Die Zukunft der medizinischen Information

Neue Onkologie-Zeitschrift

Die Zeitschriften-Familie DER PRIVATARZT, die in der Egelsbacher MIM Verlagsgesellschaft erscheint, hat nun Familienzuwachs bekommen. Die neueste Zeitschrift trägt den Titel DER PA ONKOLOGIE & HÄMATOLOGIE und ist jüngst als Erstausgabe erschienen. Auch wenn wir primär digitale Produkte bevorzugen: wir schauen uns den neuen Print-Titel gern einmal an. Was uns auf den ersten Blick gefällt, ist das magazinartige Erscheinungsbild. Redaktionell geformt; kurze, gut lesbare Texte; sauber strukturiert und vielfältig. Die Zeitschrift macht nicht den Fehler drittklassige Originalbeiträge abzudrucken um die Seiten zu füllen, sondern positioniert sich bewusst eigenständig in der Vielfalt der bereits existierenden onkologischen und hämatologischen Zeitschriften.

Wir zitieren an dieser Stelle gern aus dem Vorwort des Herausgebers Prof. Dr. med. Matthias Theobald aus Mainz: „Ab 2019 wird der PA Onkologie & Hämatologie viermal im Jahr erscheinen. Drei von Experten verfasste Schwerpunktthemen stellen in jeder Ausgabe aktuelle Therapieoption vor und natürlich fassen wir für Sie die Highlights der nationalen und internationalen Kongressen zusammen. Damit bietet das Fachjournal Informationen aus erster Hand für niedergelassene Kollegen und Kliniker. Darüber hinaus stellen wir – ganz im Sinne der Transnationalen Onkologie – auch Therapien vor, die aktuell nur im Rahmen von Studien oder off label genutzt werden, bald aber in Leitlinien aufgenommen werden.“

Gut gefallen hat uns auch der Einhefter „ONKO-TEAM“, der – konzipiert für Pflegende und MFAs – den Stellenwert der Betreuung der onkologischen Patienten unterstreicht. Wichtigen Themen wie Therapiebegleitung und Patientenkommunikation werden hier abgehandelt.

Rundum ein modernes Medizin-Magazin – wir warten gespannt auf die digitalen Ableger und Ergänzungen.

Weitere Informationen beim Verlag.

Vivy & Co. – Die Akte light

Die endlose Geschichte der Patientenakte haben wir ja schon öfter thematisiert – jetzt ist sie um ein neues Kapitel reicher. Denn letzte Woche haben 14 gesetzliche und zwei private Krankenversicherungen, darunter die DAK Gesundheit mit über 5,7 Millionen Versicherten, ihre Kunden informiert, dass die App Vivy für sie zur Verfügung steht. Insgesamt 13,5 Millionen Versicherte sollen ihre persönlichen Gesundheitsdaten in der App verwalten können.

Nun ist Vivy nicht die erste E-Gesundheitsakte. AOK und TK stehen mit ähnlichen Projekten in den Startlöchern, daneben sind auch kassenunabhängige Anbieter im Rennen, zum Beispiel CompuGroup Medical und vitabook. Schon bald könnte in Deutschland also eine weitgehend flächendeckende Gesundheitsakten-Infrastruktur vorliegen. Die oft beschriebenen Vorteile wie Vermeidung von Doppeluntersuchungen oder höhere Arzneimitteltherapiesicherheit scheinen also plötzlich zum Greifen nah.

Die Daten müssen auch keinesfalls vom Versicherten in einer Art doppelter Buchhaltung eingepflegt werden. Ab Ende 2018 will Vivy die Schnittstelle KV-Connect Mobile für den verschlüsselten Datenaustausch mit Ärzten in Praxen, Krankenhäusern und Laboren nutzen und die Daten könnten dann zukünftig direkt aus der Praxisverwaltungssoftware heraus mit der Vivy-Akte synchronisiert werden. Dabei sollen mehrstufige Sicherheitsprozesse und eine asymmetrische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zum Einsatz kommen, für die nur der Nutzer selbst den Schlüssel hat.

Der Patient als Herr seiner Daten. Endlich. Doch das kann noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Denn diese Infrastruktur hat bei allem Guten auch ihre Lücken. Etwa wenn Patienten nicht mehr selbst in der Lage sind, für die Verwaltung ihrer Daten zu sorgen. Die sektorübergreifende Patientenakte, an der die gematik seit Jahren bastelt, sollte besser heute als morgen startklar sein, um die Vorteile der Digitalisierung wirklich durchgängig verfügbar zu machen. Wie die „Akten light“ von heute dann mit der E-Health-Gesetz konformen Lösung von morgen zusammengeschaltet werden können, ist noch völlig unklar. Es bleibt also spannend.

