Die Zukunft der medizinischen Information

Zahnärzte lieben kein Digitales?

Das Branchenmagazin Healthcare Marketing berichtete kürzlich von der Umfrage LA-Dent 2016. Das Magazin Dental Marketing titelte sogleich „Zahnärzte lieben Print“. Im Umfeld der Studie sind dann auch Zitate zu vernehmen, dass das digitale Segment überschätzt werde etc. Aber – wie immer – kommt es auf den Blickwinkel des Betrachters an. In der Momentaufnahme mag es zwar noch stimmen, dass die gedruckte Information aus Fachzeitschriften die Nase vorn hat. Diese Erkenntnis wird aber auch von allen, die immer noch an gedruckten Anzeigen viel Geld verdienen (Agenturen und Verlage), immer wieder gern verbreitet.
Wem die Online-Affinität der Zielgruppe jedoch im Wettbewerbsumfeld seines Objektes gefällt, der schreibt dann: „In Print und Online sind die zm (=Zahnärztliche Mitteilungen) der beliebteste Informationskanal unter Deutschlands niedergelassenen Zahnärzten.“ (Deutscher Ärzteverlag)
Wo liegt denn nun die Wahrheit? Auch die (zahn)ärztliche Informationsbeschaffung unterliegt einem Wandel. Informationen sind immer häufiger auch digital verfügbar, in die perfekte Darstellung auf allen Endgeräten wie PC, Tablet, Smartphone wird letztlich seitens der Anbieter auch viel investiert. Und der Trend geht eindeutig in Richtung Online-Angebot.
Schaut man sich die Ergebnisse der Nutzungsanalyse im 10-Jahres-Zeitverlauf an, dann wird deutlich, dass die Bedeutung der Zeitschriften, Bücher, Fachtagungen, Aussendienstbesuche usw. stetig abnimmt – einzig die Informationsquelle Internet gewinnt kontinuierlich und sehr deutlich an Boden. Zahnärzte lieben (noch) Print – aber immer weniger.

Digitale Prothesen und der Datenschutz

Im eBook „Die Zukunft der medizinischen Information“ haben wir viele Aspekte der Digitalisierung in der Medizin adressiert. Zunehmend in den Fokus rückt jetzt noch ein zusätzliches Thema: Der Datenschutz bei implantierbarer Medizintechnik.

84 Prozent der Bundesbürger halten die Forschung zu digitalen Medizinprodukten für wichtig oder sehr wichtig. 90 Prozent könnten sich sogar vorstellen, sich bei einer schwerwiegenden Erkrankung ein digitales Implantat einsetzen zu lassen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt hat (Download).

Weitere Zahlen: 78 Prozent befürworten den Einsatz digitaler Hilfsmittel bei der Behandlung weitverbreiteter Krankheiten wie Diabetes oder Asthma. Und 87 Prozent halten digitale Helfer für sinnvoll, um im Alter länger mobil und zu Hause wohnen bleiben zu können. Klar wird aber auch, dass digitale Medizintechnik durchaus Risiken birgt. 66 Prozent der Befragten befürchten, der Einsatz digitaler Medizintechnik gefährde die Privatsphäre.

Open Access statt Abonnements

Open Access steht seit einigen Jahren für den weltweiten freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen. Forschungsergebnisse werden via Internet für jeden verfügbar – keine Bezahlschranke steht zwischen der Information und dem Informationssuchenden. Die gesamte Publikationskette ist heute ja bereits digitalisiert, von der Manuskripteinreichung über das Review-Verfahren bis zur Produktion. Doch bei der Verteilung (und Verbreitung!) der fertigen Publikation kommt es zu einer künstlichen Verknappung.
In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Max-Planck-Gesellschaft MaxPlanckForschung 3.2016 geht Dr. Ralf Schimmer, Bereichsleiter Information und stellvertretender Leiter der Max Planck Digital Library, auf dieses Thema ein.
Die wissenschaftlichen Verlage setzen pro Jahr etwa 7,6 Milliarden Euro mit Zeitschriftenabonnements um – die Umsatzrendite liegt zwischen 30 und 40 Prozent. Ein phantastisches Geschäftsmodell, das mit allen Mitteln verteidigt wird. Open Access stellt hier eine Alternative dar. Nicht der Leser bezahlt dafür, dass er den Beitrag lesen darf, sondern der wissenschaftliche Autor übernimmt eine Publikationsgebühr. Dafür ist die Veröffentlichung dann für alle Interessierten weltweit frei zugänglich. Genau das erwartet man doch von einer Wissensgesellschaft, oder?
Schimmer gibt in seinem Beitrag auch den Verlagen Ratschläge, wie sie zukunftsfähig agieren sollten und mahnt zu aktivem Handeln. Sollten sich die Verlage nicht bewegen „dann wird es nicht mehr lange dauern, bis die nachwachsende Generation beim bestehenden System einfach den Stecker ziehen wird.“

