Die Zukunft der medizinischen Information

Auf der Suche nach der Killer-Applikation

eHealth ist in aller Munde – aber so richtig zünden wollen die digitalen Angebote bisher nicht. Auch auf der IFA, die noch bis übermorgen in Berlin stattfindet, gibt es natürlich etliche Angebote rund um die „Digitale Medizin“. Doch im Vergleich zum Vorjahr ist der Hype dort deutlich geringer, auch der Digital Health Day am 6. September 2019 änderte daran nicht viel.

Konkreter wurde es da schon beim Berliner Healthcare Hackathon in der letzten Woche. Von der Notfall-App, die registrierte Ersthelfer per GPS lotst, über eine „Ärztelatein ADE“-App, die medizinische Fachsprache für Patienten verständlich machen möchte bis zum KI-gestützten Stethoskop zur schnelleren und genaueren Erkennung von Lungenentzündungen reichte das Angebot.

Auch für die endlose Geschichte der elektronischen Patientenakte (ePA) wurden neue Ideen präsentiert. So arbeitet eine Gruppe (Team 22 Healthcloud) daran, die mit ePA assoziierten Zugriffsrechte systematisch abzubilden und zu verwalten: „ … werden in der Google Cloud eine einzigartig effektive und qualitativ hochwertige Lösung schaffen, welche eine hochwertige Videodarstellung und nachgehend einfache Befundung, Protokollierung und Signierung bietet.“ DSGVO-gerecht, versteht sich.

Die Idee selbst ist zwar nicht neu, könnte aber etwas frischen Wind gut gebrauchen. Wir werden das weiter beobachten.

 

www.healthcare-hackathon.info

E-Health-Kongess 2019

Am 28. August 2019 fand in Frankfurt der sechste eHealth Kongress statt. Knapp 500 Teilnehmer, ausgebucht. Nach den Begrüßungsworten von Michael Groß (ehemaliger Olympia-Schwimmer, mittlerweile zum Vize-Präsidenten der IHK Frankfurt avanciert), folgte die Eröffnung des Kongresses durch den hessischen Sozialminister Kai Klose

Dieser versprach hier und in der mittäglichen Pressekonferenz, dass Hessen weiterhin hochqualitative, wohnortnahe Gesundheitsversorgung anbieten wolle. Als wichtiger Zukunftsfaktor wird hier offenbar auf die Telemedizin gesetzt. Allerdings wird für ein flächendeckendes, telemedizinisches Angebot auch eine entsprechende Netz-Infrastruktur benötigt – die jedoch noch nicht im letzten Winkel Hessens gegeben ist. Aber: der Trend geht eindeutig in diese Richtung.

 

Pressegespräch mit Sozialminister Klose (3. v. l.)

Ansonsten wartete der Kongress mit einigen erhellenden Vorträge auf. Stellvertretend sei an dieser Stelle das Forum zur künstlichen Intelligenz genannt. Hier wurde klar, dass in Deutschland durchaus schon konkrete Anwendungen existieren, um die künstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung nutzbar zu machen. KI braucht Daten. Darauf bezog sich auch Gunter Dueck in seiner launigen Key Note Lecture. Letztlich müssten Patienten auch ihre Daten zu Verfügung stellen, damit die KI diese Daten verarbeiten – und ggf. Leben retten kann.

 

Pressemitteilung der Veranstalter vom 28.08.2019

6. eHealth-Kongress Rhein-Main und Hessen 2019

Gesundheitsversorgung im digitalen Zeitalter

Hessen setzt auf stärkere Vernetzung aller Akteure in der Gesundheitswirtschaft

  • Digitalisierung gegen Pflegemangel nutzen
  • Staatliche Regulierung der Branche überprüfen
  • Von Apps & Co. keine Wunder erwarten
  • Versicherte und Patienten stärker einbeziehen
  • Innovationen durch Kooperationen mit Startups erzeugen

Die stärkere Vernetzung aller Akteure in der Gesundheitswirtschaft ist ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche und am Patienten orientierte Gesundheitsversorgung im digitalen Zeitalter. Dies erklärten die vier Veranstalter des diesjährigen 6. eHealth-Kongresses in der IHK Frankfurt am Main: Das Ministerium für Soziales und Integration, IHK Hessen innovativ, die Techniker Krankenkasse in Hessen und die Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main. Deshalb begrüßten die Veranstalter das von der Bundesregierung im Juli auf den Weg gebrachte Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), das eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation ermöglichen soll.

