Die Zukunft der medizinischen Information

Onkologie-App aktualisiert

Die App EasyOncology der Firma Easy Medical Applications aus Köln, ist – fünf Jahre nach der Erstversion – verbessert und erweitert worden und steht aktuell in der Version 2.42 zur Verfügung. Die neue App soll eine übersichtliche Orientierung bei Diagnostik, Therapieplanung und Nachsorge in der Onkologie bringen. Die therapeutischen Empfehlungen entsprechend den Leitlinien der Fachgesellschaften, die jeweils aktuelle Datenlage wird berücksichtigt.

Die iOS-Version für iPad und iPhone ist als native App für € 2,29 (iTunes) erhältlich, eine Android-Variante ebenfalls verfügbar.

Die positiven Rückmeldungen der User bewerten die App als übersichtlich und praxisnah, quasi das „kleine Tumorboard“ in der Kitteltasche. Nach Aussage der Entwickler behandelt die App maligne, solide Tumore und deckt ca. 90% der Neudiagnosen ab. Hinter der App stehen die Ärzte Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser, Facharzt für Innere Medizin und Leiter Pneumologie am Sana Klinikum Remscheid sowie PD Dr. med. Thomas Elter, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie am Centrum für Integrierte Onkologie Köln/Bonn.

Weitere Infos:

Dtsch Arztebl 2018; 115(37): A-1604 / B-1354 / C-1342

Neue Gesundheitsfunktionen für die Apple Watch

Bei der diesjährigen Pressekonferenz stellte Apple nicht nur neue (und sündteure) Smartphones vor, sondern auch die Apple Watch 4. Das besondere an ihr ist nicht das schmucke Design, sondern die fest vorinstallierten Apps zur Kontrolle der Herzfunktion. Der Haken: Für die Apps hat Apple eine FDA-Zulassung als Medizinprodukt. Da  aber die EU-Zulassung noch fehlt, sollen die Funktionen in Europa noch nicht scharf geschaltet sein.

Wovon reden wir? Eine der Apps nutzt den Photoplethysmografie-Sensor auf der Rückseite der Uhr, den es auch bei den älteren Modellen bereits gibt. Anhand der dort ermittelten Daten soll absolute Arrhythmie (eine Form des Vorhofflimmerns) erkannt werden. Die zweite App nutzt einen neuen Sensor, der in die Krone der Apple Watch eingelassenen ist und der ein Ein-Kanal-EKG ableiten kann. Apple schreibt dazu: „Mit watchOS 5 analysiert Apple Watch periodisch Herzrhythmen im Hintergrund und sendet eine Benachrichtigung, wenn ein unregelmäßiger Herzrhythmus erkannt wird, der auf Vorhofflimmern hinweist. Es kann den Benutzer auch warnen, wenn die Herzfrequenz einen bestimmten Schwellenwert über- oder unterschreitet.“

Wie beim Smartphone ist Apple hier keinesfalls der Erfinder, in telemedizinischen Studien sind solche Tools bereits im Einsatz. Neu ist vielmehr, dass ein Massenprodukt von der Stange über diese Funktionen verfügt. Und so wird es auch die spannendste Frage bleiben, wie sich solche Devices in die normale Versorgungssituation integrieren lassen. Etliche Unternehmen versuchen derzeit, in klinischen Studien sinnvolle Versorgungsszenarien auszuloten. Es bleibt also spannend.

Neue Onkologie-Zeitschrift

Die Zeitschriften-Familie DER PRIVATARZT, die in der Egelsbacher MIM Verlagsgesellschaft erscheint, hat nun Familienzuwachs bekommen. Die neueste Zeitschrift trägt den Titel DER PA ONKOLOGIE & HÄMATOLOGIE und ist jüngst als Erstausgabe erschienen. Auch wenn wir primär digitale Produkte bevorzugen: wir schauen uns den neuen Print-Titel gern einmal an. Was uns auf den ersten Blick gefällt, ist das magazinartige Erscheinungsbild. Redaktionell geformt; kurze, gut lesbare Texte; sauber strukturiert und vielfältig. Die Zeitschrift macht nicht den Fehler drittklassige Originalbeiträge abzudrucken um die Seiten zu füllen, sondern positioniert sich bewusst eigenständig in der Vielfalt der bereits existierenden onkologischen und hämatologischen Zeitschriften.

Wir zitieren an dieser Stelle gern aus dem Vorwort des Herausgebers Prof. Dr. med. Matthias Theobald aus Mainz: „Ab 2019 wird der PA Onkologie & Hämatologie viermal im Jahr erscheinen. Drei von Experten verfasste Schwerpunktthemen stellen in jeder Ausgabe aktuelle Therapieoption vor und natürlich fassen wir für Sie die Highlights der nationalen und internationalen Kongressen zusammen. Damit bietet das Fachjournal Informationen aus erster Hand für niedergelassene Kollegen und Kliniker. Darüber hinaus stellen wir – ganz im Sinne der Transnationalen Onkologie – auch Therapien vor, die aktuell nur im Rahmen von Studien oder off label genutzt werden, bald aber in Leitlinien aufgenommen werden.“

Gut gefallen hat uns auch der Einhefter „ONKO-TEAM“, der – konzipiert für Pflegende und MFAs – den Stellenwert der Betreuung der onkologischen Patienten unterstreicht. Wichtigen Themen wie Therapiebegleitung und Patientenkommunikation werden hier abgehandelt.

