Die Zukunft der medizinischen Information

Baden-Württemberg: weiteres Modellprojekt zur ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung

Künftig dürfen baden-württembergische Ärztinnen und Ärzte in einem weiteren Modellprojekt Patienten ohne Präsenzkontakt aus dem Südwesten fernbehandeln. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat ein weiteres Modellprojekt zur ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung genehmigt. Es basiert auf der bundesweit einmaligen Regelung der ärztlichen Berufsordnung in Baden-Württemberg. Damit sind im Südwesten inzwischen sieben Modellprojekte am Start, bei denen die verfasste Ärzteschaft durch das Genehmigungsverfahren die Einhaltung berufsrechtlicher Belange im Sinne des Patientenschutzes überprüft hat.

Ausschließliche ärztliche Fernbehandlung durch Smart Health. Das zunächst auf zwei Jahre angelegte Modellprojekt der Smart Health Heidelberg GmbH bietet eine Einschätzung von Hautproblemen durch einen deutschen Hautfacharzt auf Selbstzahlerbasis. Die zugrundeliegende Software wurde in Zusammenarbeit von Ärzten und Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums, des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen sowie der Universitäts-Hautklinik Heidelberg konzipiert. Der Hautbefund kann dabei sowohl über die App „AppDoc“ (Android & iOS) sowie über ein online-Formular zur Beurteilung eingeschickt werden. Innerhalb von 48 Stunden erhält der Einsender eine qualifizierte ärztliche Erstmeinung.

Wie für alle bisher genehmigten Modelle ist auch für Smart Health Heidelberg GmbH eine begleitende unabhängige wissenschaftliche Evaluation verpflichtend. Mit ihrer Hilfe wird kontinuierlich geprüft, ob Patienten auch bei der ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung die gleiche Qualität und Expertise wie in Praxis oder Krankenhaus geboten wird.

Kammerpräsident Dr. Ulrich Clever, betont: „Wir prüfen jedes Modellprojekt auf Herz und Nieren; unsere Genehmigungspraxis bewährt sich und beugt Wildwuchs in diesem Bereich vor, nicht zuletzt, um die Patienten- und Datensicherheit auch bei dieser neuen Form der Behandlung zu gewährleisten. Arzt und Patient können sich auf Distanz begegnen, und der Mediziner darf eine individuelle Diagnose stellen und, wenn nötig, eine Therapie vorschlagen und einleiten.“

(Quelle: Pressemitteilung der Landesärztekammer Baden-Württemberg vom 21.11.2018; gekürzt)

Siehe auch:

Minxli und DrEd behandeln in Baden-Württemberg

Löschen mit Trockenwasser

Was war das denn für eine Woche, die da gerade hinter uns liegt? Eine Woche, die es an Überraschungen wirklich in sich hatte. Die ARD beschäftigte sich flächendeckend mit dem Thema Gerechtigkeit, die Briten zerfleischten sich selbst über die Brexit-Strategie, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft flog aus der Nations League und die Bundesregierung beschäftigte sich mit den Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.

Ja, kein Witz: Die Bundesregierung hat zum Abschluss der Klausurtagung tatsächlich ihre Umsetzungsstrategie zur Gestaltung des digitalen Wandels vorgelegt. Sie enthält Maßnahmen, die insbesondere „… in zukunftsrelevanten Bereichen wie Mobilität, Gesundheit, Versorgung mit Waren und Dienstleistungen bis hin zu sozialen Angeboten …“  den Erhalt eines attraktiven Lebens- und Arbeitsumfelds ermöglichen sollen. Explizit wiesen Bundeskanzlerin Merkel und Forschungsministerin Karliczek auf das immense Potenzial von Big Data für die medizinische Versorgung hin.

Leider gibt es ein paar Hindernisse auf dem Weg zur KI-Großmacht. So kommt der Breitbandausbau in Deutschland nur im Schneckentempo voran, weil keiner die Kosten übernehmen will. Ohne Breitband wird der flächendeckende Einsatz telemedizinischer Lösungen aber immer nur frommes Wunschdenken bleiben. Und das Medizinstudium ist noch immer so analog, dass die Ärzte Zeitung zurecht fragt: „Wie sollen Medizinstudenten in Deutschland an die Digitalisierung ihres generischen Arbeitsbereiches herangeführt und im Umgang mit innovativen Techniken geschult werden?“.

Jetzt will die Bundesregierung bis zum Jahr 2025 zusätzlich drei Milliarden Euro in die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz investieren. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will damit „… Deutschland zu einem führenden Standort für Künstliche Intelligenz machen, sowohl in der Forschung als auch in der Anwendung“. Mit drei Milliarden Euro, verteilt auf sieben Jahre! Nur zum Vergleich: Technologiefirmen wie Google haben nach Angaben von McKinsey allein im Jahr 2016 rund 30 Milliarden dafür ausgegeben … Durchschnittlich 428 Millionen Euro im Jahr sind da weniger als ein Tropfen für den heißen Stein …

Künstliche Intelligenz in der Augenheilkunde

Künstliche Intelligenz hat sich bei der Klassifizierung zweidimensionaler Fotografien einiger häufiger Krankheiten als vielversprechend erwiesen. Sie stützt sich in der Regel auf Datenbanken mit Millionen kommentierter Bilder. In diesem Blog haben wir bereits über Anwendungen in der Dermatologie berichtet.