Gesundheitswesen in Deutschland niedrig digitalisiert

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat neulich den Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2016 herausgegeben. Wie Staatssekretär Machnig gleich zu Beginn in seinem Grußwort schreibt: „Die digitale Transformation ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland von herausragender Bedeutung.“

Der Report vergleicht den aktuellen Digitalisierungsgrad verschiedener Branchen. Da stellt sich doch für unseren Blog sogleich die Frage: wie steht es denn im Gesundheitswesen mit der Digitalisierung? Antwort: schlecht.

„Niedrig“ digitalisiert (unter 40 Punkte) sind und bleiben zwei Branchen der gewerblichen Wirtschaft. Obwohl sich der Indexwert im Gesundheitswesen von 35 Punkten im Jahr 2016 auf 38 Punkte 2021 verbessert, wird der zehnte Platz gehalten. Das sonstige verarbeitende Gewerbe stagniert als Schlusslicht mit 35 Punkten auf Rang elf.

Besonders viele Unternehmen im Gesundheitswesen (48%) waren lt. Report der Meinung, dass „Digitalisierung nicht nötig“ sei. Lediglich 40 Prozent der Unternehmen des Gesundheitswesens meinen, dass Weiterbildung zu Digitalthemen wichtig sei. Von allen Branchen ist die Unzufriedenheit mit dem Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen am höchsten. Die größten Hemmnisse scheinen ein zu hoher Zeitaufwand, Probleme mit Datenschutz/ -sicherheit und fehlendes qualifiziertes Fachpersonal zu sein.

Übrigens: Spitzenreiter in diesem Wettbewerb war – wenig verwunderlich – die IKT-Industrie.

Weitere Informationen und Download des Reports hier.

Roland Berger zu Pharma 2020

Dass der Gesundheitsbranche ein radikaler Wandel bevorsteht, gilt ja fast schon als „running gag“. Auch die Marktforscher von Roland Berger haben sich des Themas jetzt angenommen. Sie gehen davon aus, dass das weltweite Marktvolumen digitaler Anbieter allein in der Pharmaindustrie bis 2020 bei mehr als 200 Milliarden Euro Umsatz liegen wird und meinen: „In den kommenden Jahren wird die Digitalisierung alle Sektoren und Spieler der Branche stark verändern. Von der Prävention über die Diagnose bis zur Therapie – die gesamte Patientenreise wird durch digitale Werkzeuge und Interaktionen verändert, mit entsprechenden Folgen für Geschäftsmodelle und Marktanteile.“

Ihre Annahme: Auch wenn es noch etliche Hürden zu nehmen gilt, wird die Digitalisierung über kurz oder lang eine Neuordnung der Rollen der Marktspieler und ihrer Geschäftsmodelle bewirken. Insbesondere klassische, etablierte Pharma-Geschäftsmodelle werden von dieser Disruption betroffen sein. Strategische Kooperationen werden demnach immer wichtiger für den Erfolg im digital veränderten Geschäftsfeld Gesundheit – nicht nur unter etablierten Marktteilnehmern, sondern auch zwischen diesen und innovativen erfolgversprechenden Startups.

Ihre Prognosen haben die Berger-Leute jetzt in einer Studie zusammengefasst und die wichtigsten Punkte als White Paper zum kostenlosen Download ins Netz gestellt.