Die Zukunft der medizinischen Information

Was halten Ärzte von medizinischen Chatbots?

Chatbots (von „chat“ = unterhalten und „bot“ = Roboter) ermögli­chen eine „Unterhaltung“ per Texteingabe und Sprachanwendungen mit gesproche­ner Sprache. Bekannte Beispiel sind Google Assistant, Amazons Alexa und Apples Siri, mit denen man ein scheinbar normales Gespräch führen kann, um Informationen zu erhalten oder Aktionen aus­zulösen. Auch im Medizinbereich wird ihnen großes Potenzial bescheinigt.

Eine kanadische Studie ging jetzt der Frage nach, wie Ärzte die Verwendung von Chatbots im Gesundheitswesen sehen. Insgesamt 100 praktizierende Ärzte in den USA nahmen daran teil. Sie waren mehrheitlich der Meinung, dass Chatbots am vorteilhaftesten für die Terminvereinbarung (78%), das Auffinden einer passenden Klinik (76%) oder die Bereitstellung von Medikamenteninformationen (71%) sind.

Bei den medizinischen Fakten war das Vertrauen in die Maschinen deutlich geringer. Rund drei Viertel der Ärzte waren der Ansicht, dass Chatbots nicht alle Patientenbedürfnisse wirksam behandeln können (76%) und keine empathischen Emotionen zeigen können (72%). Sie trauen ihnen schlicht keine detaillierte Diagnose und Behandlung zu. Im Grunde könnten Chatbots dieser Erhebung zufolge bestenfalls ein Ersatz für nicht-medizinisches Personal in der Praxis sein.

 

JMIR-Beitrag

Wikipedia zu Chatbots

Krankenhäuser im Digitalisierungsrückstand

Die deutschen Krankenhäuser hinken bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterher. Wie der aktuelle Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, arbeiten rund 40 Prozent der deutschen Krankenhäuser kaum digital. So nutzen sie beispielsweise keine elektronische Patientenakte oder weisen keinen digitalen Medikationsprozess auf, der von der Verordnung bis zum Bett der Patienten reicht. Beides würde die Patientensicherheit deutlich verbessern. Besonders ausgeprägt ist der Digitalisierungsrückstand bei den kleinen Krankenhäusern mit unter 200 Betten.

Woran krankt der digitale Wandel lt. Martin Litsch, dem Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes?

  • einfach nur mehr Geld in die bestehenden Strukturen zu schütten wird den Wandel nicht beschleunigen
  • schlechte Rahmenbedingungen – wie ein zögerlicher Breitbandausbau
  • eine ungenügend ausgeprägte Innovationskultur
  • kleinteilige Versorgungslandschaft

„Dabei bietet eine stärkere Digitalisierung viele Vorteile. Durch die Veränderung interner Abläufe und institutionenübergreifender Prozesse lässt sich beispielsweise die Versorgungskette wirtschaftlicher gestalten. Zudem werden interne und externe Vernetzungen erleichtert und Informationsströme beschleunigt, was die Qualität der Patientenversorgung verbessert“, so Jürgen Klauber (Geschäftsführer des WIdO). Als international beachtetes Musterbeispiel des digitalen Wandels gelte Dänemark, das diesen Prozess seit 1990 auf den Weg gebracht hat.

Der Krankenhaus-Report 2019 „Das digitale Krankenhaus“ ist im jüngst im Springer-Verlag erschienen.

Klauber J, Geraedts M, Friedrich J, Wasem J (Hrsg.)
Krankenhaus-Report 2019, Schwerpunkt: Das digitale Krankenhaus. Springer, Berlin Heidelberg 2019.
Open Access: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-58225-1

Quellen: nach Pressemitteilungen des AOK-Bundesverbandes und des WIdO

Smartphone-Apps und körperliche Aktivität

Smartphone-Apps gelten als vielversprechendes Werkzeug, um Bewegungsmuffel für körperliche Aktivität zugänglicher zu machen. Ob das funktioniert oder nicht kann man aber nicht wirklich sagen, zu widersprüchlich sind die Ergebnisse der verschiedenen „Studien“. Eine australische Forschergruppe hatte sich deshalb vorgenommen, mit einer Metaanalyse für Klarheit zu sorgen.

In insgesamt 7 elektronische Datenbanken suchten sie nach Studien mit Erwachsenen, die eine Smartphone-App als primären oder einzigen Bestandteil einer Intervention für körperliche Aktivität verwendeten. Die Studienqualität wurde mit einem 25-Punkte-Tool bewertet – und von insgesamt 6170 identifizierten Studien erfüllten nur 9 (in Worten neun) Studien mit insgesamt 1740 Teilnehmern die Zulassungskriterien überhaupt.

Im Vergleich zu den Kontrollen führten in diesen Studien Smartphone-Apps zu einem leichten – nicht signifikanten – Anstieg der durchschnittlichen Schritte der Teilnehmer pro Tag. Die Differenz zwischen den Gruppen betrug 476,75 Schritte pro Tag (95% Konfidenzintervall 229,57-1183,07). Subgruppenanalysen deuten darauf hin, dass Kurzzeit-Programme für körperliche Aktivität (< 3 Monate) wirksamer waren als Apps, die über mehr als 3 Monate bewertet wurden und dass Standalone-Apps für körperliche Aktivität effektiver waren als in Kombination mit einer Diät.

