Die Zukunft der medizinischen Information

Künstliche Intelligenz in der Medizin – Definitionen

Bereits in der letzten Woche war die künstliche Intelligenz (KI) ein Thema unseres Blogs, seinerzeit am Beispiel des „Assistenzarztes“ Xiaoyi. Die KI ist aktuell eines der Topthemen jedweder informationstechnologischen Gattung. Die EU-Kommission forderte unlängst öffentliche und private Investitionen von 20 Mrd. Euro bis 2020 in die künstliche Intelligenz und wird ihre Forschungsmittel ebenfalls aufstocken. Dies geschieht, um bei Forschung und Anwendungsentwicklung im Spiel zu bleiben – und das Zukunftsfeld nicht völlig den USA und China zu überlassen.

Das Beschlussprotokoll des diesjährigen Ärztetages liest sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung in der Medizin wie folgt: „Beispiele für Themenfelder sind die rasch voranschreitenden Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) und des sogenannten Machine Learning, die permanente Sammlung eigener medizinischer Daten durch Gesunde und Patientinnen und Patienten (Self-Tracking) oder veränderte Methoden des Erkenntnisgewinns durch die Analyse riesiger Datenmengen aus der Regelversorgung (Big Data).“

Die KI – ein Thema, das uns nicht nur in diesem Blog zukünftig begleiten wird. Heute möchten wir zunächst einige Grundbegriffe klären, bevor wir uns in unregelmäßigen Abständen immer wieder der KI annehmen werden.

Machine Learning. Künstliche Systeme lernen aus Beispielen und können nach einer sogenannten Trainingsphase diese nachfolgend verallgemeinern. Es wird also nicht „auswendig gelernt“, sondern es werden in den Datensätzen Muster und Regelmäßigkeiten erkannt – also Generierung von Wissen aus Erfahrung. Mithilfe von selbstlernenden Algorithmen erfolgt die praktische Umsetzung. Mögliche Anwendung in der Medizin: automatisierte Diagnoseverfahren.
Deep Learning. Ein Teilbereich des Machine Learning. Nutzt künstliche neuronale Netze, d.h. das menschliche Gehirn dient als Vorbild. Diese neuronalen Netze bestehen aus einer Eingangsschicht, einer Ausgangsschicht und mehreren verdeckten Schichten. Das Wissen des neuronalen Netzes wird in den Verbindungen zwischen den Neuronen gespeichert. Das vorhandene Wissen kann repetitiv mit weiteren Inhalten optimiert werden, das System lernt. Letztlich ist die Maschine in der Lage Entscheidungen zu treffen – dies bedingt nicht nur in der Medizin eine ethische Diskussion.

Das war erst der Anfang …

Auf dem Ärztetag vor zwei Wochen wurde das Fernbehandlungsverbot gekippt und in der letzten Woche haben wir hier die Argumente von Befürwortern und Kritikern gegenüber gestellt. Eines der Argumente der Gegner: Wer stellt denn sicher, dass z.B. die Mitarbeiter eines Callcenters entsprechend ausgebildet und qualifiziert sind?

Das Argument ist genauso gewichtig wie falsch. Auf mittlere Sicht werden es nämlich vermutlich gar keine Menschen mehr sein, die dort Anfragen beantworten, sondern Maschinen mit Künstlicher Intelligenz (KI). Wie so etwas aussehen könnte berichteten in der letzten Woche verschiedene Medien wie Heise online oder die Ärzte Zeitung: Ein chinesischer Roboter hatte weltweit als erster die nationale Medizinprüfung bestanden.

Xiaoyi, so sein Name, wurde von der chinesischen KI-Firma iFlyTek mit einem KI-System ausgestattet und mit den Inhalten von medizinischen Lehrbüchern, Patientenakten und medizinischen Texten und Bildern gefüttert. Den schriftlichen Test absolvierte er mit Bravour und holte deutlich mehr Punkte als erforderlich.