Die Autoren des Beitrags „Clinically applicable deep learning for diagnosis and referral in retinal disease“, erschienen in dem Journal nature medicine, haben eine neuartige Deep-Learning-Architektur (wieder einmal Google-Technologie) in der klinischen Routine eingesetzt.

Das System ist in der Lage, 3D-Retina-OCT-Scans auf frühe Anzeichen von Glaukomen, diabetischen Augenerkrankungen und Makuladegeneration hin zu analysieren.

Man hofft, dass das KI-System dazu beitragen kann, das Sehvermögen der Patienten zu retten und erwartet eine weltweite Einführung dieses diagnostischen Werkzeugs.

 

Ohne Deutschland fahr’n wir zur WM …

Die Patientenakte entwickelt sich immer mehr zum Dauerbrenner – nicht nur beim BMG und der Selbstverwaltung, sondern auch hier im Blog. Vor rund sechs Wochen hatten wir vom Start der Gesunheitsakte Vivy berichtet, auf die etwa 13,5 Millionen Versicherte von privaten und gesetzlichen Kassen zugreifen können (Link). Und schon ist es Zeit für ein Update … leider eins, der weniger erfreulichen Art.

Bereits eine Kurzuntersuchung der App nach dem Marktstart zeigte, dass Trackingdaten über die Nutzung des Programms ins Ausland gesendet werden, etwa nach Kalifornien und Singapur. Gegenüber den Medien beschwichtigte der Hersteller damit, dass Tracking zur Verbesserung der Usability nötig sei und sensible Daten nur verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert würden.

IT-Medien berichten in der Zwischenzeit allerdings auch über schwerwiegende Sicherheitsmängel bei der Server-Infrastruktur. Das ist besonders peinlich, weil die Vivy-Macher seit dem Start ihrer App lautstark mit deren Sicherheit Werbung machen. Und die beteiligten Krankenversicherungen – darunter Schwergewichte wie die DAK Gesundheit – verlassen sich mangels eigener Expertise auf solche Dienstleister. Während der Anbieter versichert, alles im Griff zu haben, kommentiert die Online-Plattform netzpolitik.org süffisant: „Nutzer sollten nicht von mehr Privatsphäre als im Wartezimmer oder der Straße vor der Praxis ausgehen.“

Man könnte sich über diese Stümpereien fast totlachen, wäre die Sache nicht so ernst. Denn letztlich sind die Pannen nicht nur für Patienten ärgerlich, die weiter auf eine funktionierende Akte mit ihren unbestrittenen Vorteilen warten müssen. Sondern auch für den Wissenschafts- und Studienstandort Deutschland. Denn während man hier noch verzweifelt versucht, der Basis-Technik Herr zu werden, ist Dänemark zur Topadresse für Big Data-Studien geworden – etwa zur individualisierten Onkologie oder zu seltenen Erkrankungen. Mit einer zentralen Patientenakte und einem anonymisierten Register unter staatlicher Hoheit (sundhed.dk) werden hier viele der Daten generiert, die Grundlage von Top-Veröffentlichungen in Nature oder dem New England Journal of Medicine sind.

Was also tun? Lernen von den Dänen? Fehlanzeige. Lieber machen Kassen, KVen und private Anbieter weiter so und erfinden das Rad noch einmal neu. Und riskieren dabei, dass der Forschungsstandort Deutschland international genauso an Boden verliert, wie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft …

Neue Kosmetik-App hilft Allergikern

Die COSMILE-App scannt den Strichcode auf der Verpackung oder am Verkaufsregal und bedient sich dann einer Inhaltsstoff-Datenbank mit mehr als 23.000 Einträgen. Alle Inhaltsstoffe, die in einem gescannten Produkt enthalten sind, werden mit der deutschen Bezeichnung oder Beschreibung und der jeweiligen Funktion erläutert. Die Informationen umfassen auch Einschätzungen des Umweltbundesamtes oder des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Inhaltsstoffe kosmetischer Produkte werden in den EU-Ländern einheitlich nach der INCI-Systematik (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) bezeichnet. Alle bei der Herstellung verwendeten und im Fertigprodukt noch vorhandenen Bestandteile eines kosmetischen Produktes müssen gekennzeichnet werden. Laut Kosmetikrichtlinie müssen 26 nachgewiesenermaßen hochallergene Duftstoffe einzeln mit ihrem INCI-Namen genannt werden, wenn deren Konzentration in den Produkten bestimmte Werte überschreitet (z.B. in Shampoo mehr als 0,01%, in Lotionen, Make-up oder Sonnencremes über 0,001%).

Insbesondere Allergiker werden von dieser schnellen Identifizierungshilfe beim Einkauf kosmetischer Produkte profitieren. Individuelle Allergieauslöser, wie zum Beispiel Duftstoffe oder andere Stoffe, für die eine Unverträglichkeit bekannt ist, können mit COSMILE leicht erkannt, markiert und zukünftig gemieden werden.

Durch eine direkte Einbindung der Herstellerfirmen verfügt COSMILE stets über einen aktuellen Datenbestand. Der Verbraucher kann ausgewählte Produkte in der App hinterlegen und wird informiert, sobald sich an der Produktformulierung etwas ändert.

Die COSMILE-App ist kostenfrei und dennoch frei von Werbung. Für iOS und Android.

Weitere Informationen zum Download unter https://cosmile.app