Die Zukunft der medizinischen Information

Social Media und Arztpraxis

Die allgemeine Bedeutung der Social-Media-Kanäle steigt weiter an. Soziale Medienangebote bestimmen schon heute das Informationsverhalten einer ganzen Generation. Sogar Internetagenturen schicken ihre älteren Mitarbeiter auf entsprechende Seminare, damit diese weiterhin im Wettbewerb bestehen können.

Welche Rolle spielt denn die Nutzung der Social-Media-Möglichkeiten im Praxismarketing?

Zuerst gilt es die Zielsetzung (warum denn überhaupt soziale Medien?) festzulegen und eine Strategie zu entwickeln. Möchte die Praxis neue Mitarbeiter finden – oder neue Patienten?
Auch ist es ratsam den privaten und beruflichen Kanal scharf abzugrenzen. Ein Punkt wird ebenfalls häufig unterschätzt: gerade die Kommunikation über Facebook, Twitter und Co. lebt von ständiger Aktualisierung. Einen Facebook-Auftritt der Praxis, der lediglich jährlich aktualisiert wird, kann man sich getrost gleich sparen.

Nicht zu vergessen: es lauern einige juristische Fallstricke. Dabei geht es nicht nur um die ärztliche Schweigepflicht, sondern auch um Verstöße gegen Nutzungsrechte und Werbeverbote. Verwendet man z.B. allzu leichtfertig „geliehene“ Abbildungen um die Posts interessanter zu gestalten, kann das teuer werden.

Ein ausführlicher Beitrag zum Thema findet sich im Magazin der privatärztlichen Verrechnungsstellen „zifferdrei“ in der Ausgabe 9/2017.

Wie lange braucht es für eine IT-Infrastruktur?

Glaubt man den Verantwortlichen bei gematik & Co., dann ist der Aufbau einer IT-Infrastruktur für eine elektronische Patientenakte eine Aufgabe für Jahrzehnte – wenn nicht für Generationen. Dass es auch schneller geht, hat jetzt die Landesregierung von Südtirol  gezeigt.

2015 wurde dort eine umfangreiche Reform des Gesundheitswesens in die Wege geleitet mit der Vision, die Versorgung trotz des demografischen Wandels und des ansteigenden Facharztmangels zu verbessern. Innerhalb von fünf Jahren soll mit dem Masterplan „Gesundheitsversorgung Südtirol 2020“ eine Integrierte Versorgung eingeführt werden, die häusliche, ambulante und stationäre Betreuung eng miteinander verzahnt. Ziel ist es, Alternativen zur Krankenhausaufnahme zu schaffen.

Nach nur zwei Jahren sind wichtige Eckpfeiler der IT-Infrastruktur bereits umgesetzt: Neben Terminvergabe und Abrechnung – das immerhin funktioniert auch bei uns schon weitgehend – haben die Südtiroler jetzt eine elektronische Patientenakte. Darauf können nicht nur die behandelnden Ärzte zugreifen, auch diagnostische Befunde werden direkt vom Labor oder Radiologen dort abgelegt.

Patientenakte – da war doch was. Stimmt, bei uns wurde der für 2018 anvisierte Termin gerade wieder zu den Akten gelegt. Nicht einzuhalten. Vielleicht sollte man in Berlin (und anderswo) mal einen Blick in den Südtiroler Landesgesundheitsplan 2016-2020 werfen.

Künstliche Intelligenz – vom Brett zum Bett

Im Dezember 2016 hatten wir schon einmal über Künstliche Intelligenz (KI) berichtet (Link), die auf neuronalen Netzen basiert – und die möglichen Folgen für die Medizin. Aufhänger damals war die Tatsache, dass Googles KI-Maschine AlphaGo den amtierenden Weltmeister Lee Sedol kurzerhand vom Brett gefegt hatte.

Am 19. Oktober 2017 erschien jetzt in Nature ein Beitrag über AlphaGo Zero, den jüngsten Spross der Familie. Er läuft auf deutlich einfacherer Hardware und bekam keine Tipps für gute Strategien – nur die Spielregeln. AlphaGo Zero spielte in wenigen Tagen fast 5 Millionen Partien gegen sich selbst und lernte aus seinen Fehlern. Dann trat AlphaGo Zero für 100 Partien gegen das System an, das Lee Sedol 2016 geschlagen hatte und gewann 100:0. Der Rechner ohne menschliches Zutun schlägt den Rechner mit menschlichem Zutun.

Auf neuronalen Netzen basierende Systeme lassen sich immer dann einsetzen, wenn sich ein Problem ausreichend exakt beschreiben lässt. Womöglich können und werden wir dann nicht verstehen, was die Maschine sich erdacht hat. Aber was soll’s, Hauptsache die Sache funktioniert. Und nach den Brettspielen könnten Diagnosealgorithmen einer der nächsten Schritte sein – und KI ans Krankenbett bringen.

