Die Zukunft der medizinischen Information

Digital Health auf der CeBIT

Auch bei der IT-Leitmesse CeBIT, die noch bis Freitag in Hannover stattfindet, ist Digital Health in diesem Jahr ein großes Thema. Neben vielen Ausstellern zeugt davon auch eine Konferenz namens „CeBIT Digital Summit: d!conomy Healthcare“ zur Digitalisierung im Gesundheitswesen, die im großen Rahmen am Mittwoch (22. März 2017) stattfindet (zum Programm).
Viele Neuigkeiten zur weiteren Entwicklung der Telematikinfrastruktur wird man dort allerdings kaum hören – bestenfalls von politischer Seite, denn mit den Herren Lauterbach und Ehlers ist tatsächlich gesundheitspolitischer Sachverstand auf dem Podium. Die gematik und mit ihr die sie tragenden Körperschaften (Kassen, Selbstverwaltung) sind dagegen in Deckung gegangen. Warum das so ist? Darüber kann man nur spekulieren …
Startups, IT-Konzerne, der Bundesverband Internetmedizin, ja sogar die Pharmaindustrie und die Apo-Bank stellen nicht nur eigene Projekte vor, sondern diskutieren auch über den „Paradigmenwechsel durch Digital Health“. Der könnte, wenn es so weiter geht, irgendwann auch ohne die üblichen Verdächtigen in der Selbstverwaltung Formen annehmen. Denn wie sagte schon Herr Gorbatschow so treffend: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Online-Apotheken im Trend

61 Prozent der Verbraucher in Deutschland bestellen Arzneimittel online. Das Vertrauen der deutschen Verbraucher in Online-Apotheken ist groß. Rund 61 Prozent haben in den letzten sechs Monaten Arzneimittel im Internet bestellt. Jeder fünfte Online-Käufer bestellt auch rezeptpflichtige Medikamente bei zugelassenen Online-Apotheken. Dies ergab die aktuelle bevölkerungsrepräsentative Verbraucherbefragung der Creditreform Boniversum GmbH zur Nutzung von Online-Apotheken und zum Kauf von frei verkäuflichen und rezeptpflichtigen Arzneimitteln.

Rund 35 Millionen Verbraucher in Deutschland haben in den letzten Monaten Arzneimit-tel per Klick im Internet bestellt und damit offenbar sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Kundenzufriedenheit ist sehr hoch. 99 Prozent der Käufer frei verkäuflicher Arzneimittel und 97 Prozent der 9,4 Millionen Verbraucher, die auch rezeptpflichtige Arzneimittel online erworben haben, beurteilen ihr Kauferlebnis positiv.

Frauen (62 Prozent) sind unter den Online-Apotheken-Kunden nur leicht stärker vertreten als Männer (59 Prozent). Hingegen nutzen eher junge Verbraucher (30 bis 39 Jahre: 70 Prozent), Verbraucher mit höherem Einkommen („Gutverdiener“ mit mehr als 2.500 Euro Haushaltsnettoeinkommen: 69 Prozent) und Verbraucher aus Haushalten, in denen Kinder leben (66 Prozent), die Möglichkeit überdurchschnittlich, Arzneimittel im Internet einkaufen zu können. Zudem gilt: Frauen kaufen überdurchschnittlich stark frei verkäufliche Arzneimittel in Online-Apotheken, Männer geben stärker als Frauen an, rezeptpflichtige Arzneimitteln in Online-Apotheken einzukaufen.

Neben der Nutzung des Produktangebots von Online-Apotheken wurden die Umfrage-Teilnehmer auch zu Ihrer Haltung bezüglich eines möglichen Verbots des Verkaufs rezeptpflichtiger Arzneimittel durch zugelassene Apotheken im Online-Handel befragt. Hier zeigt sich kein eindeutiges Ergebnis, jedoch überwiegt die Gruppe derjenigen Umfrageteilnehmer, die einem möglichen Verbot eher negativ gegenüberstehen. 52 Prozent der Befragten möchten weiterhin die Möglichkeit haben, auch rezeptpflichtige Arzneimittel bei zugelassenen Online-Apotheken erwerben zu können. Sie bewerten ein Verbot als „schlecht“, „eher schlecht“ oder sogar „sehr schlecht“. Besonders Männer (54 Prozent), eher ältere Personengruppen (über 40 Jahre: 56 Prozent), Rentner (62 Prozent) und Verbraucher mit gehobenem Bildungsniveau (56 Prozent) sprechen sich überdurchschnittlich häufig gegen ein mögliches Verbot aus. 48 Prozent der Verbraucher dagegen betrachten ein Verbot eher positiv.

