Die Zukunft der medizinischen Information

Genossenschaftliche Gesundheitsdaten – Modell für Deutschland?

Die Telematik wird bei der Gesundheitsversorgung in Zukunft eine wichtige – womöglich entscheidende – Rolle spielen. Da sind sich (fast) alle einig. Der schnelle technologische Wandel erfordert aber auch eine die regelmäßige Anpassung der regulatorischen Bedingungen, etwa in Zulassungs- und Erstattungsfragen. Und hier hapert es – und zwar gewaltig.

Die Ärzte Zeitung zitiert Angela Brand, Professorin für Social Medicine & Public Health Genomics an der Universität Maastricht: „In vielen Bereichen ist Deutschland immer Vorreiter gewesen, im Gesundheitsbereich ist das Gegenteil der Fall.“ Ihre Erklärung: In kaum einem anderen Land sei der Lobbyismus im Gesundheitswesen so stark wie in Deutschland. Seit Jahren wird vor allem der Datenschutz gerne dazu genutzt, Veränderungen zu verhindern. Bei wichtigen Entwicklungen, so Brand weiter, sei Deutschland nicht innovativ genug und drohe, im internationalen Vergleich zum Schlusslicht zu werden.

Als Vorbild sieht sie die Schweiz, wo im Rahmen eines Pilotprojekts eine Genossenschaft die Gesundheitsdaten ihrer Mitglieder verwaltet. Die Mitglieder entscheiden, was damit passiert. Das wäre vielleicht ja auch für Deutschland mal eine öffentliche Diskussion wert …

www.datenundgesundheit.ch

Therapieunterstützung: Internet mit großem Potenzial

Der EPatient Survey untersucht seit 2010 den Einfluss des Internet auf das Gesundheitssystem in Deutschland. Die Umfrage 2015, die gestern in Berlin vorgestellt wurde, bestätigt internationale Publikationen zur Compliance. Demnach können therapiebegleitende Dienste im Internet die Therapie verbessern. Fast die Hälfte der Befragten versteht und befolgt die Ausführungen ihres Arztes aufgrund von Informationen aus dem Netz besser. Und 38 Prozent geben an, das Internet habe ihnen im Alltag und im Umgang mit ihrer Erkrankung psychisch und praktisch geholfen.

Die Umfrage zeigt aber auch, dass sich Nutzer im digitalen Gesundheitsdschungel gerne verirren und sich zuverlässige Pfadfinder wünschen. So möchten Patienten Medikamenten-Apps lieber von ihrem Arzt (57%) oder ihrer Krankenversicherung (38%) erhalten als in den App-Stores von Apple, Google und Microsoft. Von den Krankenversicherungen wünschen sie sich außerdem geprüfte Übersichten zu empfehlenswerten Webseiten und Apps. Großes Potenzial haben laut Studie auch digitale Gesundheitsakten als zentraler Speicherort für alle medizinischen Daten eines Patienten.

 

Watson in der Onkologie

Die kognitiven Computing-Funktionen von IBMs Superrechner Watson sollen zuküftig auch genomische Daten von Krebspatienten auswerten und dabei helfen, potenzielle Medikamente für das entsprechende genetische Profil zu identifizieren.

Zwar sind Gensequenzierung und -analyse bei der Behandlung von Tumoren nichts Neues. Das Problem sind die Massen von genetischen Daten – und die Zeit die es braucht, den Datendschungel zu durchkämmen. Mithilfe von Watson soll eine Analyse, die vorher Wochen dauerte, auf wenige Minuten verkürzt werden können. Und Geschwindigkeit ist kritisch, weil die Krebsbehandlung immer ein Wettlauf gegen die sich schnell teilenden Zellen ist.

Telemedizinisches Notfallsystem soll Leben retten

Vom 10. bis 12. Mai 2015 findet in Amsterdam der 16. European Congress for Trauma and Emergency Surgery (ECTES) statt. Und auch bei den Unfallchirurgen wird es um die Frage gehen, wie sich ein schneller und effizienter Datenaustausch realisieren lässt. Denn vor allem bei Poytraumata, wie sie oft bei Unfällen oder Stürzen aus großer Höhe auftreten, kann er über Leben und Tod entscheiden. Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie stellt dazu in Amsterdam ihr Telekommunikationssystem TKmed vor.

Im Schockraum, dem Hot Spot der Notaufnahme, gehört ein Ganzkörper-CT zur zentralen Diagnostik bei Schwerverletzten. Bei immerhin 80 Prozent der Schwerverletzten wurde im Jahr 2013 eine solche Notfall-Untersuchung durchgeführt und es gilt als gesichert, dass das Ganzkörper-CT helfen kann, das Sterberisiko zu senken. Im TKmed-System können Bilder und Befunde jetzt sofort an Spezialisten anderer Kliniken verschickt werden. So soll die Kompetenz eines Maximalversorgers mit hunderten von Schwerstverletzten pro Jahr in kleinere Kliniken im ganzen Land getragen werden.

 

www.tkmed.org

 

China als Trendsetter?

Laut der Website german.china.org.cn haben die E-Books in China erstmalig Druckerzeugnisse überholt. Das veränderte Mediennutzungsverhalten im Reich der Mitte zeigt zwar nur einen minimalen Vorsprung der digitalen Medien gegenüber dem Druckwerk – aber wer hätte eine solche Entwicklung vor 10 Jahren erwartet? Die Studie wurde übrigens von der Chinesischen Akademie für Presse und Publikationen durchgeführt und hat ebenso bestätigt, dass auch das konventionelle Konsumieren von Texten weiter zunimmt. Sicherlich kann man über die Methoden der Studie trefflich streiten, unbestritten bleibt der Vormarsch der digitalen Information.