Im Mainstream angekommen: Digital Health auf der IFA

In den letzten beiden Ausgaben hatten wir Ihnen zwei Beispiele vorgestellt, wie Apps und mobile Devices Patienten unterstützen können – Sie finden Sie weiter unten auf dieser Seite. Dass trotzdem nach wie vor kontrovers diskutiert wird, ob und wie diese digitalen Helfer in den klinischen Alltag integriert werden können, mutet da fast schon skurril an.

Dabei ist das Thema längst im Mainstream angekommen. Das konnte man zuletzt wieder auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin beobachten. Wo es sonst allein um Unterhaltungselektronik geht, konnte man in Halle 4.2 die Ausstellung „Neue Wearables für Gesundheit und Fitness“ besuchen – eines von acht Segmenten, die von der IFA als besonders aktuelles Thema angesehen werden.

Die Messeveranstalter waren begeistert von der Resonanz: „Überhaupt nicht „normal“ war hingegen das, was zum Thema Fitness & Gesundheit auf der IFA 2017 dem interessierten Besucher geboten und gezeigt wurde. Die komplette Halle 4.2 war einzig diesem Top-Thema gewidmet. Und damit nicht genug: einige große Aussteller, wie beispielsweise Samsung, haben selbstredend ihre bisherigen Ausstellungsflächen beibehalten und ihre Novitäten zum Thema dann dort präsentiert.“ Und bei der IFA TecWatch gab es einen eigenen Digital-Health-Tag, wo Startups ihre Ideen präsentieren konnten, wie sich die Gesundheitsversorgung der Menschen durch Digital Health optimieren lässt.

Dass die Selbstverwaltung das Thema weiter verschläft und Google & Co. – die massiv in Healthcare investieren – die Arena überlässt, sollte uns zu denken geben. Denn man muss kein Schwarzseher sein um zu ahnen, dass diese Firmen damit mittelfristig Zugang zu unseren Gesundheitsdaten wollen. Die Frage ist: Wollen wir das? Wie es anders gehen könnte, zeigt ein Interview mit Prof. Ernst Hafen im eBook „Die Zukunft der Medizinischen Information“.

Die Zukunft der medizinischen Information_Interview_Hafen

Telemedizin rettet Herzpatienten

Die Fontane-Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat erstmals nachgewiesen, dass die telemedizinische Mitbetreuung das Leben von Herzpatienten verlängern kann. Zudem ist die Telemedizin gleichermaßen für Patienten im ländlichen Raum und in Metropolregionen geeignet. Die fünfjährige Studie, an der mehr als 1.500 Patientinnen und Patienten teilgenommen haben, wurde mit verschiedenen Partnern und in enger Kooperation mit zwei großen Krankenkassen durchgeführt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Projekt mit 10,2 Millionen Euro gefördert. Jetzt wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Rund 1,8 Millionen Deutsche leiden an einer chronischen Herzinsuffizienz, jährlich kommen rund 300.000 Neuerkrankungen hinzu. In den vergangenen zehn Jahren war sie die häufigste Ursache für stationäre Aufnahmen. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Gesundheitsregion der Zukunft Nordbrandenburg – Fontane“ wurden vom Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin der Charité mehr als 1.500 Patienten mit dieser Herzerkrankung untersucht. Die Hälfte von ihnen wurde telemedizinisch mitbetreut, die andere Hälfte blieb konventionell behandelt. Die ärztliche Betreuung der Patienten am Wohnort wurde bundesweit durch 113 kardiologische und 87 hausärztliche Einrichtungen gewährleistet. Ziel der Studie war es, die Patienten möglichst lange außerhalb eines Krankenhauses behandeln zu können und die Lebenserwartung sowie die Lebensqualität zu erhöhen. Zudem sollte überprüft werden, ob Telemedizin strukturelle Defizite der medizinischen Versorgung auf dem Land gegenüber städtischen Regionen ausgleichen kann.

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Telemedizinpatienten weniger Tage aufgrund von ungeplanten kardiovaskulären Ereignissen im Krankenhaus verbringen mussten und länger lebten: Bezogen auf die einjährige Studiendauer „verloren“ sie 17,8 Tage im Vergleich zu 24,2 Tagen in der Kontrollgruppe. Zudem starben von 100 Herzinsuffizienzpatienten in einem Jahr unter den regulären Bedingungen etwa 11 Patienten, mit telemedizinischer Mitbetreuung hingegen etwa 8 Patienten. Auch bei den ungeplanten Krankenhaustagen wegen Herzinsuffizienz gab es mit 3,8 gegenüber 5,6 Tagen einen Vorteil für die Telemonitoring-Gruppe. Diese Ergebnisse wurden unabhängig davon erreicht, ob der Patient in einer strukturschwachen ländlichen Gegend oder in einer Metropolregion lebte. Damit eignet sich die Telemedizin, um regionale Versorgungsunterschiede zwischen Stadt und Land auszugleichen und die Versorgungsqualität insgesamt zu verbessern.

