Corona: Impfung ohne Nadel?

Das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam und der Technologietransfer-Fond KHAN-I entwickeln gemeinsam mit dem Lead Discovery Center in Dortmund ein Impfverfahren gegen SARS-CoV2. Die Forscherinnen und Forscher hoffen, in den kommenden Jahren über den gezielten Impfstofftransport über die Haut Immunität und Schutz gegen das Virus aufbauen zu können.
SARS-CoV2 hat mittlerweile über 3,6 Millionen Menschen weltweit infiziert und ist verantwortlich für über 250.000 Todesfälle. Die Dunkelziffer wird deutlich höher eingeschätzt. Für Milliarden Menschen bestimmt diese Pandemie gegenwärtig den Lebensalltag und auch langfristig sind die Auswirkungen auf Weltwirtschaft und Gesundheitssysteme schwerwiegend. In Industrie und akademischer Forschung wird über viele Lösungsansätze an der schnellen Entwicklung eines wirksamen, anhaltenden Impfschutzes gearbeitet, der in der Zukunft die Notwendigkeit drastischer Maßnahmen zur Ausbreitungsbeschränkung solcher Erkrankungen vermeiden kann.
Impfstoffe stellen die einzige langfristige Möglichkeit dar, einen Erreger zu bekämpfen. Im Zusammenhang mit SARS-CoV2 werden vor allem neuartige und schnell auf neue Viren anpassbare Impftechnologien forciert, die auf die Applikation von Nukleinsäure-Wirkstoffen oder Verwendung von Adenovirus-Vektoren beruhen. Fast alle dieser Technologien beruhen auf der Injektion des Impfstoffs in den Muskel des Patienten. In der Haut ist die Dichte der Immunzellen allerdings höher als in Muskeln: Hier befinden sich auch die sogenannten Langerhans-Zellen. Diese Zellen aktivieren und koordinieren die antivirale Antwort im Körper.
Die Arbeitsgruppe von Christoph Rademacher am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung hat eine neue Plattformtechnologie entwickelt, mit dem diese Langerhans-Zellen gezielt angesprochen werden können. Dieses System soll es ermöglichen, Impfstoffe direkt auf die Haut aufzutragen oder mit Mikronadeln zu injizieren.

(Quelle: Pressemeldung der Max-Planck-Gesellschaft vom 13. Mai 2020, gekürzt)

CoroNotes: Eine App für Covid-19-Studien

Für die Covid-19-Forschung kann CoroNotes eine große Hilfe sein. Denn mit der App lassen sich dringend benötigte Daten zu Infektionen mit Sars-CoV-2 schnell und effizient erheben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Tübingen AI Center, einer gemeinsamen Einrichtung der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme, haben die App zusammen mit Medizinern der Universitätsklinik Tübingen entwickelt. Ziel des Projekts ist es, mit freiwilligen und anonymen Angaben medizinische und wissenschaftliche Studien zum neuartigen Coronavirus zu unterstützen und damit wichtige Einblicke in die Ausbreitung und Verläufe der durch das Sars-CoV-2 hervorgerufenen Krankheit Covid-19 zu gewinnen. Die kostenlose App ist ab sofort im GooglePlayStore verfügbar. In Kürze wird sie auch im Apple App-Store veröffentlicht.
„Mit CoroNotes haben wir eine Plattform geschaffen, die Nutzern die Möglichkeit bietet, jeden Tag an der Erforschung des Virus teilzuhaben“, sagt Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und Co-Direktor des Tübinger AI Center. Die Nutzer bleiben dabei völlig anonym. Sie brauchen täglich nur ein paar Fragen zu ihrem Gesundheitszustand und zu eventuellen Symptomen zu beantworten. Aus diesen Daten können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann Rückschlüsse auf Krankheitsverläufe ziehen, die im Zusammenhang mit Covid-19 stehen könnten. „So können alle User einen Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung dieses Virus leisten,“ sagt Schölkopf. „Wir hoffen, mithilfe der erfassten Daten zur Beantwortung wichtiger Fragestellungen beitragen zu können – beispielsweise, welche Behandlungen am wirksamsten sind, wie möglichst zuverlässige Diagnosen gestellt werden können, oder auch wie die Immunität gegen das Virus nachgewiesen werden kann.“
Anhand eines einfachen Fragebogens, den die Nutzerinnen und Nutzer der App täglich in weniger als einer Minute auf ihrem Smartphone oder Tablet ausfüllen, werden wichtige Informationen über die Covid-19 Pandemie gewonnen. Zum Beispiel, ob sie sich an dem jeweiligen Tag wohl fühlen oder aber Kopf- und Gliederschmerzen haben, eventuell sogar Fieber. Jeder Tag zählt, auch wenn sie sich gesund fühlen. Die Forschenden hoffen, mit den Daten bessere Frühindikatoren für schwere Krankheitsverläufe identifizieren zu können, oder geeignete Personen für medizinische Studien ansprechen zu können, die einen besonders großen Erkenntnisgewinn für den Umgang mit Covid-19 versprechen. Auch sollen die Daten helfen, Epizentren der Pandemie früher ausfindig zu machen.

