Die Zukunft der medizinischen Information

Abonnements wissenschaftlicher Journale passen nicht ins digitale Zeitalter

Ein sehr interessanter Beitrag des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft Prof. Martin Stratmann erschien am 21.03.2017 (zur 13. Berlin Open Access-Konferenz) in „Der Tagesspiegel“ und wird in diesem Blog in Kurzform heute vorgestellt. Bei der MPG ist man schon seit einiger Zeit der Ansicht, dass die Wissenschaftsjournale schlichtweg zu teuer sind und man sich den freien Zugang über Open Access wünsche.

• Das bestehende Geschäftsmodell zwischen Verlagen und Bibliotheken stammt noch aus einer Zeit, in der die Verbreitung der gedruckten Werke die eigentliche Herausforderung war
• Die wissenschaftliche Zusammenarbeit wird gebremst durch die Bezahlschranken der Verlage
• An die Verlage fließen für die Abonnements der Wissenschaftsjournale jährlich 200 Millionen Euro in Deutschland, weltweit 7,6 Milliarden Euro
• Weltweit werden inzwischen erst 15 Prozent aller Forschungsartikel als Open Access-Beitrag publiziert
• Aktuell wird mit Elsevier, dem größten Wissenschaftsverlag, über eine bundesweite Nationallizenz verhandelt
• Auch US-Unis schließen sich der Open Access- Initiative an
• Die EU fordert, dass jegliche Forschung, die mit EU-Mitteln gefördert wird, hundert Prozent Open Access bis zum Jahr 2020 veröffentlicht wird

Bürgerinteresse trifft gematik-Tempo

Die Bundesbürger stehen der digitalen Kommunikation mit Ärzten sehr offen gegenüber. So würden 45 Prozent gerne Terminerinnerungen via SMS oder E-Mail erhalten und rund zwei von drei Befragten befürworten die Elektronische Patientenakte. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Branchenverbandes Bitkom unter über 1000 Bürgern, die unlängst vorgestellt wurde.

Weit verbreitet sind demnach auch Gesundheits-Apps: Von den Smartphone-Nutzern innerhalb der Umfrage haben 45 Prozent solche Apps bereits im Einsatz, weitere 45 Prozent könnten sich die Nutzung gut vorstellen. Und mehr als jeder vierte Bundesbürger würde gerne die Videosprechstunde nutzen, die seit Anfang des Monats auch abgerechnet werden kann.

Das ruft nach verstärktem Ausbau der Infrastruktur – aber bei der gematik mahlen die Mühlen nicht so schnell. Rund drei Monate vor dem geplanten Start der bundesweiten „Telematikinfrastruktur“ sind zuerst die Verhandlungen zwischen KBV und Kassen zur Finanzierung geplatzt und letzte Woche wurde der Testlauf in der Region Südost (Bayern und Sachsen) geschreddert. Ob der Starttermin Juli 2017 damit noch haltbar ist, steht in den Sternen. Sicher dürfte dagegen sein, dass sich nächste Woche bei der conHIT in Berlin (25.-27. April 2017, www.conhit.de) wieder alle auf die Schulter klopfen …

Mikrolernen in der Medizin

Ein neuer Begriff macht seit 2003 in den Themenfeldern Wissenserwerb und E-Learning die Runde: Mikrolernen. Was ist daran neu? Die Lerneinheiten werden klein gehalten, das (kleine) Lernen soll in kurzer Zeit und in kleinen Schritten erfolgen. Zeit ist jedoch nicht der einzige Mikro-Aspekt, auch Inhalte (Micro-Content), Feedback, Form etc. präsentieren sich im Mikro-Maßstab.

Ganz klar ist der Begriff noch nicht abgegrenzt, oder um Wikipedia zu zitieren: Mikrolernen ist ein recht junger Begriff, dessen Bedeutung und Aspekte noch Gegenstand der Forschung sind.

Trotzdem gibt es bereits erfolgreiche Wegbereiter, die sich auch kommerziell mit dem Mikrolernen beschäftigen. Die österreichische KnowledgeFox GmbH bietet im medizinischen Umfeld kostenpflichtige Mikrolern-Kurse an, z.B. mit dem Titel „Hygiene für Pflege- und Sozialberufe“.