Auf den Markt kommen soll er als „Assistenzroboter“ und Ärzte bei der Diagnose unterstützen. In einer chinisischen Klinik steht ihm jetzt erst einmal eine Art PJ bevor: Hier soll er zeigen, ob er in der Tat in wirklichen medizinischen Fällen helfen kann. Neben einer Karriere in der Onkologie – ähnlich wie Watson von IBM – sehen seine Schöpfer ihn auch als Assistenten von Landärzten, weil die chronisch überlastet sind. Und das ist nicht nur in China so.

Beitrag auf Heise online
Beitrag der Ärzte Zeitung

Ausschließliche Fernbehandlung: Pro und Contra

Pressemeldung der Bundesärztekammer vom 10.5.2018: „Der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt hat heute mit überwältigender Mehrheit eine Neufassung des § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte beschlossen und damit den berufsrechtlichen Weg für die ausschließliche Fernbehandlung von Patientinnen und Patienten geebnet. (…)“
Die Neuregelung wurde bekannterweise schon beim letzten Ärztetag eingefordert. Nun wurde sie verabschiedet. Welche Auswirkungen die Änderung der Berufsordnung haben wird, muss sich in der Praxis noch zeigen. Die zuständigen Landesärztekammern müssen ohnehin in ihrem Einflussbereich die Änderungen umsetzen, was erfahrungsgemäß sicherlich 1 -2 Jahre dauern wird. Die Zukunft beginnt also nicht gleich morgen. Ärztefunktionäre stellten aber schon klar, dass der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt weiterhin den `Goldstandard` ärztlichen Handelns darstellen soll.

Anbieter von Digital-Lösungen im Gesundheitswesen erhoffen sich neue Absatzchancen, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen unterstützen telemedizinische Anwendungen, wie z. B. die Online-Sprechstunde. Bei zu befürchtender rückläufiger ärztlicher Versorgung in manchen ländlichen Regionen, kann ohne technologische Lösungen nicht mehr geplant werden. Erreichbarkeitsanalysen (wie kommt der Patient zum Arzt?) zeigen ja bereits jetzt, dass es auch in den alten Bundesländern bereits Versorgungslücken gibt.

Also: völlig freie Fahrt in die telemedizinische Zukunft? Nicht ganz. Die „Freie Ärzteschaft“ meint: „Fernbehandlung soll nicht die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens durch kapitalorientierte Gesellschaften verstärken und beispielsweise in Callcentern stattfinden“. Krankschreibungen im Rahmen ausschließlicher Fernbehandlung sollen deshalb nicht stattfinden.

Wie stehen denn eigentlich die User (als potentielle Patienten) in den Online-Foren zum Thema? Die sehen deutliche Vorteile wie den Wegfall der Anfahrt zur Praxis oder die geringere Wartezeit. Sind aber auch skeptisch bzgl. der Qualifikation des Call-Centers, des Datenschutzes und sorgen sich, dass Hausbesuche eines Tages völlig durch die Gesundheits-IT übernommen werden könnten.
Hier entsteht gerade ein neuer, großer Markt innerhalb des Gesundheitswesens. Telemedizin-Anbieter, wie die Schweizer Medi24, freuen sich über die Wachstumschancen.

Der Ärztetag und die medizinische Information …

Seit gestern findet in  Erfurt der Deutsche Ärztetag statt. Die Liste der zu behandelnden Themen ist wie immer lang. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht das Thema Digitalisierung und mit ihr das Fernbehandlungsverbot.

Den Aufschlag machte Gesundheitsminister Spahn in einem Interview mit der Ärzte Zeitung. Die Frage, nach einer Lockerung des Fernbehandlungsverbots beantwortete er so: „Eines ist klar: Entweder wir gestalten die Digitalisierung des Gesundheitswesens gemeinsam – Ärzteschaft, Gesundheitswesen und Politik – oder es gibt Angebote von außen: Apple, Google, Dr. Ed. Die Patienten wollen offensichtlich digitale Angebote. Wenn es hilft, sollten wir die dann auch machen. Etwa wenn es um einfache Abklärungsfragen oder Rückfragen an Ärzte geht oder um die Verlängerung eines Rezepts. Das sollte auch online möglich sein. Das spart Wege und Wartezeiten und gibt dem Arzt Freiraum für Patienten, für die er mehr Aufmerksamkeit braucht. Das heißt nicht, ab jetzt alles nur noch online. Das ist nur ein Zusatzangebot. Der direkte Arzt-Patienten-Kontakt bleibt der Goldstandard der Behandlung.“