(Quelle: Pressemeldung der Max-Planck-Gesellschaft vom 17.04.2020, gekürzt)

App-Hilfe in der Corona-Krise?

Was ist Ihnen wichtiger: Gesundheit oder Datenschutz? Zugegeben eine verkürzte Zusammenfassung der derzeitigen Diskussion rund um die Einführung von „Corona-Überwachungs-Apps“, die in den letzten Tagen in zahllosen Beiträgen diskutiert wurde. Handy-Ortung wäre ein Mittel, wenn es nach dem Gesundheitsminister geht. Eine freiwillige App scheint vielen besser zu gefallen. Was machen denn andere Länder?

In Österreich bietet das Rote Kreuz seit letzter Woche seine „Stopp Corona-App“ an, um die Infektionskette der Corona-Infektionen schnellstmöglich zu unterbrechen. Dazu dient als Kernstück ein Kontakt-Tagebuch, indem persönliche Begegnungen mittels „digitalem Handshake“ anonymisiert gespeichert werden. Treten bei einer Person dann Symptome einer Corona-Erkrankung auf, wird man als Kontakt automatisch benachrichtigt und gebeten, sich selbst zu isolieren.

Irlands Gesundheitsbehörde möchte demnächst eine App anbieten, die per Bluetooth Ansteckungsverläufe nachvollziehen kann. Alle Smartphones aller Nutzer verbinden sich automatisch. Freiwillige Vernetzung.

Apps in China sind da schon etwas robuster, denn sie erstellen individuelle Interaktions- und Bewegungsprofile, bewerten das Infektionsrisiko, sollen u.a. den Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln steuern.

In Israel vergleicht eine Geolokalisations-App die Nutzerdaten mit Informationen über den Aufenthaltsort von positiv auf Corona getesteten Personen, bei Matching der Daten wird alarmiert und Quarantäne angeordnet.

Tschechien möchte das Bewegungsprofil positiv Getesteter anhand von Mobiltelefondaten, aber auch der Kreditkartennutzung nachverfolgen.

Russland setzt eher auf Gesichtserkennung. Die Moskauer Polizei, so wird zitiert, habe 200 Personen gefasst und zu einer Geldstrafe verurteilt, die gegen die Quarantäne und die Selbstisolierung verstoßen hätten. Möglich wird dies durch ein System mit 170.000 Kameras.

Welcher Ansatz bieten die besten Chancen, die Infektionskette zu unterbrechen? In ein paar Wochen werden wir es besser einschätzen können.

COVID-19: Durchbruch für die Videosprechstunde?

Das Corona-Virus beherrscht die Nachrichten. Nahezu stündlich werden aktuell neue Infektionen gemeldet. Die Angehörigen der Gesundheitsberufe fühlen sich nicht optimal (aus)gerüstet, denn Schutzkleidung und Schutzmasken sind kaum zu bekommen. Patienten, insbesondere diejenigen mit schweren Vorerkrankungen, sorgen sich vor dem nächsten Arztbesuch, denn sie möchten sich keiner weiteren Ansteckungsgefahr aussetzen.

Diese Situation könnte doch der Videosprechstunde den Weg endgültig ebnen. Patienten könnten eine ärztliche Einschätzung der gezeigten Symptome erfahren und der Hausarzt könnte die weiteren Schritte direkt mit dem Patienten abstimmen. Ohne Gefährdung der Ärzte, des Personals in Klinik und Praxis – und der anderen Patienten.

Technologisch ist dies im Jahr 2020 keine Herausforderung, es gibt schließlich auch in Deutschland mehrere Anbieter. Man könnte also schon weiter sein, wenn Politik und Verwaltung diese Lösung stärker unterstützt hätten. Hoffen wir, dass wir bei der nächsten Epidemie besser gerüstet sind.

Informationen über die technischen und fachlichen Anforderungen und eine Liste der zertifizierten Anbieter finden sich auf der Website der KBV.