Die Zukunft der medizinischen Information

Der Pharma-Slogan des Jahres ….

Müsste man für die Pharma-Branche den Slogan des Jahres küren, hätte „Beyond the Pill“ sicher gute Chancen. Denn allen Akteuren ist klar, dass Pille und Dosierungsanleitung alleine langfristig nicht reichen. Patienten wollen Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen und die Digitalisierung eröffnet dazu zahlreiche Möglichkeiten. Mithilfe des Internets bereiten sich Patienten auf den Arztbesuch vor, um gezielt Fragen zu stellen. Und nach dem Arztbesuch wird die Therapie hinterfragt und Meinungen von anderen Patienten eingeholt. Das haben auch die Pharmafirmen erkannt.

Die digitale Medizin unterscheidet nicht in stationären und ambulanten Sektor. Folglich gibt es solche Lösungen auch nicht im Krankenhaus, der Arztpraxis oder Apotheke, sondern im Internet. Und der Patient ist Treiber und Steuerer und befindet sich damit tatsächlich im Mittelpunkt seiner individuellen Gesundheitsversorgung. Pharmaunternehmen werden in der nächsten Zeit entscheiden müssen, wie sie mit dieser Entwicklung umgehen möchten: Wird sie als Chance genutzt, dem Patienten die eigene Marke näherzubringen und „Medicine as a Service“ als Teil des eigenen Geschäftsmodells zu entdecken? Und wie könnte das aussehen?

Beispiele gibt es viele. Das Ärztenetzwerk coliquio hat ein paar pfiffige Ideen zusammengetragen, die bereits in der Praxis erprobt werden oder zumindest kurz davor stehen.

Zum Beitrag auf Coliquio Insights

 

Touchpoints für Ärzte

Im Newsletter Healthcare Marketing flash war am 29.06.2017 zu lesen: „Reichweitenforscher der LA-Med planen 360° Touchpoint-Analyse in Arztzielgruppen“.
Was ist denn eigentlich ein Touchpoint? Heute bieten wir einen Übersetzungsservice für unsere User. Die Arbeitsgemeinschaft LA-Med Kommunikationsforschung im Gesundheitswesen ist ein Zusammenschluss verschiedener Fachverlage und Agenturen. Sie erstellt Studien zum Lese- und Mediennutzungsverhalten von Ärzten, analysiert insbesondere Fachzeitschriften. Wesentlicher Hintergrund: die beste Anzeigenplatzierung herauszufinden.
Da die gedruckten Anzeigen auch in der Fachpresse vermutlich die goldenen Zeiten hinter sich haben, bemüht man sich nun um neue Wege das Verhalten der Spezies Arzt zu erforschen. Ein genauerer Blick wird auf die Nutzung des Internet geworfen, auf die sog. Online-Touchpoints, hier speziell im Themengebiet Onkologie.
Ein Touchpoint ist ein Marketingbegriff und bedeutet dabei nichts anderes als ein Kontaktpunkt zum Unternehmen, wird manchmal auch als Point-of-Contact bezeichnet. Wo kommt der Kunde in der z.B. Online-Welt mit dem Unternehmen in Kontakt, welche Websites und welchen Inhalt sucht er? Die vom Unternehmen, in diesem Fall dem Verlag, gewünschten Touchpoints werden von der Marketingabteilung bestimmt, nicht vom User.
Touchpoints gibt es selbstverständlich nicht nur im medizinischen Marketing, sie sind allgegenwärtig, online und offline. Touchpoint ist einer der heute üblichen Marketing -Anglizismen, wird häufig im Kontext der Customer Journey verwendet. Dies ist kurz gesagt die Summe aller Touchpoints, die der Informationssuchende mit einer Marke oder einem Produkt hat. Ziel dieser Aktionen im medizinischen Umfeld ist es, das Informations-Such-Verhalten der Ärzte noch besser kennenzulernen, noch mehr Details zu erfahren. Und herauszufinden, wo Werbung bestmöglich platziert wird. Der Datenschutz ist dabei sicherlich eine Herausforderung.

Der steinige Weg zu validen Daten

Selbstmanagement-Unterstützung für Patienten mit einer chronischen Erkrankung gilt als der vielversprechendste Ansatz für telemedizinische Lösungen. Eine britische Gruppe hat in der aktuellen Ausgabe des Journal of Medical Internet Research (JMIR) die Evidenz für deren Einsatz jetzt in einem Metareview untersucht und dazu 53 Reviews und 232 einzelne Studien ausgewertet. Dabei ging es um die Indikationen Diabetes (Typ 1 und 2), Herzinsuffizienz, Asthma, chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) und Krebs.

Die Ergebnisse? Waren weder begeisternd, noch niederschmetternd. Blutzucker-Telemonitoring mit Feedback und Lifestyle-Interventionen konnte mit hoher Evidenz die Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetes verbessern – nicht aber bei Typ-1. Und bei Herzinsuffizienz konnten Telemonitoring und Telefoninterventionen Mortalität und Krankenhauseinweisungen reduzieren – aber nicht in allen Fällen. Letztlich folgern die Autoren: „Larger-scale trials of telehealth-supported self-management, based on explicit self-management theory, are needed before the extent to which telehealth technologies may be harnessed to support self-management can be established.”

Zwei Aspekte machen trotzdem Hoffnung auf einen wirklichen Nutzen: In keiner einzigen Arbeit wurden negative Auswirkungen der Teleanwendungen beschrieben – die Zahl der gefürchteten „Unerwünschten Ereignisse“ ist also tatsächlich Null. Und je intensiver die Intervention war, desto größer auch der Nutzen bei Diabetes, Herzinsuffizienz und Asthma.