Die Autoren sehen in ihren Ergebnisse „bescheidene Beweise“ für die Wirksamkeit von Smartphone-Apps zur Steigerung der körperlichen Aktivität. Wir sehen darin vor allem Hinweise, dass es einheitliche Standards braucht und hochwertige Studiendesigns. Nur die will heute kaum jemand bezahlen …

Romeo A et al. J Med Internet Res 2019; 21: e12053

WHO: Weltweite Influenza-Strategie bis 2030

Die WHO hat eine „Globale Influenza-Strategie für 2019-2030“ veröffentlicht, die darauf abzielt, die Menschen in allen Ländern vor der Influenza-Bedrohung zu schützen. Ziel der Strategie ist es, die saisonale Influenza zu verhindern, die Ausbreitung der Influenza von Tieren auf den Menschen zu kontrollieren und auf die nächste Influenza-Pandemie vorbereitet zu sein.

„Die Gefahr einer Grippepandemie ist allgegenwärtig“, sagte WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Das anhaltende Risiko, dass ein neues Influenza-Virus von Tieren auf Menschen übertragen wird und möglicherweise eine Pandemie verursacht, ist real. Die Frage ist nicht, ob wir eine andere Pandemie haben werden, sondern wann. Wir müssen wachsam und bereit sein – die Kosten eines großen Influenza-Ausbruchs werden den Preis der Prävention bei Weitem überwiegen. “

Influenza ist nach wie vor eine der größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit der Welt. Weltweit gibt es jedes Jahr schätzungsweise eine Milliarde Fälle, von denen 3 bis 5 Millionen schwere Fälle sind, die zu 290 000 bis 650 000 Toten durch Influenza führten. Die WHO empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung als wirksamste Methode zur Vorbeugung gegen Influenza. Die Impfung ist besonders wichtig für Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Influenza-Komplikationen und für Angestellte im Gesundheitswesen.

Die neue Strategie ist die umfassendste und weitreichendste, die die WHO jemals für Influenza entwickelt hat. Sie umreißt einen Weg, um die Bevölkerung jedes Jahr zu schützen, und hilft durch die Stärkung von Routineprogrammen bei der Vorbereitung auf eine Pandemie. Sie hat zwei übergeordnete Ziele:

  • Aufbau von stärkeren Länderkapazitäten für die Überwachung und Reaktion auf Krankheiten, Prävention, Kontrolle und Abwehrbereitschaft. Um dies zu erreichen, muss jedes Land ein maßgeschneidertes Influenza-Programm haben, das zur nationalen und globalen Vorbereitung und Gesundheitssicherheit beiträgt.
  • Entwicklung besserer Instrumente zur Vorbeugung, Aufdeckung, Bekämpfung und Behandlung von Influenza, z. B. wirksamere Impfstoffe, Virostatika und Behandlungen, mit dem Ziel diese für alle Länder verfügbar zu machen.

Die Strategie erfüllt ein Mandat der WHO zur Verbesserung der Kernkapazitäten für die öffentliche Gesundheit und zur Verbesserung der globalen Bereitschaft. Sie wurde im Rahmen eines Konsultationsprozesses mit Beiträgen der Mitgliedstaaten, der Hochschulen, der Zivilgesellschaft, der Industrie sowie interner und externer Experten entwickelt.

Die Unterstützung der Länder bei der Stärkung ihrer Influenzakapazität wird im Allgemeinen zur Erkennung von Infektionen von Vorteil sein, da andere Infektionskrankheiten wie Ebola oder das „Middle East respiratory syndrome coronavirus“ (MERS-CoV) besser erkannt werden können.

(Nach einer Pressemitteilung der WHO vom 11.03.2019, gekürzt)

Maschinen brauchen Kontrolle

Gestern ist in Äthiopien ein Flugzeug mit 157 Menschen an Bord abgestürzt. Tragisch. Schnell kommen dann Vorurteile wie „afrikanische Airline“, „uralte Maschine“ und ähnliche aus der Schublade. Doch weit gefehlt. Ethiopian Airlines galt bislang als eine der sichersten Fluggesellschaften weltweit und die Unglücksmaschine war gerade einmal vier Monate alt.

Zwar kennt man die Ursache noch nicht, aber ein anderer böser Verdacht steht im Raum: Die „Künstliche Intelligenz“ (KI) des Flugzeugs könnte zur Katastrophe geführt haben. Denn erst vor vier Monaten war ein ebenfalls neues Flugzeug dieses Typs abgestürzt und zwischen den beiden Unglücken gibt es erschreckende Parallelen. Die Spekulation dreht sich um eine spezielle Software, die eigentlich einen Strömungsabriss und damit einen Absturz verhindern soll. Dabei führt das Flugzeug selbsttätig Manöver aus, wenn die Piloten nicht entsprechend eingreifen.

Ob es jetzt tatsächlich die Software war oder nicht, wird sich zeigen. Es könnte zumindest so sein und schon das sollte uns zu denken geben. Denn wir sind gerade dabei, auch in der Medizin Entscheidungen in die Hand von Maschinen zu legen. Mit möglicherweise ähnlich fatalen Konsequenzen? Künstliche Intelligenz ist ja keinesfalls unfehlbar. Wissenschaftler der Princeton University haben 2017 in einem Science-Paper (Link) gezeigt, dass lernende Systeme, die von Menschen trainiert werden, anfällig für dieselben Vorurteile und Fehler sind wie ihre „Trainer“.

Ohne schwarz zu malen: Wir müssen verhindern, dass Bots und „embedded systems“ in medizintechnischen Geräten Entscheidungen treffen, die wir nicht mehr kontrollieren können und die am Ende den Patienten schaden.