Die Zukunft der medizinischen Information

Prä-Diabetes: Online-Training kann Progression verhindern

Heute erschien im Journal of Medical Internet Research ein Beitrag, der sich mit der langfristigen Erfolgswahrscheinlichkeit von „Digital therapeutics“ beschäftigt – evidenzbasiertem Online-Training. Ziel der Studie war ein 2-Jahres-Follow-up  eines Internet-basierten Diabetes-Präventionsprogramm für Teilnehmer, bei denen Prä-Diabetes diagnostiziert worden war (n=220). Dabei wurde insbesondere die Auswirkungen auf das Körpergewicht und den HbA1c-Wert überprüft, beides gesicherte Diabetes-Risikofaktoren.

Im Gegensatz zur Erwartung – die Mehrzahl der Prä-Diabetiker zeigt innerhalb von zwei Jahren eine Progression hin zum Diabetes-Vollbild mit steigenden HbA1c-Werten – zeigte die Mehrzahl der Programmteilnehmer eine durchschnittlichen Rückgang des Hba1c-Wertes aus dem prädiabetischen Bereich (5.7%-6.4%) in den normalen Bereich (<5,7%). Teilnehmer, die das 16-Wochen-Initialprogramm beendet hatten, konnten zudem nach einem Jahr ihr Gewicht durchschnittlich um 4.9% reduzieren und dieses reduzierte Gewicht auch im zweiten Jahr halten. Die Autoren folgern: „Further investigation is warranted to test digital therapeutics as a scalable solution to address national diabetes and cardiovascular disease prevention efforts.“

J Med Internet Res 2015;17(4):e92, doi:10.2196/jmir.4052

SMS-Nachrichten in der Gesundheitskommunikation

Eine aktueller Beitrag in Annual Review of Public Health beschäftigt sich mit der Effizienz von SMS-Nachrichten in der Gesundheitskommunikation. Der Beitrag wertet 15 Reviews aus, die wiederum auf insgesamt 228 Einzelstudien beruhen (Mobile text messaging for health: a systematic review of reviews. Annu Rev Public Health. 2015 Mar 18;36:393-415. doi: 10.1146/annurev-publhealth-031914-122855). Die Untersuchungen umfassten präventive und therapeutische Interaktionen in vielen verschiedenen Indikationsbereichen.

Von den 15 Reviews bescheinigten 5 den SMS-Nachrichten „statistically significant positive effects on health outcomes and/or behaviors”, bei den anderen fehlte nach Ansicht der Auswerter die statistische Relevanz. Ihr Fazit: „Although strong evidence supports the value of integrating text-messaging interventions into public health practice, additional research is needed to establish longer-term intervention effects, identify recommended intervention characteristics, and explore issues of cost-effectiveness.“ Den nachhaltigsten Erfolg erzielten die Textnachrichten übrigens im Rahmen von Raucherentwöhnungsprogrammen.

Online-Sprechstunde gegen Ärztemangel?

Der drohende Mangel, insbesondere jener der Hausärzte im ländlichen Bereich, ist in den letzten Monaten immer wieder in den Medien thematisiert worden. Ob im Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung oder in der Tagespresse: die bestehende und weiter zunehmende Verschlechterung der Versorgungsstruktur im ländlichen bzw. strukturschwachen Raum ist erkannt worden. Doch: wie kann ein solches gesamtgesellschaftliches Problem gelöst werden?

Einige Ansätze gibt es bereits: von der Delegation ärztlicher Tätigkeiten an Mitarbeiter (AGnES-Konzept) über die simple – aber möglicherweise effiziente Idee – die Krankmeldung durch den Arzt erst nach einer Woche zu verlangen, bis hin zu Telematik-Ideen.

Einen solchen Ansatz verfolgt z. B. die Lübecker Firma „Patientus GmbH“. Sie bietet eine Online-Sprechstunde via Webcam und Browser. Noch zahlen die Krankenkassen diesen Service nicht, manche Ärzte haben auch rechtliche Bedenken. Trotzdem handelt es sich um eine positive Entwicklung, die in die richtige Richtung geht.

Das Online-Arztgespräch könnte nicht nur der Bequemlichkeit der Patienten sondern insbesondere der gesundheitlichen Versorgung einen sehr guten Dienst erweisen.

IT für die medizinische Forschung

Die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. – hat in dieser Woche Ihren zweiten Report zur Forschungs-IT in der Medizin veröffentlicht. Der Bericht will Universitätskliniken und andern forschungsnahen Krankenhäusern mit Best-Practice-Beispielen und Hinweisen auf bewährte Tools ein Nachschlagewerk für ihre IT-Planung an die Hand geben. Gegenüber dem Vorbericht 2012/2013 wurde jetzt auch die Nutzung von Datenquellen aus der Versorgung und der Molekularbiologie integriert.

IT-Reviewing-Board der TMF (Hrsg.): IT-Infrastrukturen in der patientenorientierten Forschung. Aktueller Stand und Handlungsbedarf 2014. Berlin, Aka-Verlag, März 2015.

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Mit Big Data gegen Infektionen

Epidemien gehören zu den großen Bedrohungen der Menschheit. Ebola kostet tausende Menschenleben in Westafrika, während in Deutschland Masern und Grippe für Aufregung sorgen. Ein neues IT-System soll dazu beitragen, aktuelle Lageanalysen in Echtzeit zu erstellen.

Ein Konsortium aus Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, des Robert-Koch-Instituts, des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin und des Hasso-Plattner-Instituts für IT-Forschung hat zusammen mit Forschern aus Nigeria das System SORMAS entwickelt (Surveillance and Outbreak Response Management System), das zur Zeit in Westafrika im Zusammenhang mit der Ebola-Epidemie getestet wird.

Um den technischen Voraussetzungen vor Ort gerecht zu werden, kommen handelsübliche Mobiltelefone mit einer speziellen App als Steuerungsinstrument für Schutzmaßnahmen und zur Übermittlung epidemiologischer Daten zum Einsatz. Dabei werden etwaige Auffälligkeiten erfasst und direkt in das zentrale Datenbanksystem eingespielt. Dort können die Daten interaktiv nach frei wählbaren Kriterien ausgewertet werden. Forscher können so schnell Zusammenhänge erkennen und direkt reagieren. Das System, das auf der heute zu Ende gehenden CeBit vorgestellt wurde, soll nach der Testphase auch auf andere Infektionskrankheiten wie Masern, Vogelgrippe und Cholera ausgedehnt werden.

Zur Projektwebsite: http://www.helmholtz-hzi.de/de/forschung/forschungsprojekte/ansicht/projekt/projekt/ebocon_10/