Die Zukunft der medizinischen Information

Offene Patientenakten mit Draht zum Arzt

Die Zukunft der medizinischen Information ist nicht nur in Deutschland ein Thema. Im Rahmen des Affordable Care Act, hierzulande besser als Obamacare bekannt, wurden rund 30 Milliarden US-Dollar in den Aufbau einer Infrastruktur für elektronische Patientenakten gesteckt. Bis Februar 2015 konnte die Nutzung in Arztpraxen und Krankenhäusern damit von 20 Prozent auf fast 70 Prozent gesteigert werden.

Die Washington Post (WP) hat diesem Thema jüngst eine große Story gewidmet, die mit interessanten Fakten aufwartet. So haben rund die Hälfte aller Patienten direkten Zugang zu ihren Daten. Und damit auch die Möglichkeit, nicht nur Laborwerte und Röntgenaufnahmen einzusehen, sondern auch die Notizen, die der Arzt beim letzten Besuch (oder allen anderen) gemacht hat. Und gegebenenfalls Missverständnissse zu korrigieren. Denn, so die WP weiter, kaum eine Akte ist frei von Fehlern. Ein Fakt, den bei „geschlossenen“ Akten in der Praxis einfach nur keiner bemerkt …

Nach einer Umfrage der National Partnership for Women & Families wünscht sich die Mehrheit der Patienten die Möglichkeit, über die Akte auch direkt mit dem Arzt kommunizieren zu können. Der fehlende persönliche Kontakt wird dabei nicht allzu sehr vermisst. Schließlich, so ein weiteres Statement der Umfrage, beschäftigen sich viele Ärzte auch bei persönlichen Besuchen mehr mit dem Computer, als mit dem Patienten.

Zum Beitrag in der Washington Post

Der Markt für mobile Health-Apps in der EU

In einem aktuellen Ranking haben mehr als 4.400 App-Entwickler, Healthcare-Profis und mHealth-Anwender ihre Bewertungen abgegeben.
Einige Erkenntnisse in aller Kürze:
Der EU-Markt zeigt sich sehr heterogen. Dänemark, Finnland, Niederlande, Schweden und Großbritannien bieten die besten Marktbedingungen für mHealth-Unternehmen in der EU.
Deutschland und Frankreich sind die kompliziertesten Märkte in der EU für mHealth. Auf der einen Seite begegnet man zwar großen Märkten bzgl. Patientenzahlen oder Gesundheitsausgaben, auf der anderen Seite stehen Regulierungen und nur eine mittelmäßige Digitalisierung im Gesundheitswesen der Attraktivität entgegen.
Griechenland, Rumänien und Lettland finden sich auf den hinteren Rängen in dieser Untersuchung. Die Reife des mHealth-Marktes wird von Faktoren wie Smartphone- bzw. Tablet-Durchdringung oder der Verbreitung von E-Rezepten charakterisiert. Die vorderen Plätze zeichnen sich durch mehr als doppelt so gute Bedingungen in diesen Punkten aus. Regionale Investitionen sollten also gut überlegt sein.

(Quelle: research2guidance’s EU Countries’ mHealth App Market Ranking 2015)

Genossenschaftliche Gesundheitsdaten – Modell für Deutschland?

Die Telematik wird bei der Gesundheitsversorgung in Zukunft eine wichtige – womöglich entscheidende – Rolle spielen. Da sind sich (fast) alle einig. Der schnelle technologische Wandel erfordert aber auch eine die regelmäßige Anpassung der regulatorischen Bedingungen, etwa in Zulassungs- und Erstattungsfragen. Und hier hapert es – und zwar gewaltig.

Die Ärzte Zeitung zitiert Angela Brand, Professorin für Social Medicine & Public Health Genomics an der Universität Maastricht: „In vielen Bereichen ist Deutschland immer Vorreiter gewesen, im Gesundheitsbereich ist das Gegenteil der Fall.“ Ihre Erklärung: In kaum einem anderen Land sei der Lobbyismus im Gesundheitswesen so stark wie in Deutschland. Seit Jahren wird vor allem der Datenschutz gerne dazu genutzt, Veränderungen zu verhindern. Bei wichtigen Entwicklungen, so Brand weiter, sei Deutschland nicht innovativ genug und drohe, im internationalen Vergleich zum Schlusslicht zu werden.

Als Vorbild sieht sie die Schweiz, wo im Rahmen eines Pilotprojekts eine Genossenschaft die Gesundheitsdaten ihrer Mitglieder verwaltet. Die Mitglieder entscheiden, was damit passiert. Das wäre vielleicht ja auch für Deutschland mal eine öffentliche Diskussion wert …

www.datenundgesundheit.ch

Therapieunterstützung: Internet mit großem Potenzial

Der EPatient Survey untersucht seit 2010 den Einfluss des Internet auf das Gesundheitssystem in Deutschland. Die Umfrage 2015, die gestern in Berlin vorgestellt wurde, bestätigt internationale Publikationen zur Compliance. Demnach können therapiebegleitende Dienste im Internet die Therapie verbessern. Fast die Hälfte der Befragten versteht und befolgt die Ausführungen ihres Arztes aufgrund von Informationen aus dem Netz besser. Und 38 Prozent geben an, das Internet habe ihnen im Alltag und im Umgang mit ihrer Erkrankung psychisch und praktisch geholfen.

Die Umfrage zeigt aber auch, dass sich Nutzer im digitalen Gesundheitsdschungel gerne verirren und sich zuverlässige Pfadfinder wünschen. So möchten Patienten Medikamenten-Apps lieber von ihrem Arzt (57%) oder ihrer Krankenversicherung (38%) erhalten als in den App-Stores von Apple, Google und Microsoft. Von den Krankenversicherungen wünschen sie sich außerdem geprüfte Übersichten zu empfehlenswerten Webseiten und Apps. Großes Potenzial haben laut Studie auch digitale Gesundheitsakten als zentraler Speicherort für alle medizinischen Daten eines Patienten.

 

Watson in der Onkologie

Die kognitiven Computing-Funktionen von IBMs Superrechner Watson sollen zuküftig auch genomische Daten von Krebspatienten auswerten und dabei helfen, potenzielle Medikamente für das entsprechende genetische Profil zu identifizieren.

Zwar sind Gensequenzierung und -analyse bei der Behandlung von Tumoren nichts Neues. Das Problem sind die Massen von genetischen Daten – und die Zeit die es braucht, den Datendschungel zu durchkämmen. Mithilfe von Watson soll eine Analyse, die vorher Wochen dauerte, auf wenige Minuten verkürzt werden können. Und Geschwindigkeit ist kritisch, weil die Krebsbehandlung immer ein Wettlauf gegen die sich schnell teilenden Zellen ist.