„Der Einkauf in Online-Apotheken ist für die meisten Verbraucher in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Unsere aktuelle Analyse zeigt, dass Anfang 2017 fast 35 Millionen Verbraucher noch vor kurzem in einer zugelassenen Online-Apotheke eingekauft haben. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken waren es 2016 noch 31 Millionen Kunden“, so Marc Leske, Leiter des E-Commerce-Teams bei Boniversum. „Und eine Mehrheit der Verbraucher möchte auch in Zukunft rezeptpflichtige Arzneimittel in zugelassenen Apotheken im Online-Handel einkaufen können. Hierbei zeigt sich: Wer bereits rezeptpflichtige Arzneimittel online eingekauft hat, ist stärker gegen ein Verbot als derjenige, der noch keine Erfahrungen mit dem Online-Kauf rezeptpflichtiger Arzneimittel hat.“

Für die repräsentative Erhebung der Creditreform Boniversum GmbH wurden über 1.000 Verbraucher im Alter zwischen 18 und 69 Jahren zu dem Themenfeld der Nutzung von Online-Apotheken zum Kauf von frei verkäuflichen und rezeptpflichtigen Arzneimitteln befragt. Die Verbraucher bewerten zudem die Zufriedenheit mit dem Einkauf sowie ein mögliches Verbot der Bestellung rezeptpflichtiger Arzneimittel durch zugelassene Apotheken im Online-Handel.

Quelle: Boniversum, Pressemitteilung

Heißt die Zukunft der medizinischen Information Alexa?

Alexa ist eine unter vielen Sprachassistent(inn)en, die uns derzeit ihre Hilfe anbieten – wie Siri (Apple) oder Cortana (Microsoft). Alexa ist als Cloud-Dienst aber auch Bestandteil von Amazon Echo – einer Familie von kleinen sprachgesteuerten Geräten wie Echo Dot, die mithilfe von Alexa andere Geräte steuern, Informationen bereitstellen oder Nachrichten vorlesen. Auf Fragen nach Informationen gibt Alexa dem Anwender unmittelbar Antworten.

Eine ganz Reihe medizinisch sinnvoller Anwendungen existieren bereits in den USA, wo der Service schon letztes Jahr startete. Bei kardiovaskulären Notfällen hängt das Überleben von der Dauer des Herzstillstands ab. In einer von der American Heart Association entwickelten Anwendung kann Alexa deshalb lebensrettende Anweisungen über die kardiopulmonale Reanimation vorlesen. Alexa begleitet auch ältere Menschen durch ihren (Medikamenten)-Tag und beantwortet Fragen über Kinderkrankheiten. Schon in naher Zukunft soll sie Ärzten helfen, Notizen zu machen oder Scans anzufordern – so bleiben die Hände frei.

Letzten Monat startete Amazon den kostenlosen Alexa Voice Service (AVS) in Deutschland. Schon mittelfristig könnte das erheblichen Einfluss auf die Art haben, wie medizinische Informationen vermittelt werden. Denn der Aufwand, die mächtigen Spracherkennungsfunktionen von Alexa in eigene Dienste oder internetfähige Endgeräte zu integrieren, wird dadurch minimal: Es bedürfe lediglich ein paar Codezeilen, aber keinerlei Erfahrung mit Systemen zum natürlichen Sprachverständnis oder mit Spracherkennung, betont das IT-Portal heise online.

