Die Zukunft der medizinischen Information

Das war erst der Anfang …

Auf dem Ärztetag vor zwei Wochen wurde das Fernbehandlungsverbot gekippt und in der letzten Woche haben wir hier die Argumente von Befürwortern und Kritikern gegenüber gestellt. Eines der Argumente der Gegner: Wer stellt denn sicher, dass z.B. die Mitarbeiter eines Callcenters entsprechend ausgebildet und qualifiziert sind?

Das Argument ist genauso gewichtig wie falsch. Auf mittlere Sicht werden es nämlich vermutlich gar keine Menschen mehr sein, die dort Anfragen beantworten, sondern Maschinen mit Künstlicher Intelligenz (KI). Wie so etwas aussehen könnte berichteten in der letzten Woche verschiedene Medien wie Heise online oder die Ärzte Zeitung: Ein chinesischer Roboter hatte weltweit als erster die nationale Medizinprüfung bestanden.

Xiaoyi, so sein Name, wurde von der chinesischen KI-Firma iFlyTek mit einem KI-System ausgestattet und mit den Inhalten von medizinischen Lehrbüchern, Patientenakten und medizinischen Texten und Bildern gefüttert. Den schriftlichen Test absolvierte er mit Bravour und holte deutlich mehr Punkte als erforderlich.

Auf den Markt kommen soll er als „Assistenzroboter“ und Ärzte bei der Diagnose unterstützen. In einer chinisischen Klinik steht ihm jetzt erst einmal eine Art PJ bevor: Hier soll er zeigen, ob er in der Tat in wirklichen medizinischen Fällen helfen kann. Neben einer Karriere in der Onkologie – ähnlich wie Watson von IBM – sehen seine Schöpfer ihn auch als Assistenten von Landärzten, weil die chronisch überlastet sind. Und das ist nicht nur in China so.

Beitrag auf Heise online
Beitrag der Ärzte Zeitung

Ausschließliche Fernbehandlung: Pro und Contra

Pressemeldung der Bundesärztekammer vom 10.5.2018: „Der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt hat heute mit überwältigender Mehrheit eine Neufassung des § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte beschlossen und damit den berufsrechtlichen Weg für die ausschließliche Fernbehandlung von Patientinnen und Patienten geebnet. (…)“
Die Neuregelung wurde bekannterweise schon beim letzten Ärztetag eingefordert. Nun wurde sie verabschiedet. Welche Auswirkungen die Änderung der Berufsordnung haben wird, muss sich in der Praxis noch zeigen. Die zuständigen Landesärztekammern müssen ohnehin in ihrem Einflussbereich die Änderungen umsetzen, was erfahrungsgemäß sicherlich 1 -2 Jahre dauern wird. Die Zukunft beginnt also nicht gleich morgen. Ärztefunktionäre stellten aber schon klar, dass der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt weiterhin den `Goldstandard` ärztlichen Handelns darstellen soll.

Anbieter von Digital-Lösungen im Gesundheitswesen erhoffen sich neue Absatzchancen, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen unterstützen telemedizinische Anwendungen, wie z. B. die Online-Sprechstunde. Bei zu befürchtender rückläufiger ärztlicher Versorgung in manchen ländlichen Regionen, kann ohne technologische Lösungen nicht mehr geplant werden. Erreichbarkeitsanalysen (wie kommt der Patient zum Arzt?) zeigen ja bereits jetzt, dass es auch in den alten Bundesländern bereits Versorgungslücken gibt.

Also: völlig freie Fahrt in die telemedizinische Zukunft? Nicht ganz. Die „Freie Ärzteschaft“ meint: „Fernbehandlung soll nicht die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens durch kapitalorientierte Gesellschaften verstärken und beispielsweise in Callcentern stattfinden“. Krankschreibungen im Rahmen ausschließlicher Fernbehandlung sollen deshalb nicht stattfinden.