Wir meinen: Engmaschiges Monitoring mit entsprechenden Interventionen zur Unterstützung bestehender Therapieansätze hat das Potenzial, die Versorgung bei vielen chronischen Erkrankungen zu verbessern. Um die Einführung von kostenaufwendigen Telemedizinanwendungen in die Regelversorgung zu rechtfertigen, sind valide Daten erforderlich. Der Weg dorthin ist steinig, aber durchaus gangbar: Wo keine riesigen Zulassungsstudien erforderlich sind, können Real World-Daten der Schlüssel sein. Viel zu tun für die Versorgungsforscher …

J Med Internet Res 2017; 19: e172, doi:10.2196/jmir.6688

Darmstadt: Digitale (Gesundheits-)Stadt

Der vom IT-Branchenverband Bitkom in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund ins Leben gerufene Wettbewerb „Digitale Stadt“ hat seit letzter Woche einen Sieger: Darmstadt! Die Hessen haben sich im Finale gegen Heidelberg, Kaiserslautern, Wolfsburg und Paderborn durchgesetzt und können sich nun Zuwendungen in Form von Projekten und Dienstleistungen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages erhoffen.
Darmstadt – nun auf dem Weg zur digitalen Vorzeigestadt – hat bei der Bewerbung Visionen für unterschiedliche Themenfelder skizziert: u.a. Energie, Verkehr, Verwaltung, Bildung, Handel, Sicherheit – und eben auch Gesundheit.

Werfen wir doch nun einen auszugsweisen Blick auf die Vision, die die Digitalstadt Darmstadt (www.digitalstadt-darmstadt.de) im Gesundheitsbereich hat:
Die Digital-Stadt Darmstadt hilft ihren Bürgerinnen und Bürgern gesund zu bleiben und zu werden.
– Per Smartphone können sie jederzeit auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen.
– Eine cloudbasierte Plattform ermöglicht einen niederschwelligen und barrierefreien Zugang zu unterschiedlichen digitalen Diensten.
– So ist der online Check-In ins Klinikum Darmstadt möglich. Den sicheren Weg bis auf die Station möglich die digitale Gebäude-Navigation.
– Das digitale Verordnungsmanagement sorgt bei Entlassung für die notwendigen Hilfsmittel und die Home Care Versorgung.
– Der digitale Medikamentenlieferservice realisiert die Versorgung über die nahe gelegene Apotheke.
– Jeder kann seine Notfalldaten, Allergien und Medikationspläne einspeisen.
– Chatrooms bieten zielgruppenspezifische Online-Sprechstunden und Hilfen an, zum Beispiel für Studierende.
– Über ein Portal lassen sich Zweitmeinungen einholen und Facharzttermine vereinbaren.
– Es bietet auch Zugang zu verknüpften und sektorenübergreifenden Fortbildung für Ärzte mittels Präsenzveranstaltungen und E-Learning-Modulen.

Das klingt schon einmal sehr vielversprechend. Wir werden unsere User weiterhin über dieses Thema informieren.

Gesundheit auf dem Digital-Gipfel

Heute und morgen (12. und 13. Juni 2017) findet in Ludwigshafen der Digital-Gipfel der Bundesregierung statt. Auch wenn man manchmal den Eindruck haben könnte, das Thema sei in der Exekutiven nicht so besonders hoch angesiedelt eine Bundesministerin, eine Ministerpräsidentin, zwei stellvertretende Ministerpräsidenten und jede Menge weitere Prominenz zeigen: Digitalisierung ist in Wahlkampfzeiten ein populäres Thema. Dabei darf natürlich das Thema Gesundheit nicht fehlen und so ist auch das Satellitensymposium „Digital Health Conference – Gesundheit in der Gigabit-Gesellschaft“ ausgesprochen hochkarätig besetzt.

 Weil wir uns nun  keine besonderen Erkenntnisse von diesem Gipfel erwarten, werfen wir lieber schon mal heute einen Blick auf das „Rahmenprogramm“. Und hier stellt z. B. Ericsson eine Studie zur Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland vor. Die Studie prognostiziert einen klaren Trend zur Dezentralisierung des Gesundheitswesens. Von den Arztpraxen und Krankenhäusern hin zum privaten Umfeld. Nach den Ergebnissen dieser Umfragen wären 66 Prozent der befragten Konsumenten bereit Wearables als vorbeugende Maßnahme zur Überprüfung von gesundheitlichen Anomalien und gegen chronischen Erkrankungen zu verwenden.

Damit nicht genug: 36 Prozent der Patienten mit chronischen Erkrankungen würden Online-Sprechstunden nicht nur akzeptieren, sondern sie gegenüber den klassischen Sprechstunden sogar bevorzugen. Und 62 Prozent der Befragten wären bereit, persönliche Gesundheitsdaten zu teilen, wenn dies zu besseren Behandlungsmöglichkeiten durch den Arzt führen würde. Glaubt man Bundesgesundheitsminister Gröhe, könnte das alles schon bald Realität sein. „Wir sind dabei, Krankenhäuser, Arztpraxen und die 70 Millionen gesetzlich Versicherten miteinander zu verbinden“ zitiert ihn die Rhein-Neckar-Zeitung: „Damit ist ein wichtiger Meilenstein erreicht“. Wann genau das sein wird, sagte er nicht …

Studie von Ericsson