Die Zukunft der medizinischen Information

Feinstaub und NOx: gibt es da keine App?

Die Themen Stickoxide und Feinstaub geistern ja mittlerweile schon seit Jahren durch die Boulevard-Zeitungen und ebenso durch die medizinische Fachpresse. In der letzten Zeit hat sich eine lebhafte Diskussion um den Pneumologen Dieter Köhler entwickelt der behauptet hat, dass die Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub die realen Gesundheitsgefahren nicht widerspiegeln.

Als User, insbesondere als aufgeklärter, möchte man sich gerne auch seine eigene Meinung bilden und wissen, wie hoch denn die Stickstoff- oder Feinstaubbelastung in der eigenen Umgebung (und auch in den Wohnräumen) wirklich ist. Und da wird es schon etwas schwieriger, denn einen Feinstaubsensor oder einen NOx-Sensor der ins Smartphone integriert ist – den gibt es leider noch nicht. Aber wo bekommt man sonst standortgenaue Informationen zur Luftqualität?

Da gibt es zum Beispiel die Website luftdaten.info, ein Citizen Science-Projekt, welches (aus Stuttgart stammend) sich natürlich der Feinstaubproblematik ganz besonders verschrieben hat. Man findet dort auch einen Bastelsatz für das eigene Feinstaubmessgerät. Wer allerdings den Weg zum Bau- oder Elektronikmarkt scheut, der kann auch ein professionelles Messgerät für einige Hundert Euro bei Amazon bestellen. Aber diese Messapparate sind alle nicht handtaschentauglich.

Die Website vom Umweltbundesamt liefert viele Daten, ist aber für einen ganz kurzen Blick nur bedingt geeignet. Zwei positive Beispiel haben wir aber doch noch: die App umweltinfo.de von der Bayerischen Staatsregierung (Beispiel im Foto unten) und die App Breathe – Luftqualitätsmonitor. Letztere kooperiert mit der o.g. luftdaten.info.

Zumindest für einige Regionen findet man also die gesuchten Werte. Aber auch hier scheitert eine flächendeckende Standortgenauigkeit an der relativ geringen Zahl der Messstationen. Ähnliches kennen wir schon von der Analyse der Pollenbelastung. Für die bundesweite Hochrechnung der Pollenfluginformation ist man letztlich auf die Ergebnisse von ca. 50 stationären Pollenfallen angewiesen. Wie hoch die lokale Belastung wirklich ist, kann auch hier niemand exakt sagen.

Mal wieder durchleuchtet: Deutschlands digitale Gesellschaft

Die Initiative D21 erkundet jährlich, wie die Deutschen es mit der Digitalisierung der Gesellschaft halten. Die Ergebnisse werden im bevölkerungsrepräsentativen D21-Digital-Index publiziert. Letzte Woche erschien der Index 2018/2019 (Link): Smartphones sind demnach weiter auf dem Vormarsch, Desktop-PCs und klassische Mobiltelefone fallen zurück – wenig überraschend, aber mal wieder bestätigt.

Je nach Nutzung und Affinität zur Online-Welt unterscheidet die Studie sieben Nutzertypen: Offliner (16%) sowie Minimal-Onliner (5%), die größtenteils auf Internet und Smartphone verzichten, stellen das analoge Ende dar. Am häufigsten ist in Deutschland der Konservative Gelegenheitsnutzer (32%) vertreten, der zusammen mit der Gruppe Vorsichtige Pragmatiker (10%) das Mittelfeld bildet. Die Gruppe der Digitalen Vorreiter schließlich umfasst Reflektierte Profis (19%), Progressive Anwender (12%) und Technik-Enthusiasten (6%) mit hoher digitaler Kompetenz.

Sehr gespannt waren wir vor allem auf die Ergebnisse der Schwerpunktthemen, gehörte doch dieses Jahr E-Health dazu. Wirtschaftsminister Peter Altmaier beschrieb das in seinem Vorwort als „Anwen­dungsbereich …, in dem die Digitalisierung der Gesellschaft einen besonders hohen Nutzen entfalten kann.“ Bei der Einstellung gegenüber dem Einsatz digitaler Technologien im medizi­nischen Bereich existiert laut D21-Report noch kein gefes­tigtes Meinungsbild: Etwa gleich viele Menschen stehen dem Einsatz von Robotern bei Operationen bzw. digitalen Gesundheitsanwendungen positiv wie negativ gegenüber. Auch die zentrale Speicherung persönlicher Gesund­heitsdaten mit Zugang für Ärzte empfinden jeweils rund ein Drittel eher positiv bzw. negativ, ein weiteres Drittel ist noch unentschieden.

Ganz ähnlich waren die Ergebnisse bei den Einstellungen zum vernetzten Auto, die generelle Einstellung zur Digitalisierung scheint also maßgeblich zu sein. Unterschiede zeigen sich erwartungsgemäß je nach Alter, Berufstätigkeit, Bildungsstand und Wohnort. Mit 48% am offensten für Telemedizin zeigen sich Beschäftigte mit einem Bürojob – betrachtet man die Gruppe der Berufstätigen insgesamt, sinkt der Wert auf 34%. Und nur jeder fünfte Nichtberufstätige zeigte Interesse an der Telemedizin.

Download Studie

Gesundheitsgefährdung durch soziale Medien?

Die Londoner Anthropologin Heidi Larson sieht die Gesundheit der Menschen gefährdet: durch falsche Informationen, die in sozialen Medien bzw. Networks (wie Facebook) verbreitet werden. Dies wurde in einem Interview von Wolfgang Stieler deutlich, welches in der Zeitschrift Technology Review (Dezember 2018) veröffentlicht wurde. Beispiele gefällig?