Wie stehen denn eigentlich die User (als potentielle Patienten) in den Online-Foren zum Thema? Die sehen deutliche Vorteile wie den Wegfall der Anfahrt zur Praxis oder die geringere Wartezeit. Sind aber auch skeptisch bzgl. der Qualifikation des Call-Centers, des Datenschutzes und sorgen sich, dass Hausbesuche eines Tages völlig durch die Gesundheits-IT übernommen werden könnten.
Hier entsteht gerade ein neuer, großer Markt innerhalb des Gesundheitswesens. Telemedizin-Anbieter, wie die Schweizer Medi24, freuen sich über die Wachstumschancen.

Der Ärztetag und die medizinische Information …

Seit gestern findet in  Erfurt der Deutsche Ärztetag statt. Die Liste der zu behandelnden Themen ist wie immer lang. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht das Thema Digitalisierung und mit ihr das Fernbehandlungsverbot.

Den Aufschlag machte Gesundheitsminister Spahn in einem Interview mit der Ärzte Zeitung. Die Frage, nach einer Lockerung des Fernbehandlungsverbots beantwortete er so: „Eines ist klar: Entweder wir gestalten die Digitalisierung des Gesundheitswesens gemeinsam – Ärzteschaft, Gesundheitswesen und Politik – oder es gibt Angebote von außen: Apple, Google, Dr. Ed. Die Patienten wollen offensichtlich digitale Angebote. Wenn es hilft, sollten wir die dann auch machen. Etwa wenn es um einfache Abklärungsfragen oder Rückfragen an Ärzte geht oder um die Verlängerung eines Rezepts. Das sollte auch online möglich sein. Das spart Wege und Wartezeiten und gibt dem Arzt Freiraum für Patienten, für die er mehr Aufmerksamkeit braucht. Das heißt nicht, ab jetzt alles nur noch online. Das ist nur ein Zusatzangebot. Der direkte Arzt-Patienten-Kontakt bleibt der Goldstandard der Behandlung.“

Auch Frank Ulrich Montgomery, der Präsident der Bundesärztekammer, will ein Ende des Fernbehandlungsverbots durchsetzen, wie er sich gegenüber der Welt am Sonntag äußerte: „Wir wollen auf diesem Ärztetag die Möglichkeiten schaffen, dass Ärzte künftig auch Patienten, die sie noch nicht kennen, per Video und Telefon behandeln können“. Nach einem möglichen Beschluss muss die Änderungen der Berufsordnung in den Amtsblättern veröffentlicht und von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Und dann muss mit den Krankenkassen diskutiert werden, dass die ausschließliche Fernbehandlung auch angemessen bezahlt wird …

Bis die Videosprechstunde deutschlandweit möglich sein wird, kann es also noch ein bisschen dauern. Bis Freitag wird jetzt erst einmal in Erfurt diskutiert – und wenn es spannende Neuigkeiten gibt, werden wir zeitnah darüber berichten.

Interview mit Gesundheitsminister Jens Spahn

Am 10. Mai 2017 meldet die Ärzte Zeitung: Mit „überwältigender Mehrheit“ – so BÄK-Präsident Prof. Frank Ulrich Montgomery – hat der Deutsche Ärztetag die Lockerung des geltenden Fernbehandlungsverbots beschlossen.

 

 

Weniger Verkäufe gedruckter Ausgaben – auch bei Fachzeitschriften

Zu Jahresbeginn 2018 ist die Entwicklung der Gesamtverkäufe von Zeitungen und Zeitschriften am deutschen Pressemarkt in allen Printgattungen rückläufig. Bei genauerer Betrachtung ist das Bild differenzierter: Der Auflagenrückgang der Tageszeitungen bleibt im Rahmen der zurückliegenden Quartale. Die seit dem 2. Quartal 2016 weitgehend stabilen Gesamtauflagen der Wochenzeitungen müssen aktuell höhere Verluste hinnehmen. Für die Publikums-, Fach- und Kundenzeitschriften sind deutlich gestiegene Verlustraten zu verzeichnen. Der Absatz elektronischer Ausgaben von Presseerzeugnissen steigt weiter an: ePaper stellen in allen Printgattungen wachsende Anteile an den Gesamtverkäufen.