Eine Konferenz zum Thema „MicroLearning in Medicine and Health“ fand 2016 an der Med Uni Graz statt die einzelnen Themen sind unter www.microlearning.org aufgeführt.
Medical Education meets Microlearning – wie der Beitrag „Mobile learning strategies for effective integration of micro-learning in medical education” von G. Cholewa erkennen läßt.

Weiterführende Literatur
Simons et al., Health Technol (Berl). 2015; 5(1): 35–43.

5 Sterne für den Doc

Im Mitmach-Internet kann sich jeder zu allem äußern – auch wenn vieles schlicht und einfach in der Menge untergeht. Bewertungsportale, die Meinungen von vielen Anwendern zu einem Thema bündeln, stehen daher hoch im Kurs: Auf einen Blick ist ersichtlich, wie viele Anwender was an einem Produkt gut fanden oder auch nicht. Klassische Beispiele sind die Produktbewertung in Online-Shops wie Amazon oder die Benutzerbewertungen in den Reise- und Hotelportalen.

Seit ein paar Jahren sind auch diverse Arztbewertungsportale unterwegs – und sie zeigen Wirkung, wie eine repräsentative Umfrage der Bertelsmann Stiftung jetzt zeigt. Jeder zweite Deutsche kennt demnach ein solches Portal und jeder vierte nutzt es aktiv für die Arztsuche. Von den aktiven Nutzern haben 6 von 10 sich aufgrund der Bewertungen schon einmal für eine bestimmte Praxis entschieden und 4 von 10 gegen eine Praxis. Erwartungsgemäß ist der Einfluss bei jüngeren Patienten höher als bei älteren: 70 Prozent der Nutzer unter 40 gaben an, dass die Online-Bewertung ausschlaggebend bei der Entscheidung für einen Arzt gewesen sei.

Zu den wichtigsten Entscheidungspunkten zählen Wartezeiten – sowohl auf bei der Terminvereinbarung als auch im Wartezimmer – sowie die Erreichbarkeit der Praxis. Die meisten Patienten geben ihren Ärzten aber durchaus gute bis sehr gute Noten. Und wenn es mal Kritik im Detail gibt, ist die in der Regel auch berechtigt. Arztpraxen tun daher gut daran, Hinweise auf Probleme ernst zu nehmen –  so kann man als Praxis aus Arztbewertungsportalen sogar einen direkten Nutzen ziehen.

Download der Studie

Geo-Analyse von Krankenhausdaten

Die Daten des aktuellen Qualitätsberichts der deutschen Krankenhäuser für den Zeitraum 2015 wurden jetzt vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) herausgegeben. Die 87 Millionen Behandlungsfälle dokumentieren Diagnosen und Behandlungsprozeduren (ICD und OPS), die in mehr als 2200 deutschen Krankenhäusern vorgenommen wurden. In entsprechenden Software-Anwendungen stehen diese Daten ab sofort zur Verfügung und bieten damit nicht nur Basiswissen für strategische Überlegungen der Gesundheitswirtschaft, sondern auch für Gesundheitsredaktionen, die über die lokal-regionale Versorgungsqualität von Krankenhäusern informieren.

Eine Karte sagt mehr als 1000 Worte. Die alte Weisheit der Geo-Informatiker findet somit auch im Gesundheitswesen seine Anwendung und beantwortet z. B. die Fragen: „Was wurde denn in Deutschland in welchem Krankenhaus im Jahr 2015 eigentlich behandelt?“ oder „Wo wurde ein Bandscheibenvorfall wie oft operativ behandelt?“ oder „In welchem Krankenhaus finden die meisten Entbindungen statt?“

Eine webbasierte Analysesoftware (wie beispielsweise der QB-Analyzer) zur strukturierten Datenermittlung von Diagnosen und Behandlungsprozeduren kann zur gezielten Außendienst-Steuerung und Absatzplanung eingesetzt werden. Potenziale lassen sich dank einer regionalen Geoanalyse schnell erkennen. Dieses Verfahren findet insbesondere in der Medizintechnik regen Zuspruch. Und der Vergleich der Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser einer Region wird recht einfach …

Das Bild unten zeigt beispielhaft die bundesweite Verteilung des OPS 5-14.2015 Operationen an der Linse (Quelle: QB-Analyzer)