dabei etwas tun, was sie bei anderen Spielen selten bis nie tun: Sie bewegen sich.

Die Betreiber von Cardiogramm, einer App für die Apple-Watch, analysierten Daten von 35.000 Benutzern und konnten nach Launch der App in den USA einen deutlichen Anstieg der Bewegungsaktivität messen (in Schritten). Sogar die Washington Post widmete dem Phänomen einen großen Beitrag. Wir meinen: Auch wenn man heute nicht weiß, wie lange der Pokémon Go-Hype sich hält – intelligente Spiele haben das Zeug, das Thema Digital Health neu zu definieren.

Beitrag der Washington Post

IoT statt Dr. med.?

Wenn vor Jahren vom Internet of Things (IoT) die Rede war, wurde immer gerne der Kühlschrank als Beispiel vorgestellt, der sich selbst befüllt. Nun ja, der zumindest selbst meckert, wenn der Füllstand nicht mehr dem Sollwert entspricht. Und gerne wurde dann angemerkt, dass kein Mensch solche Innovationen braucht.

Tatsächlich wurde das IoT schneller Realität, als man dass noch vor ein paar Jahren dachte. Computer reden mit Computern, Autos mit Autos. Und im Zentrum steht das Smartphone. Es kommuniziert mit allem, mit der Watch oder dem Fitnessband am Arm, mit dem Auto, mit der Klimanlage, dem Fernseher und den anderen Smart Devices zuhause. Und bald auch mit der Patientenakte?

Fakt ist, dass es gerade im Bereich der medizinischen Information und Kommunikation viele sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten gibt. coliquio stellt in einem aktuellen Beitrag 3 konkrete Beispiele aus der Gesundheitsbranche vor, in denen das IoT bereits genutzt wird oder in naher Zukunft zum Einsatz kommt. Und auch wenn in den nächsten Jahren die Diagnosen noch vom Arzt kommen – das IoT wird ihn immer mehr dabei unterstützen.

www.coliquio-insights.de/internet-of-things/

Bahnhof, Abfahrt, Koffer geklaut …

Sagt Ihnen der Bahnhof von Canfranc etwas? Nein? Macht nichts, das ging mir bis vor kurzem auch so. Bis Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, öffentlich Bedenken äußerte, dass sich die Telematikinfrastruktur im deutschen Gesundheitswesen „zu einer Art Canfranc Estación entwickeln könnte“.

Also uups, was ist das? Schnell mal bei Wikipedia nachgeschlagen: “Der Bahnhof von Canfranc (Estación Internacional de Canfranc) ist ein ehemaliger Grenzbahnhof zwischen Spanien und Frankreich im gleichnamigen Ort. Der Bahnhof wurde als Durchgangsbahnhof konzipiert und war zur Zeit der Inbetriebnahme … mit einer Länge von 241 m der größte Bahnhof in Spanien und der zweitgrößte in Europa.” (Kompletter Beitrag). Doch kaum war der Bahnhof fertig, begann der Spanische Bürgerkrieg, danach kam der 2. Weltkrieg – Zeiten zu denen die Route über die Pyrenäen kaum genutzt wurde. Und als mit der Europäischen Einigung auch endlich eine große Reisewelle zwischen Frankreich und Spanien einsetzte, war die Technik völlig veraltet.

Was das mit unserem Gesundheitssystem zu tun hat? Eine ganze Menge. Denn die Prozesse in der Selbstverwaltung sind so langsam, dass die Infrastruktur im Prinzip immer noch auf dem Planungsauftrag beruht, der anno 2003 mal für Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt erstellt wurde. Eine Telematikinfrastruktur mit Monopolanspruch (Stichwort gematik), auf die von Arztpraxen und Apotheken mithilfe von Konnektoren zugegriffen wird.