Publikumszeitschriften
Im 1. Quartal 2018 liegt die verkaufte Auflage der Publikumspresse mit 87,16 Mio. Exemplaren um rund 6 Prozent unter dem Vorjahresergebnis (1/2017: 92,76 Mio. Stück). Im 3. Quartal 2017 hatten sich die Gesamtverkäufe der Publikumspresse im direkten Jahresvergleich mit einem Minus von nur 1,84 Prozent vorübergehend stabiler gezeigt. In den übrigen drei Quartalen des zurückliegenden Jahres lagen die Rückgänge jeweils unter 5 Prozent.

Fachzeitschriften
Die verkaufte Auflage der Fachzeitschriften sinkt im 1. Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahresergebnis um 9,57 Prozent auf 9,38 Mio. Stück (1/2017: 10,37 Mio.); gegenüber dem Vorquartal fällt der Rückgang mit einem Minus von 6,65 Prozent (4/2017: 10,04 Mio. verkaufte Stücke) geringer aus. Für die verbreitete Auflage der Fachzeitschriften ist im Jahresvergleich ein moderaterer Rückgang zu verzeichnen (1/2018: 18,52 Mio. gegenüber 19,70 Mio. Stück in 1/2017 – ein Minus von 6,00 Prozent).

Quelle: Pressemitteilung der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. vom 20.04.2018, gekürzt

Gesundheits-App holt Big Brother Award

Letzten Freitag wurden in Bielefeld die Big Brother Awards (BBA) 2018 verliehen. Die Tageszeitung Le Monde nannte sie einmal die „Oscars für Überwachung“ für die größten Datensünder des letzten Jahres. Eine Jury aus prominenten Bürgerrechtlern bestimmt dabei, wer den keineswegs begehrten Preis in Empfang nehmen darf. Zu den Preisträgern 2018 gehörten u.a. Microsoft (für die Datensammelwut von Windows 10) und Amazon (für die mitteilungsfreudige Spracherkennungssoftware Alexa).

Der Preis in der Rubrik Gesundheit ging in diesem Jahr an die Firma Soma Analytics für die Gesundheits-App Kelaa. Deren Funktion beschreibt das Unternehmerportal www.face-entrepreneurship.eu so: „Eine der größten Herausforderungen … (ist die) … Auswahl deines Arbeitsteams. Wenn du aber denkst, dass du das Schlimmste überstanden hast, sobald du die besten Leute zusammen hast, hast du keine Ahnung, was noch auf dich zukommt. … Es gibt bereits zahlreiche Strategien und Hilfsmittel zu diesem Thema, doch … Kelaa Mental Resilence ist noch einen Schritt weitergegangen: Mit dieser Dienstleistung kannst du dich mithilfe einer App über den Gemütszustand deines Teams informieren.“

Das heißt im Klartext: Die vom Hersteller als „Smart way to beat stress at work“ angepriesene App sammelt Befindlichkeitsdaten des Nutzers und – das ist der Grund für den BBA – leitet Sie an den Arbeitsgeber weiter, der für die Dienstleistung zahlt. Für renommierte Arbeitsrechtler ein Tabubruch, auch wenn die Daten nur in aggregierter und anonymisierter Form vorliegen.

Die Firma wehrt sich und wirft der Jury schlechte Recherche vor, etwa weil in der Begründung die Funktion „Stimmanalyse per Sprachaufzeichnung“ genannt wird, die angeblich nicht mehr benutzt wird (aber noch auf der Website stand). So oder so, Fakt ist: Predictive Analytics Software wie diese liefert häufig so konkrete Daten, dass Einzelne trotz Anonymisierung identifiziert werden können. Apps können tatsächlich helfen, auf Verhaltensfallen hinzuweisen und Stress zu reduzieren. Doch sollte eine solche App dem Arbeitgeber gehören? In Tagen, in denen ein Datenskandal den nächsten jagt, sicher keine gute Idee.

 

Face Entrepreneurship

Soma Analytics