Die Zukunft der medizinischen Information

Gesundheitsberater oder Spion? Der IBM/Apple-Deal

Puls, Schrittzahl, Blutdruck – die Apple Watch kann viele Vitalparameter messen und verarbeiten. Und IBM, nach wie vor weltgrößter IT-Dienstleister, hat diese Woche angekündigt, rund um die so aufgezeichneten Gesundheitsdaten zukünftig einen eigenen Service anzubieten.

Dazu gründet Big Blue eine neue Firma mit Hauptsitz in Boston. Ziel ist es, die Daten von Millionen Apple-Geräten auszuwerten und die Analysen dann anzubieten. Zwar betont man die Wichtigkeit u.a. für die medizinische Forschung, hat aber sicher vor allem den kommerziellen Wert der Daten im Hinterkopf. Es ist kein Zufall, dass gleichzeitig weitgehende Kooperationen mit Johnson & Johnson sowie Medtronic angekündigt wurden.

Zwar betonte IBM, besonderen Wert auf die Datensicherheit legen zu wollen – aber wieviel diese Datensicherheit in den USA wert ist, ist ja hinlänglich bekannt.

Brot und Spiele auf der conhIT 2015

Unter dem Motto Gemeinsam die Zukunft des Gesundheitswesens gestalten präsentiert die conhIT 2015 noch bis morgen Brot- und Butter-Lösungen zum digitalen Gesundheitswesen und verspricht „Systeme für mehr Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Qualität“. Dominierende Themen sind  Mobilität, Sicherheit und Vernetzung – von behandlungsbegleitender Arbeitsunterstützung über Erleichterungen bei der Abrechnung von Leistungen bis hin zur vernetzten Kommunikation.

Dass babei immer mehr der Patient im Fokus steht, beweist nicht zuletzt die erstmals eingerichtete „mobile health ZONE“. Frei nach dem Motto Brot und Spiele werden im AppCircus die besten Apps zur Interaktion von Medizinern, Pflegern und Patienten in Europa prämiert. Preisträger beim heutigen Finale 2015 wurde die App mimihearing, die das Smartphone zum Hörgerät macht.

www.mimi.io

Prä-Diabetes: Online-Training kann Progression verhindern

Heute erschien im Journal of Medical Internet Research ein Beitrag, der sich mit der langfristigen Erfolgswahrscheinlichkeit von „Digital therapeutics“ beschäftigt – evidenzbasiertem Online-Training. Ziel der Studie war ein 2-Jahres-Follow-up  eines Internet-basierten Diabetes-Präventionsprogramm für Teilnehmer, bei denen Prä-Diabetes diagnostiziert worden war (n=220). Dabei wurde insbesondere die Auswirkungen auf das Körpergewicht und den HbA1c-Wert überprüft, beides gesicherte Diabetes-Risikofaktoren.

Im Gegensatz zur Erwartung – die Mehrzahl der Prä-Diabetiker zeigt innerhalb von zwei Jahren eine Progression hin zum Diabetes-Vollbild mit steigenden HbA1c-Werten – zeigte die Mehrzahl der Programmteilnehmer eine durchschnittlichen Rückgang des Hba1c-Wertes aus dem prädiabetischen Bereich (5.7%-6.4%) in den normalen Bereich (<5,7%). Teilnehmer, die das 16-Wochen-Initialprogramm beendet hatten, konnten zudem nach einem Jahr ihr Gewicht durchschnittlich um 4.9% reduzieren und dieses reduzierte Gewicht auch im zweiten Jahr halten. Die Autoren folgern: „Further investigation is warranted to test digital therapeutics as a scalable solution to address national diabetes and cardiovascular disease prevention efforts.“

J Med Internet Res 2015;17(4):e92, doi:10.2196/jmir.4052

SMS-Nachrichten in der Gesundheitskommunikation

Eine aktueller Beitrag in Annual Review of Public Health beschäftigt sich mit der Effizienz von SMS-Nachrichten in der Gesundheitskommunikation. Der Beitrag wertet 15 Reviews aus, die wiederum auf insgesamt 228 Einzelstudien beruhen (Mobile text messaging for health: a systematic review of reviews. Annu Rev Public Health. 2015 Mar 18;36:393-415. doi: 10.1146/annurev-publhealth-031914-122855). Die Untersuchungen umfassten präventive und therapeutische Interaktionen in vielen verschiedenen Indikationsbereichen.

Von den 15 Reviews bescheinigten 5 den SMS-Nachrichten „statistically significant positive effects on health outcomes and/or behaviors”, bei den anderen fehlte nach Ansicht der Auswerter die statistische Relevanz. Ihr Fazit: „Although strong evidence supports the value of integrating text-messaging interventions into public health practice, additional research is needed to establish longer-term intervention effects, identify recommended intervention characteristics, and explore issues of cost-effectiveness.“ Den nachhaltigsten Erfolg erzielten die Textnachrichten übrigens im Rahmen von Raucherentwöhnungsprogrammen.

Online-Sprechstunde gegen Ärztemangel?

Der drohende Mangel, insbesondere jener der Hausärzte im ländlichen Bereich, ist in den letzten Monaten immer wieder in den Medien thematisiert worden. Ob im Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung oder in der Tagespresse: die bestehende und weiter zunehmende Verschlechterung der Versorgungsstruktur im ländlichen bzw. strukturschwachen Raum ist erkannt worden. Doch: wie kann ein solches gesamtgesellschaftliches Problem gelöst werden?

Einige Ansätze gibt es bereits: von der Delegation ärztlicher Tätigkeiten an Mitarbeiter (AGnES-Konzept) über die simple – aber möglicherweise effiziente Idee – die Krankmeldung durch den Arzt erst nach einer Woche zu verlangen, bis hin zu Telematik-Ideen.

Einen solchen Ansatz verfolgt z. B. die Lübecker Firma „Patientus GmbH“. Sie bietet eine Online-Sprechstunde via Webcam und Browser. Noch zahlen die Krankenkassen diesen Service nicht, manche Ärzte haben auch rechtliche Bedenken. Trotzdem handelt es sich um eine positive Entwicklung, die in die richtige Richtung geht.

Das Online-Arztgespräch könnte nicht nur der Bequemlichkeit der Patienten sondern insbesondere der gesundheitlichen Versorgung einen sehr guten Dienst erweisen.