Auch Frank Ulrich Montgomery, der Präsident der Bundesärztekammer, will ein Ende des Fernbehandlungsverbots durchsetzen, wie er sich gegenüber der Welt am Sonntag äußerte: „Wir wollen auf diesem Ärztetag die Möglichkeiten schaffen, dass Ärzte künftig auch Patienten, die sie noch nicht kennen, per Video und Telefon behandeln können“. Nach einem möglichen Beschluss muss die Änderungen der Berufsordnung in den Amtsblättern veröffentlicht und von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Und dann muss mit den Krankenkassen diskutiert werden, dass die ausschließliche Fernbehandlung auch angemessen bezahlt wird …

Bis die Videosprechstunde deutschlandweit möglich sein wird, kann es also noch ein bisschen dauern. Bis Freitag wird jetzt erst einmal in Erfurt diskutiert – und wenn es spannende Neuigkeiten gibt, werden wir zeitnah darüber berichten.

Interview mit Gesundheitsminister Jens Spahn

Am 10. Mai 2017 meldet die Ärzte Zeitung: Mit „überwältigender Mehrheit“ – so BÄK-Präsident Prof. Frank Ulrich Montgomery – hat der Deutsche Ärztetag die Lockerung des geltenden Fernbehandlungsverbots beschlossen.

 

 

Weniger Verkäufe gedruckter Ausgaben – auch bei Fachzeitschriften

Zu Jahresbeginn 2018 ist die Entwicklung der Gesamtverkäufe von Zeitungen und Zeitschriften am deutschen Pressemarkt in allen Printgattungen rückläufig. Bei genauerer Betrachtung ist das Bild differenzierter: Der Auflagenrückgang der Tageszeitungen bleibt im Rahmen der zurückliegenden Quartale. Die seit dem 2. Quartal 2016 weitgehend stabilen Gesamtauflagen der Wochenzeitungen müssen aktuell höhere Verluste hinnehmen. Für die Publikums-, Fach- und Kundenzeitschriften sind deutlich gestiegene Verlustraten zu verzeichnen. Der Absatz elektronischer Ausgaben von Presseerzeugnissen steigt weiter an: ePaper stellen in allen Printgattungen wachsende Anteile an den Gesamtverkäufen.

Publikumszeitschriften
Im 1. Quartal 2018 liegt die verkaufte Auflage der Publikumspresse mit 87,16 Mio. Exemplaren um rund 6 Prozent unter dem Vorjahresergebnis (1/2017: 92,76 Mio. Stück). Im 3. Quartal 2017 hatten sich die Gesamtverkäufe der Publikumspresse im direkten Jahresvergleich mit einem Minus von nur 1,84 Prozent vorübergehend stabiler gezeigt. In den übrigen drei Quartalen des zurückliegenden Jahres lagen die Rückgänge jeweils unter 5 Prozent.

Fachzeitschriften
Die verkaufte Auflage der Fachzeitschriften sinkt im 1. Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahresergebnis um 9,57 Prozent auf 9,38 Mio. Stück (1/2017: 10,37 Mio.); gegenüber dem Vorquartal fällt der Rückgang mit einem Minus von 6,65 Prozent (4/2017: 10,04 Mio. verkaufte Stücke) geringer aus. Für die verbreitete Auflage der Fachzeitschriften ist im Jahresvergleich ein moderaterer Rückgang zu verzeichnen (1/2018: 18,52 Mio. gegenüber 19,70 Mio. Stück in 1/2017 – ein Minus von 6,00 Prozent).

Quelle: Pressemitteilung der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. vom 20.04.2018, gekürzt