Das DVG soll 2020 in Kraft treten. Das Gesetz sieht vor, Leistungserbringer wie Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte, Apotheken und Pflegeeinrichtungen flächendeckend zu verbinden. Unter anderem soll es medizinisch sinnvolle Apps auf Rezept geben, Online-Sprechstunden sollen erleichtert und Telemedizin gestärkt werden. Ein gut ausgebautes und sicheres Datennetz soll dafür die Grundlage bilden. Außerdem müssten alle an der Gesundheitswirtschaft Beteiligten noch enger zusammenarbeiten, um digitale Strukturen sowohl für die Patientenversorgung als auch für die wirtschaftliche Entwicklung Hessens rasch weiterzuentwickeln und stärker zu nutzen, so die Veranstalter.

Sozialminister Kai Klose – Persönlichen Kontakt nicht ersetzen, aber Wege ersparen

Rund 480 Teilnehmer diskutierten bei dem Kongress über neueste Entwicklungen und innovative Ansätze aus Telemedizin und eHealth mit zahlreichen Experten und Fachausstellern. „Telemedizin eröffnet Chancen, denn sie bringt medizinische Expertise zu den Menschen und überbrückt Distanzen. Damit ist sie ein Schlüssel zu einer weiterhin wohnortnahen Versorgung. Diese Entwicklung sehen wir positiv und verstehen die Digitalisierung als Chance, Versorgung effizienter zu gestalten, Bürokratielasten abzubauen und Gesundheitskompetenz dauerhaft zu stärken. Dabei denken wir aus der Perspektive der Patientinnen und Patienten und möchten ihnen Wege ersparen, den persönlichen Kontakt zum Arzt aber nicht ersetzen“, erklärte Kai Klose, Hessischer Minister für Soziales und Integration und Schirmherr des eHealth-Kongresses 2019.

gwrm-Vorsitzender Michael Burkhart – Digitalisierung als Antwort auf Fachkräftemangel

„Wie das aktuelle PwC Healthcare-Barometer zeigt, zählt die Mehrheit der Bundesbürger das deutsche Gesundheitssystem nach wie vor zu den besten drei der Welt – seit mehreren Jahren allerdings mit rückläufiger Tendenz. Immer längere Wartezeiten, steigende Kosten und vor allem der Fachkräftemangel sind Gründe dafür und machen auf einen schleichenden Qualitätsverlust aufmerksam, den auch die Bevölkerung zunehmend spürt. In meinen Augen stellt die Digitalisierung die klare Antwort auf diese Herausforderung dar. Was wir dafür aber brauchen, sind neue Ansätze zum Beispiel bei Finanzierungsthemen und die Anpassung gesetzlicher Rahmenbedingungen durch die Politik“, erklärte Michael Burkhart, Vorsitzender der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main. Deshalb sei es wichtig, neue gemeinsame Wege zu gehen. In Hessen werde dies in der Zusammenarbeit zwischen Politik, Leistungsanbietern und Industrie bereits beherzigt.

Beispiele der Zusammenarbeit boten neben zahlreichen Referenten auch die mehr als 45 Aussteller. So wurden digital gestützte Therapien bei psychischen Erkrankungen, Beispiele von Robotik-Anwendungen in der ambulanten und stationären Pflege und die Möglichkeiten von Apps als Medizinprodukte präsentiert. Intensiv diskutierten Fachleute Sicherheits- und Datenschutzaspekte bei den inzwischen von Krankenkassen entwickelten elektronischen Gesundheits- und Patientenakten und den Status der ambulant-stationären Vernetzung. Welche künftigen Möglichkeiten die Künstliche Intelligenz (KI) in Diagnostik und Therapie bietet, zeigten die Beiträge im „Future Panel by TK“ der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen.