Maserninfektion. Trotz der Verfügbarkeit des Impfstoffs und des hohen Bildungsstandards der Bevölkerung gibt es in Europa immer noch pro Jahr circa 50.000 Masernfälle. Dies sei auch zum Teil darauf zurück zu führen, dass sich Impfgegner in den sozialen Medien engagieren und deshalb eine wirksame Durchimpfung der Bevölkerung verhindern.

Ein anderes Beispiel ist die Impfung gegen Dengue-Fieber auf den Philippinen. Hier kam es aufgrund auch von Posts in sozialen Medien dazu, dass die Impfrate von 93% auf 28 % gefallen war. Das Vertrauen der Bevölkerung war dahin, nachdem Sanofi vor seinem eigenen Impfmedikament Dengvaxia gewarnt hatte. Impfgegner schafften es, eine generelle Abneigung gegen Impfungen zu provozieren.

HPV-Impfung. Hier wird fälschlicherweise immer wieder von Todesfällen im Zusammenhang mit der HPV Impfung gesprochen, obwohl es keinen einzigen bestätigten Todesfall geben würde. Dafür aber aggressive Darstellungen in den sozialen Medien.

„Bad News are Good News“. Es geht – neben der Ideologie – manchen auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. Wer eine Website für ein bestimmtes Klientel ins Leben ruft; zahlreiche Klicks erhält, kann diese eben auch gut vermarkten. Auch wenn sie mit der Wahrheit und dem eigentlichen Sinn der Gesundheitsvorsorge überhaupt nichts mehr zu tun haben.

Neues Jahr: Auf zu neuen Ufern oder alte Probleme?

Dass es auch 2019 wieder Diskussionen um die Datensicherheit gibt, kommt nicht unerwartet. Dass schon in der zweiten Kalenderwoche die massenhafte Veröffentlichung von privaten Daten verschiedener Politiker und anderer Prominenter sogar den Bundesinnenminister – mal wieder – in die Schusslinie bringt, war so vielleicht nicht zu erwarten. Nun kann man sagen, wer soziale Medien nutzt, weiß worauf er sich einlässt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn Datenschutz im Internet ist für eine Mehrheit der Deutschen schon ein wichtiges Thema. Anfang der Woche hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des ARD-Deutschlandtrend gezeigt, dass 61 Prozent der Befragten sehr große oder große Sorge vor einem Missbrauch ihrer persönlichen Daten im Internet hat.

Da passt es gut, dass die gematik kurz vor Weihnachten 2018 ihre Pläne für die E-Patientenakte nach Paragraf 291a SGB V vorgelegt hat. Sie hat bildlich gesprochen drei Schubladen, eine für die Abrechnungsdaten der Kassen, eine für patientengenerierte Daten und eine für die „richtige Medizin“, in der von Notfalldaten über Befunde und Bilder bis zu Medikationsplänen alles vertreten sein kann. Im Gegensatz zu den Gesundheitsakten der Kassen handelt es sich nicht um einen reinen Datencontainer, sondern um eine „echte“ Akte, die auch mit strukturierten Daten umgehen kann (ICD-Diagnosen etc.).

Diese Struktur muss jetzt durchdefiniert werden und natürlich stellt sich die Frage, wer das machen soll?  Prof. Bertram Häussler vom Berliner IGES Institut sieht es in einem Gastbeitrag für die Ärzte Zeitung so:Die gematik, die vielen 15 Jahre lang als Bremser galt, hat das Mandat für die Architektur behalten, obwohl viele Gründe dafür sprechen, die Standardisierung durch einen offenen Prozess zu gestalten, wie er auf zahlreichen anderen Feldern zu finden ist. Auch wenn die gematik nunmehr bis Ende Dezember hierzu ein Dokument veröffentlichen soll, gibt es in der Szene kaum jemanden, der weiß, wozu dieses Dokument etwas aussagen soll.“ Das erinnert dann doch wieder fatal an die Sponti-Abwandlung eines alten Esso-Werbeslogans aus den 1980er-Jahren: „Es gibt viel zu tun – warten wir’s ab.“

Max-Planck-Gesellschaft kündigt Elsevier

Die Max-Planck-Gesellschaft, eine Top-Adresse europäischer Grundlagenforschung, hat alle Abonnements für Zeitschriften des Elsevier-Verlags Ende 2018 beendet. Eine gute Entscheidung. Die MPG unterstützt damit das nationale Lizensierungsprojekt DEAL, das von 200 Universitäten und Forschungseinrichtungen unterstützt wird.

Worum geht es dabei? Forschende und die Allgemeinheit sollten einen kostenfreien(!) Zugriff auf Forschungsergebnisse erhalten. Dem haben die wissenschaftlichen Verlage, allen voran der Marktführer Elsevier, durch ihre Bezahlschranke einen Riegel vorgeschoben. Ohne Abonnement gibt es keinen Zugriff auf die Artikel. Elsevier produziert etwa 3.500 Fachzeitschriften und erzielt einen Jahresumsatz von 2,7 Mrd. € – bei einer sagenhaften Umsatzrendite von annähernd 40%. Aufgrund der aggressiven Preispolitik wurde der Verlag immer wieder kritisiert.

Die MPG setzt auf die Initiative Open Access 2020. „Unser Ziel ist es, den Publikationsoutput der MPG … im Laufe der nächsten Jahre nahezu komplett frei zugänglich zu machen, “, so Ralf Schimmer, Stellvertretender Leiter der Max Planck Digital Library in einer Pressemitteilung.

Insofern ist der Schritt der MPG nur konsequent, denn die Nicht-Verfügbarkeit wissenschaftlicher Information behindert den wissenschaftlichen Fortschritt.

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