Rundum ein modernes Medizin-Magazin – wir warten gespannt auf die digitalen Ableger und Ergänzungen.

Weitere Informationen beim Verlag.

Vivy & Co. – Die Akte light

Die endlose Geschichte der Patientenakte haben wir ja schon öfter thematisiert – jetzt ist sie um ein neues Kapitel reicher. Denn letzte Woche haben 14 gesetzliche und zwei private Krankenversicherungen, darunter die DAK Gesundheit mit über 5,7 Millionen Versicherten, ihre Kunden informiert, dass die App Vivy für sie zur Verfügung steht. Insgesamt 13,5 Millionen Versicherte sollen ihre persönlichen Gesundheitsdaten in der App verwalten können.

Nun ist Vivy nicht die erste E-Gesundheitsakte. AOK und TK stehen mit ähnlichen Projekten in den Startlöchern, daneben sind auch kassenunabhängige Anbieter im Rennen, zum Beispiel CompuGroup Medical und vitabook. Schon bald könnte in Deutschland also eine weitgehend flächendeckende Gesundheitsakten-Infrastruktur vorliegen. Die oft beschriebenen Vorteile wie Vermeidung von Doppeluntersuchungen oder höhere Arzneimitteltherapiesicherheit scheinen also plötzlich zum Greifen nah.

Die Daten müssen auch keinesfalls vom Versicherten in einer Art doppelter Buchhaltung eingepflegt werden. Ab Ende 2018 will Vivy die Schnittstelle KV-Connect Mobile für den verschlüsselten Datenaustausch mit Ärzten in Praxen, Krankenhäusern und Laboren nutzen und die Daten könnten dann zukünftig direkt aus der Praxisverwaltungssoftware heraus mit der Vivy-Akte synchronisiert werden. Dabei sollen mehrstufige Sicherheitsprozesse und eine asymmetrische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zum Einsatz kommen, für die nur der Nutzer selbst den Schlüssel hat.

Der Patient als Herr seiner Daten. Endlich. Doch das kann noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Denn diese Infrastruktur hat bei allem Guten auch ihre Lücken. Etwa wenn Patienten nicht mehr selbst in der Lage sind, für die Verwaltung ihrer Daten zu sorgen. Die sektorübergreifende Patientenakte, an der die gematik seit Jahren bastelt, sollte besser heute als morgen startklar sein, um die Vorteile der Digitalisierung wirklich durchgängig verfügbar zu machen. Wie die „Akten light“ von heute dann mit der E-Health-Gesetz konformen Lösung von morgen zusammengeschaltet werden können, ist noch völlig unklar. Es bleibt also spannend.

Im Mainstream angekommen: Digital Health auf der IFA

In den letzten beiden Ausgaben hatten wir Ihnen zwei Beispiele vorgestellt, wie Apps und mobile Devices Patienten unterstützen können – Sie finden Sie weiter unten auf dieser Seite. Dass trotzdem nach wie vor kontrovers diskutiert wird, ob und wie diese digitalen Helfer in den klinischen Alltag integriert werden können, mutet da fast schon skurril an.

Dabei ist das Thema längst im Mainstream angekommen. Das konnte man zuletzt wieder auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin beobachten. Wo es sonst allein um Unterhaltungselektronik geht, konnte man in Halle 4.2 die Ausstellung „Neue Wearables für Gesundheit und Fitness“ besuchen – eines von acht Segmenten, die von der IFA als besonders aktuelles Thema angesehen werden.

Die Messeveranstalter waren begeistert von der Resonanz: „Überhaupt nicht „normal“ war hingegen das, was zum Thema Fitness & Gesundheit auf der IFA 2017 dem interessierten Besucher geboten und gezeigt wurde. Die komplette Halle 4.2 war einzig diesem Top-Thema gewidmet. Und damit nicht genug: einige große Aussteller, wie beispielsweise Samsung, haben selbstredend ihre bisherigen Ausstellungsflächen beibehalten und ihre Novitäten zum Thema dann dort präsentiert.“ Und bei der IFA TecWatch gab es einen eigenen Digital-Health-Tag, wo Startups ihre Ideen präsentieren konnten, wie sich die Gesundheitsversorgung der Menschen durch Digital Health optimieren lässt.

Dass die Selbstverwaltung das Thema weiter verschläft und Google & Co. – die massiv in Healthcare investieren – die Arena überlässt, sollte uns zu denken geben. Denn man muss kein Schwarzseher sein um zu ahnen, dass diese Firmen damit mittelfristig Zugang zu unseren Gesundheitsdaten wollen. Die Frage ist: Wollen wir das? Wie es anders gehen könnte, zeigt ein Interview mit Prof. Ernst Hafen im eBook „Die Zukunft der Medizinischen Information“.

Die Zukunft der medizinischen Information_Interview_Hafen