Die Zukunft der medizinischen Information

Künstliche Intelligenz und Dermatologie

Im Dezember 2017 berichteten zahlreiche Medien über Google´s künstliche Intelligenz AlphaZero, die sich in kurzer Zeit das Schachspielen selbst beigebracht und danach das bis dahin beste Schachprogramm geschlagen hat. Von menschlichen Gegnern redet man schon gar nicht mehr.

Nun hat eine Wissenschaftlergruppe um den Heidelberger Uni-Dermatologen Prof. Dr. med. Holger Hänßle eine sehr beachtenswerte Untersuchung in den „Annals of Oncology“ publiziert.
Unter Einsatz von Google’s Inception v4 CNN (steht für Convolutional Neural Network) wurde die Diagnosequalität bei gut- und bösartigen Hautläsionen verglichen. Das Ergebnis zeigte, dass die künstliche Intelligenz besser differenzieren konnte als die Hautärzte. Höhere Spezifität, höhere Sensitivität.

“Most dermatologists were outperformed by the CNN”, so das Fazit. Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Medizin steht erst am Anfang, wird aber mittelfristig mindestens eine wertvolle Unterstützung für den diagnostizierenden Arzt darstellen.

Abstract in den Annals of Oncology

Transhumanismus – sieht so die Medizinische Information 2050 aus?

Die Deutsche Gesellschaft für Anti Aging-Medizin (GSAAM) ist keine Ansammlung von Science Fiction Fans, sondern eine ernst zu nehmende wissenschaftliche Fachgesellschaft. Sie beschäftigt sich mit den Fragen des Alterns und damit, welche der physiologischen Alterungsprozesse des menschlichen Körpers sich vielleicht beeinflussen oder aufhalten lassen. Als Fakten gelten hier vor allem die Ergebnisse prospektiver randomisierter Studien.

Umso erstaunlicher scheint es da auf den ersten Blick, wenn die GSAAM auf ihrem Jahreskongress im München Anfang Juni 2018 in einer wissenschaftlichen Session das Thema Transhumanismus aufgreift. Was das ist? Wikipedia definiert Transhumanismus als „eine philosophische Denkrichtung, die die Grenzen menschlicher Möglichkeiten – sei es intellektuell, physisch oder psychisch – durch den Einsatz technologischer Verfahren erweitern will.“

Eins der Ziele des Transhumanismus ist es, mit Neuroprothesen besser zu denken. IT also nicht nur als Mittel, um Gesundheitsdaten zu dokumentieren und für therapeutische Zwecke auszuwerten, sondern als Therapie zur Verbesserung der Lebensqualität. Das hört sich erst einmal spinnert an, doch schon heute ermöglichen Cochlea-Implantate Tauben und Schwerhörigen ein weitgehendes normales Hören und Retina-Implantate für Blinde befinden sich in der klinischen Er­probung.

Und es geht weiter. Das Human Brain Project ist aktuell dabei, das Gehirn komplett zu katalogisieren – ähnlich dem Human Genome Project vor 15 Jahren. Sollte es gelingen, ein menschliches Gehirn vollständig im Computermodell zu si­mulieren, dann finden sich vermutlich auch Wege, menschliches „Bewusstsein“ auf ein anderes Medium zu übertragen. Und natürlich ist dann die Versuchung groß, nicht nur eine Sicherheitskopie des Gehirns anzulegen, sondern auch gleich den einen oder anderen Fehler zu korrigieren.

Klingt alles Spooky, das finden wir auch. Aber ist es deshalb unwahrscheinlich? Noch vor 35 Jahren hätte uns jeder für bekloppt erklärt, dem wir erklärt hätten, dass 2018 in jeder Hosentasche ein Computer steckt, der telefoniert, fotografiert, Schritte und Puls misst und Smartphone heißt. Warten wir es also ab. Wie weit der Weg bis zum intrazerebralen Internetanschluss noch ist, konnte uns auch in München keiner sagen.

 

www.humanbrainproject.eu

Computerspielsucht im ICD-11

Heute erscheint der neue ICD-11, in dem erstmalig eine neue Krankheit aufgenommen wurde: die Computerspielsucht – oder engl. Gaming Disorder. Die Aufnahmen war nicht unumstritten. Einerseits gab es Bedenken, dass andere zugrunde liegende Krankheiten (z.B. Depressionen) nicht ausreichend berücksichtigt werden. Andererseits wurde vor einer Stigmatisierung der Computerspieler gewarnt.

Die genaue Beschreibung der Krankheit seitens der WHO liest sich so:

Gaming disorder is characterized by a pattern of persistent or recurrent gaming behaviour (‘digital gaming’ or ‘video-gaming’), which may be online (i.e., over the internet) or offline, manifested by: 1) impaired control over gaming (e.g., onset, frequency, intensity, duration, termination, context); 2) increasing priority given to gaming to the extent that gaming takes precedence over other life interests and daily activities; and 3) continuation or escalation of gaming despite the occurrence of negative consequences. The behaviour pattern is of sufficient severity to result in significant impairment in personal, family, social, educational, occupational or other important areas of functioning. The pattern of gaming behaviour may be continuous or episodic and recurrent. The gaming behaviour and other features are normally evident over a period of at least 12 months in order for a diagnosis to be assigned, although the required duration may be shortened if all diagnostic requirements are met and symptoms are severe.