Das große Potenzial der Sprachkommunikation zwischen Mensch und Maschine dürfte ein weiterer Beschleuniger für die digitale Transformation im Gesundheitswesen sein. Selbst der ansonsten doch eher konservative Economist sieht den Umbruch als unumgänglich. Die aktuelle Ausgabe vom 2. März 2017 widmet dem Thema unter dem Titel „The wunder drug“ einen lesenswerten Beitrag.

Zum Economist-Beitrag

 

In eigener Sache

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Ärztliche Online-Fortbildung: Text vor Video

Jährlich fragt die Darmstädter Digitalagentur health&media die registrierten User der Online-Fortbildungsplattform arztCME nach ihrer Meinung zu bestimmten Aspekten der medizinischen Fortbildung. An der jüngsten Umfrage vom Januar/Februar 2017 haben diesmal knapp 400 User teilgenommen, die Ergebnisse stellen wir hier kurz vor.

Der kollegiale Meinungsaustausch über Lerninhalte oder Erfahrungen im Praxis- oder Klinikalltag via Online-Plattformen wird jeweils von einer Hälfte der Befragten befürwortet. Hier sieht man einen Trend hin zu einer zunehmenden Bereitschaft, sich auch „social“ zu artikulieren. Vermutlich stark abhängig vom Alter der Befragten und davon, ob man auch privat schon über Facebook etc. kommuniziert.

Daneben hatten wir gefragt: Welche Fortbildungsformate bevorzugen Sie? (Mehrfachnennung möglich). Und so wurde geantwortet:

Dies bedeutet, dass Ärztinnen und Ärzte auch im Jahr 2017 noch eine text-basierte Form der Wissensvermittlung bevorzugen. Quasi im Zeitschriftenformat, jedoch ohne Altpapierberge. Diese Darstellung erlaubt ein sehr schnelles Erfassen der Inhalte, der User ist diese Form der Wissensübermittlung gewohnt, technische Hürden existieren nicht. Andere Formate werden zwar nicht grundsätzlich abgelehnt, werden aber vermutlich nur dann genutzt, wenn keine Alternativen vorliegen.

Videosprechstunde: Die nächste Lachnummer

Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist es ähnlich wie bei den Twitter-Beiträgen des US-Präsidenten: Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man herzlich lachen. Neuestes Beispiel ist die Videosprechstunde, die zum 1. Juli 2017 in den EBM aufgenommen werden soll.

Glaubt man dem Beschlussentwurf, aus dem die Ärzte Zeitung zitiert, dann soll für die Videosprechstunde ein Punktzahlvolumen je Arztpraxis von 2393 Punkten im Quartal möglich sein. Bei 137 Punkten, so der Entwurf, könnte die Videosprechstunde exakt 17,5 Mal erbracht werden – im Quartal wohlgemerkt. Der Bundesverband Internetmedizin hat berechnet, dass so jährlich in Deutschland etwas mehr als 5 Millionen vergütete Videosprechstunden durchgeführt werden könnten.

Angesichts von jährlich ca. 600 Millionen Arztkontakten dürfte ein Patient jeden hundertsten Arztkontakt online durchführen und hätte bei durchschnittlich 9 Arztkontakten je Jahr statistisch gesehen ca. alle 11 Jahre die Möglichkeit einer Online-Videosprechstunde. Dabei hat eine repräsentative Umfrage der Bertelsmann-Stiftung gezeigt, dass jeder zweite Patient die Online-Videosprechstunde nutzen würde.

Weiter an der Realität vorbei zu planen, als die deutsche Selbstverwaltung das aktuell tut, scheint da kaum möglich. Selbst die Ärzte Zeitung kommentiert bissig: „Ärzte und Kassen arbeiten derzeit die Vorgaben des E-Health-Gesetzes zur Übernahme telemedizinischer Leistungen ab. Sehr viel Enthusiasmus für die Möglichkeiten der Technik ist dabei nicht festzustellen.“

Repräsentative Umfrage der Bertelsmann-Stiftung

Addendum (27. Februar 2017): Im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen hat der Bewertungsausschuss von KBV und Kassen die Systematik der Abrechnung am 21. Februar 2017 nochmals stark geändert. Details im Beitrag der Ärzte Zeitung.