Das war 2003 aktueller Stand der Technik, aber dieser Zug ist längst abgefahren. 2007 brachte Apple das erste massentaugliche Smartphone auf den Markt und seitdem hat sich auch in der Medizin eine Menge geändert. Patienten wollen nicht mehr in der Arztpraxis Einblick in ihre Patientenakte – sie wollen mit dem Smartphone selbst darauf zugreifen. Ideen, was man tun könnte, gibt es zuhauf. Doch weil es bei jeder großen Veränderung – und die Digitalisierung der Medizin ist eine solche – auch immer einen gibt, dem der Koffer geklaut wird, haben alle Angst vor der eigenen Courage. Und warten lieber ab.

Und so erhöht sich mit jedem Monat die Gefahr, dass die ganze Telematikinfrastruktur irgendwann ein Industriedenkmal ist, das richtige Leben aber anderswo stattfindet. Wie beim Bahnhof von Canfranc …

Serious Gaming in der medizinischen Fortbildung?

Die Einbindung spielerischer Elemente in die medizinische Fortbildung wird sicherlich bei einigen Usern sofortige Abwehrreflexe hervorrufen. Unseriös, nicht ernsthaft genug, gehört nicht in die Medizinerausbildung. Aber: es gibt diesen Trend der „Gamification“ in vielen Bereichen – und warum sollte er in der Arztausbildung fehl am Platz sein?

Laut dem Gabler-Wirtschaftslexikon wird Gamification definiert als „die Übertragung von spieltypischen Elementen und Vorgängen in spielfremde Zusammenhänge mit dem Ziel der Verhaltensänderung und Motivationssteigerung bei Anwenderinnen und Anwendern“.

Während beim E-Learning die reine Wissensvermittlung im Vordergrund steht, geht der spielerische Ansatz weiter. Serious Games dienten bereits in den 50er/60er-Jahren zu Ausbildungszwecken, zunächst in Form von Simulationen. Heute nutzen Patientenschulungsprogramme auf dem Smartphone die spielerische Komponente, sowohl bei präventiven als auch therapiebegleitenden Maßnahmen.
Eine spannende und zukunftsweisende Thematik für das Medical Learning.

Weitere Informationen
www.checkpoint-elearning.de – Ausgabe 27/16, 04. Juli 2016, Special: Serious Games
http://www.welt.de/wissenschaft/article137663169/Was-Aerzte-im-OP-von-Computerspielen-lernen-sollen.html
Serious Games: Spiel dich gesund; Dtsch Arztebl 2013; 110(4): A-126 / B-116 / C-116, Krüger-Brand, Heike

Fit im Web

Internet-basierte Bewegungsprogramme können einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. Das belegt eine holländische Studie mit älteren Probanden.

In der aktuellen Ausgabe des Journal of Medical Internet Research ist eine Arbeit erschienen, die sich mit Bewegungstherapie beschäftigt. Über drei Monate ließen Forscher der Universität Leiden zwei Gruppen im Alter von 60 bis 70 Jahren gegeneinander antreten: Die Interventionsgruppe (119 Teilnehmer) nahm an einem internet-basierten Aktivitätsprogramm teil, die Kontrollgruppe (116 Teilnehmer) blieb wie bisher wenig aktiv.

Die Patienten in der Interventionsgruppe erhielten über eine personalisierte Website einen individuellen Aktivitätsplan. Ein persönlicher Coach unterstützt bei Bedarf per eMail. Über einen Aktivitätsmonitor am Handgelenk wurde  die Bewegungsaktivität des Nutzers gemessen, zusätzlich wurde das Aktivitätspotenzial wöchentlich im Studienzentrum unabhängig kontrolliert. Die täglichen Bewegungsziele der Interventionsgruppe wurde in wöchentlichem Abstand gesteigert.

Nach drei Monaten hatten sich der Gesundheitszustand der Patienten im Online-Bewegungsprogramm signifikant gegenüber der Kontrollgruppe verbessert – sowohl bei der körperlichen Fitness, als auch bei der mentalen Gesundheit. Zwar geben die Autoren zu bedenken, dass die Studienpopulation internetaffin war. Die Praktische Erfahrung lehrt aber, dass fehlende Internetkenntnisse bei ausreichender Motivation schnell erworben werden. In dieser Studie waren Diabetiker explizit ausgeschlossen – man darf aber von ähnlichen Effekten ausgehen.

www.jmir.org/2016/4/e74/