Minxli und DrEd behandeln in Baden-Württemberg

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat zwei weitere Modellprojekte zur ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung genehmigt. Sie basieren auf der bundesweit einmaligen Regelung der ärztlichen Berufsordnung in Baden-Württemberg.

Ausschließliche ärztliche Fernbehandlung durch Minxli. In dem zunächst auf ein Jahr angelegten Modellprojekt des Münchener Unternehmens Minxli sollen Studierende der Universitäten Heidelberg und Karlsruhe in ihrer neuen Lebensumgebung bei gesundheitlichen Problemen mittels einer Smartphone-App den Kontakt zu baden-württembergischen Ärztinnen und Ärzten aufnehmen können. Diese treten dann in einer Videosprechstunde mit dem Patienten in Dialog, um nach entsprechender Anamnese eine Diagnose zu stellen und gegebenenfalls die Behandlung einzuleiten. – Minxli ist ein Anbieter von Online-Offline-Lösungen für Arztpraxen.

Ausschließliche ärztliche Fernbehandlung durch DrEd. Die deutsche Niederlassung der britischen online-Arztpraxis DrEd wird im Rahmen eines Modellprojektes baden-württembergischen Bürgern die ausschließliche Fernbehandlung durch baden-württembergische Ärztinnen und Ärzten zunächst für eine Dauer von zwei Jahren anbieten. Bei Kontaktaufnahme beantwortet der Patient zunächst einen medizinischen Fragebogen, anhand dessen die Ärzte beurteilen, ob eine telemedizinische Beratung und ggf. Behandlung sinnvoll ist. Falls ja erfolgt die Behandlung mit Diagnosestellung und gegebenenfalls Verordnung. Andernfalls wird der Patient an niedergelassene Ärzte verwiesen.

Begleitende wissenschaftliche Evaluationen prüfen in jedem einzelnen Modellprojekt kontinuierlich, ob Patienten auch bei der ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung die gleiche Qualität und Expertise wie in Praxis oder Krankenhaus geboten wird. Kammerpräsident Dr. Ulrich Clever, betont: „Die Landesärztekammer Baden-Württemberg war und ist Vorreiter für die ausschließliche ärztliche Fernbehandlung. Vor dem Hintergrund unserer Berufsordnung hatten wir bereits vier Modellprojekte genehmigt und freuen uns sehr, dass nun zwei weitere hinzukommen. Arzt und Patient können sich auf Distanz begegnen, und der Mediziner darf eine individuelle Diagnose stellen und die Therapie einleiten.“
(…)

Quelle: Pressemeldung der Landesärztekammer Baden-Württemberg vom 29.05.2018, gekürzt

Taugt die Blockchain als Patientenakte?

Das Prinzip der Blockchain kam in den letzten Monaten durch die Kryptowährung Bitcoin zu einer gewissen Popularität. Dabei ist es nichts anderes, als ein dezentrales inhaltsneutrales „Buchführungssystem“. Entscheidend ist, so schreibt es Wikipedia, „dass spätere Transaktionen auf früheren Transaktionen aufbauen und diese als richtig bestätigen, indem sie die Kenntnis der früheren Transaktionen beweisen. Damit wird es unmöglich gemacht, Existenz oder Inhalt der früheren Transaktionen zu manipulieren oder zu tilgen.“

Das sind letztendlich die Attribute, die auch für eine Elektronische Patientenakte gefordert werden. Bereits im letzten Jahr stellte Technology Review einen Prototypen vor, den Forscher am MIT Media Lab entwickelt hatten (MedRec). Größter Knackpunkt: Die Verifizierung durch Mining – wie aktuell bei den Bitcoins – ist rechenintensiv, sodass die dafür eingesetzten Computer viel Strom verbrauchen. Und entsprechende Kosten produzieren.

Ob das im Gesundheitsbereich überhaupt nötig sein wird, ist aktuell Thema kontroverser Diskussionen. Zum Beispiel könnten für die Verifizierung von Informationstransaktionen die in manchen Krankenhäusern reichlich vorhandenen Rechenkapazitäten genutzt werden. So oder so hängt der Nutzen einer Blockchain für das Gesundheitswesen davon ab, ob Kliniken, Praxen und andere Organisationen bereit sind, die nötige technische Infrastruktur aufzubauen. Wir sind gespannt … Ein interessantes White Paper zum möglichen Einsatz von Blockchains im deutschen Gesundheitswesen finden Sie auf der Website von Deloitte.

Download White Paper