KI ist auch die Grundlage des Diagnosesystems Ada. Die App fragt den Nutzer nach seinen Symptomen und erstellt auf Basis der Angaben einen Diagnosehinweis , mit dem „Patienten sich dazu entscheiden, persönlichen Kontakt zu ihrem behandelnden Arzt aufzunehmen, um anschließend die richtige Therapie zu erhalten.“ So der Hersteller Ada Health. Ada ist seit rund einem Jahr in einer englischsprachigen Version auf dem Markt und seit Anfang Oktober 2017 jetzt auch auf Deutsch für Android und iOS.

Der Hersteller sieht das Angebot nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zum Gesundheitssystem – um „das weltweite Problem des schlechten und zu mühsamen Zugangs zu Ärzten zu verbessern.“  Die Medizinische Hochschule Hannover will gemeinsam mit dem Hersteller das Potenzial in Hinblick auf frühzeitige Diagnosen von seltenen Erkrankungen evaluieren.

Informationskanäle klinischer Dermatologen

In Deutschland arbeiten derzeit 2.125 Dermatologen in Kliniken. Für Kliniker typisch ist die deutliche digitale und Internet-Affinität, wie die neueste, repräsentative Befragung der Wiesbadener Agentur m:werk zum Informations- und Kommunikations-Verhalten dieser Facharztgruppe zeigt.

Feste Bestandteile des klinischen Informationsalltags: Websites, Apps, Online-Fortbildungen
So stimmen 86,6 % der klinisch tätigen Dermatologen der Aussage zu „Ich nutze gerne das Internet zur Informationsbeschaffung und zum Informationsaustausch“. 50 % davon regelmäßig, 36,6 % sporadisch. Besonders zwei Websites führen das Ranking an (ungestützte Nennung): Zum einen die PubMed Website der US National Library of Medicine (36,7 %) sowie Altmeyers Enzyklopädie der Dermatologie (36,7 %).
Auch der berufliche App-Gebrauch ist mit 73,3 % bei klinisch tätigen Dermatologen stark ausgeprägt (33 % davon regelmäßig). Ungestützt genannte Spitzenreiter sind die Arzneimittel-App vom ifap-Service-Institut für Ärzte und Apotheker (53,3 %) und die iPhone-App MelaStage der ADO-Arbeitsgemeinschaft dermatologische Onkologie (16,7 %).
38 % nutzen moderierte Online-Fortbildungen (11 % regelmäßig, 27 % sporadisch) und 48 % nutzen nicht moderierte Online-Fortbildungen (28 % regelmäßig, 20 % sporadisch). In puncto Fortbildung ist und bleibt aber die regionale Fortbildung das Angebot der Wahl. 97 % der befragten klinischen Dermatologen nutzen sie; 64 % regelmäßig, 33 % sporadisch.

Das Derma-Top-Ranking der Informationskanäle
Auf die Frage, an welchem Kontakt- und Informationskanal (Auswahl unter 20) die klinischen Dermatologen künftig sehr großes Interesse hätten, taucht die regionale Fortbildung erneut auf und landet auf Platz 3, die gedruckte Fachzeitschrift erreicht Platz 2 (zum Vergleich: Fachzeitschrift online, Platz 5). Kontakt- und Informations-Champion auf Platz 1 ist auch künftig der Kongressbesuch.

Quelle: www.m-werk.de

Patientenakte und Jamaika

Die elektronische Patientenakte hat schon viele Gesundheitsminister kommen und gehen sehen. Uns Ulla brachte sie ins Gesetzbuch, Philipp Rösler und Daniel Bahr straften sie mit Wegschauen und der noch amtierende BGM Hermann Gröhe packte dann die Daumenschrauben für die Selbstverwaltung dazu. Auch wenn die noch nie zum Einsatz kamen …

In der nächsten Legislaturperiode soll sie jetzt endlich Gestalt annehmen. Bis Ende 2021 soll jeder gesetzlich Versicherte über eine einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakte (ePA) verfügen. Dieses Datum nannte der Leiter der Grundsatzabteilung des Ministeriums, Oliver Schenk, jüngst bei einer Veranstaltung der KBV.

Angesichts der letzten Bundestagswahl klingt das überoptimistisch. Zwar sind die drei potenziellen Jamaika-Koalitionäre prinzipiell alle für einen schnellen Ausbau, aber damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Die Union will direkt im Kanzleramt den Posten eines Staatsministers für Digitales schaffen. Die FDP ruft nach einem eigenen Digital-Ministerium und die Grünen warnen vor monopolartigen Strukturen und fordern gleich auch deren Entflechtung.

Nach einer schnellen Einigung klingt das nicht und ob und wie das Gesundheitsministerium dann noch involviert sein wird, steht in den Sternnen. Passend dazu hat der Bund der Steuerzahler in seinem aktuellen Schwarzbuch gerade die Kosten von rund 2,2 Milliarden Euro moniert, für die es praktisch noch keine Gegenleistung gibt.

Einziger Hoffungsschimmer: So manchem in der Selbstverwaltung ist aufgefallen, dass die Vernetzung auch Vorteile bringen kann. Und dass man tatsächlich – trotz zehn Jahren auf der Bremse – noch die Chance hat, aktiv mitzugestalten, statt nur zu reagieren. Vielleicht bringt das ja frischen Wind für die Akte. Denn dass sie sonst unter jamaikanischer Flagge vom Stapel läuft, glauben wir nicht wirklich …