Weitere Informationen:
Fontane-Studie: „Telemedizinische Mitbetreuung bei Patienten mit Chronischer Herzinsuffizienz“ (TIM-HF2)
http://www.fontane-studie.de/

Nach einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom 27.08.2018 (gekürzt)

Migräne-App hilft

50 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Kopfschmerzen, vier Millionen sogar täglich. Eine aktuelle Studie (1.464 App-Nutzer, online befragt) der Schmerzklinik Kiel und der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt: Bei Einsatz einer Migräne-App lassen sich Schmerztage deutlich reduzieren. So leiden die Nutzer einer solchen App der TK im Schnitt rund drei Tage im Monat weniger an Kopfschmerzen als ohne Nutzung der App – durchschnittlich an 10 statt 13,3 Tagen im Monat (minus 25 Prozent).

App-Nutzung reduziert Medikamententage
„Die Studie zeigt deutlich, dass die Patienten von der Begleitung ihrer Behandlung mit der Migräne-App profitieren. Sie haben weniger Kopfschmerztage pro Monat, und auch die Notwendigkeit für die Einnahme von Akutmedikamenten gegen Kopfschmerzen nimmt ab“, fasst Prof. Dr. Hartmut Göbel, ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel, die Studienergebnisse zusammen. Zum Vergleich: Die meisten vorbeugenden Kopfschmerzpräparate reduzieren die Anzahl der Kopfschmerztage im Mittel um ein bis zwei Tage pro Monat. Der Vorstandsvorsitzende der TK, Dr. Jens Baas, sagt: „Die Migräne-App zeigt, dass gut gemachte digitale Angebote in der Gesundheitsversorgung wirklich etwas bringen.“ Die App habe einen spürbaren Mehrwert für den Patienten.

5,3 Millionen weniger Kopfschmerztage pro Jahr
„Hochgerechnet auf alle Nutzer der App, lässt sich bei aktuell 136.000 Downloads die Reduktion der Kopfschmerztage auf 5,3 Millionen Tage pro Jahr beziffern“, so Schmerzexperte Göbel. Die Untersuchung belegt auch, dass die App die ärztliche Behandlung unterstützt und die digitale Medizin in der modernen ärztlichen Sprechstunde angekommen ist. Sieben von zehn befragten Nutzern (71 Prozent) bringen die Migräne-App zum Arztbesuch mit. 58 Prozent nutzen die App-Ergebnisse, um gemeinsam mit ihrem Arzt über die Therapie zu entscheiden, insbesondere um die Medikation anzupassen. 76 Prozent sagen, dass die App ihnen dabei hilft, ihren mit dem Arzt erstellten Behandlungsplan einzuhalten. Zudem ziehen 80 Prozent die App-Lösung einem herkömmlichen Schmerztagebuch auf Papier vor.

Das leistet die Migräne-App
Die Migräne-App der TK unterstützt Patienten mit chronischen Kopfschmerzen dabei, ihren Krankheitsverlauf digital genau zu dokumentieren, mit wenigen Klicks zu analysieren und zu kontrollieren. Außerdem informiert sie die Nutzer und schlägt auf der Grundlage der eingegebenen individuellen Daten Verhaltensmaßnahmen vor. Überschreitet der Nutzer beispielsweise die maximal erlaubte Akutmedikation von höchstens neun Tagen im Monat, erhält er einen Warnhinweis. Den Patienten stehen zudem umfangreiche Informations- und Selbsthilfetools zur Verfügung. Damit können sie zum Beispiel einen Schmerzspezialisten in der Nähe finden, direkt auf den TK-Kopfschmerzcoach zugreifen oder unter Anleitung bei Progressiver Muskelentspannung entspannen.

Digitale Orientierung: Migräne-Aura oder Schlaganfall?
Seit dem Frühjahr enthält die Migräne-App zudem die Simulation einer Migräne-Aura. Sie zeigt wie visuelle Störungen bei Migräne-Attacken aussehen. Das sei wichtig, da die Symptome häufig mit denen eines Schlaganfalls verwechselt würden, erläutert Neurologe Göbel. Die Nutzer wissen das zu schätzen: 40 Prozent der Befragten lobten, dass sie damit erstmals anderen verständlich machen können, wie sich das Sichtfeld bei einer Migräne-Aura einschränkt.

Nach einer Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse von August 2018