TK-Experte Dr. Markus Schlobohm – Konkreter Nutzen für Versicherte durch digitale Innovationen

„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen spielt sich auf vielen Ebenen ab. Das Wichtigste, das wir beim Entwickeln und unterstützen innovativer Anwendungen im Blick haben sollten, ist der konkrete Nutzen für die Versicherten. Die elektronische Gesundheitsakte TK-Safe knüpft genau an diesen Gedanken an. Der Versicherte hat alle wichtigen Dokumente an einem zentralen Speicherort, was zum Beispiel im Gespräch mit dem Arzt sehr nützlich ist. So kann beispielsweise über Impfempfehlungen gesprochen werden oder es können Wechselwirkungen zwischen Medikamenten besser erkannt und unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden. Die Versicherten gewinnen einerseits Souveränität über ihre persönlichen Gesundheitsinformationen. Andererseits erhalten sie ein Tool, mit dem sie ihre Gesundheit aktiv managen können. Und dass auch die Ärzte und Kliniken durch die Vernetzung mit TK-Safe in ihrer Arbeit unterstützt werden, liegt auf der Hand. In Hessen sind bereits sechs Kliniken angeschlossen und bundesweit können sich 12.000 Ärzte über KV Connect mit TK-Safe vernetzen. Wir begrüßen es, dass ab 2021 alle Krankenkassen elektronische Patientenakten anbieten müssen. Durch die neue Gesetzgebung kommt Dynamik in das Thema“, sagt Dr. Markus Schlobohm, Geschäftsbereichsleiter Unternehmensentwicklung der TK.

IHK Hessen innovativ: Dr. Michael Groß – Chancen durch Startups erkennen und nutzen

„Ob in Prävention, Diagnostik, Therapie oder auch in der Verwaltung – der Bedarf an innovativen digitalen Anwendungen im Gesundheitssystem wird in Zukunft weiter steigen“, prognostiziert Dr. Michael Groß, Vizepräsident der Industrie und Handelskammer, Frankfurt am Main. Doch digitale Innovationen entstehen längst nicht mehr in den geschlossenen Forschungsabteilungen von Unternehmen allein. Hier sind Impulse von außen gefragt. „Großes Potenzial verspricht die Zusammenarbeit mit Startups. Startups überzeugen mit ihren ausgeprägten digitalen Kenntnissen, ihrer Kundenorientierung, ihrer Arbeit in Netzwerken und ihrer kreativen Unternehmenskultur“, so Groß. Die Industrie- und Handelskammern sehen in der Telemedizin zukunftsorientierte Entwicklungsmöglichkeiten besonders für den hessischen Mittelstand. Bei dem von IHK Hessen innovativ organisierten Matchmaking „Startups meet Corporates“ vernetzten sich während des Kongresses zahlreiche digitale Startups und etablierte Unternehmen mit dem Ziel Kooperationen anzubahnen und gemeinsame eHealth-Projekte zu entwickeln.

Veranstalter:

www.gesundheitswirtschaft-rhein-main.de

www.ihk-hessen-innovativ.de/

www.tk.de/tk/regional/hessen/114694

www.soziales.hessen.de

Das BfArM und die Apps

Vor zwei Wochen hatten wir über das „Digitale-Versorgung-Gesetz“ berichtet, das es Ärzten ermöglichen soll, digitale Anwendungen wie Gesundheitsapps zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen zu verordnen. Versicherte mit entsprechender Indikation werden dann einen Leistungsanspruch auf diese Apps haben. Für die Bewertung der Anwendungen und die Erstellung eines Verzeichnisses mit erstattungsfähigen Apps soll das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zuständig sein.

Von dort war jetzt zu hören, wie man sich das Prozedere vorstellt: Auf Antrag des Herstellers prüft das BfArM Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Qualität, Datenschutz und Datensicherheit. Wie es das tut ist noch unklar, in der Mitteilung heißt es lediglich „nach dem Stand der Technik“. Wie bei Arzneimitteln soll jedoch auch bei den Apps geprüft werden, ob durch die Nutzung ein positiver Versorgungseffekt erreicht werden kann. Voraussetzung für die Aufnahme in die Liste soll zudem die Zulassung als Medizinprodukte sein, Klasse I oder IIa. Das scheint uns auf jeden Fall sinnvoll. Es dürfte aber dazu führen, dass viele Apps noch eine zusätzliche Warteschleife drehen müssen, denn bislang haben nur sehr wenige Apps eine solche Zulassung.

Wir werden Sie hier weiter über dieses spannende Thema informieren – nach der Sommerpause. Denn im August macht medicallearning.de Urlaub. Wir sind ab dem 1. September 2019 wieder für Sie da und wünschen bis dahin entspannte Ferien.

 

Ihr Team von medicallearning.de

Regionale Krankenhäuser als wichtige Anlaufstelle?

Zwei Pressemitteilungen der letzten Tage befassten sich mit der Zukunft der klinischen Versorgungssituation in Deutschland.

(Bundesministerium für Gesundheit, 08.07.2019) Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möchte, dass Krankenhäuser auf dem Land mehr Geld bekommen: denn Krankenhäuser in dünn besiedelten Regionen werden ab nächstem Jahr mit zusätzlich 400.000 Euro pro Klinik gefördert. Damit wird eine bessere Versorgung in ländlichen Regionen unterstützt. Bundesweit werden etwa 120 Krankenhäuser gefördert; die Gesamtfördersumme durch die Krankenkassen beträgt pro Jahr 50 Millionen Euro.

„Ein Krankenhaus vor Ort ist für viele Bürger ein Stück Heimat. Es gibt ihnen Geborgenheit und Sicherheit. Gerade in gesundheitlichen Notlagen braucht es eine schnell erreichbare Versorgung vor Ort. Daher werden Krankenhäuser in ländlichen Regionen, zu denen es in erreichbarer Nähe keine Alternative gibt, künftig pauschal mit 400.000 Euro im Jahr bezuschusst. Das ist unbürokratische, konkrete und wirksame Hilfe für den ländlichen Raum.“

Das klingt nachvollziehbar, menschlich. Die Stärkung ländlicher Regionen. Schnelle Erreichbarkeit, auch für die Angehörigen – keine alleinige Konzentration auf die Großstadtkliniken.

In der Mitteilung der Bertelsmann-Stiftung (16.07.2019) über deren neueste Studie war demgegenüber zu lesen:

Mit weniger als der Hälfte der Krankenhäuser wären Patienten in Deutschland besser versorgt In der Bundesrepublik Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser. Eine starke Verringerung der Klinikanzahl, von aktuell knapp 1.400 auf deutlich unter 600 Häuser, würde die Versorgungsqualität für Patienten verbessern und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern.

weisen führende Krankenhausexperten darauf hin, dass viele Krankenhäuser in der Bundesrepublik Deutschland zu klein sind und oftmals nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügen, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall angemessen zu behandeln. Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Konzentration auf deutlich unter 600 statt heute knapp 1.400 Kliniken vermeiden.

Wie sehen unsere User dieses Thema:

Haben Krankenhäuser in ländlichen Regionen noch eine Zukunft?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Thema unter info@health-media.de

Die App auf Rezept kommt

Dass Smartphone-Apps einen Nutzen in der Gesundheitsversorgung haben können, ist unstrittig. Weit verbreitet sind sie heute aber eher im Fitness-Bereich, in der klinischen Medizin führen sie noch ein Mauerblümchen-Dasein. Das soll sich ändern. Gesetzlich Versicherte sollen zukünftig einen Anspruch auf „digitale Gesundheitsanwendungen“ erhalten. Das hat das Bundeskabinett am 10. Juli beschlossen, als es das „Digitale Versorgungsgesetz“ (DVG) durchgewunken hat.

Doch was ist verschreibungsfähig? Gesundheits-Apps werden zukünftig nach einem Verfahren, das vom BfArM (Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte) noch entwickelt werden muss, als Medizinprodukte eingestuft. Anerkannte Produkte in einer Risikoklasse nicht höher als 2a sollen Ärzte wie Medikamente oder Hilfsmittel zu Lasten der GKV verordnen können. Zugelassene Apps sollen dabei über die normalen App-Stores von Apple und Google bezogen werden können, die Kasse erstattet das dann im Nachgang – so der Plan.

Ein Forschungsdatenzentrums soll das alles begleiten und evaluieren, nutzungsberechtigt wären unter anderen die Ärztekammern und die Kassenärztlichen Vereinigungen. Parallel soll das BfArM Übersichten zu verordnungsfähigen Gesundheits-Apps für Vertragsärzte erstellen, sortiert nach Einsatzgebieten.

Unserer Meinung nach hat das DVG Potenzial, auch wenn viele Detailfragen noch offen sind. Fast auf den Tag genau 50 Jahre nach der ersten Mondlandung fühlt man sich an die Worte Neil Armstrongs erinnert: „Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit“. Ein bisschen zumindest …

 

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